Spaenle will Mindestschülerzahl senken

München – Durch die demographische Entwicklung ist im ländlichen Raum der Erhalt vieler Grundschulen gefährdet. Jetzt will Kultusminister Ludwig Spaenle die Mindestschülerzahl senken und so die Standorte sichern.

Nach dem Motto „Kurze Beine – kurze Wege“ strebt Kultusminister Ludwig Spaenle den Erhalt von mehr als 2000 Grundschulen in Bayern an. Dazu will der Minister die Mindestschülerzahl massiv senken. Grundschulen sollen in Zukunft erhalten bleiben können, wenn sie in allen vier Klassenstufen zusammen nur noch 26 Schüler haben. Dabei handle es sich quasi um eine Halbierung der bisher geltenden Mindesklassenstärke von 13 Schülern, sagt Spaenle am Freitag in München.

Die für die Umsetzungen notwendigen Mittel und Stellen in bislang unbekannter Höhe werden im Nachtragshaushalt beantragt. In Mittelschulverbünden ist die Mindesklassengröße von 15 Schülern bereits außer Kraft gesetzt worden. Die Regelung zeigt große Wirkung: Bayernweit mussten 230 Schulen kleinere Klassen bilden.

Grund für Probleme sind die vom Ministerium prognostizierten Schülerzahlen für Bayern. Bis 2020 soll demnach die Zahl der jungen Menschen zwischen sechs und 18 Jahren um circa zwölf Prozent sinken – von rund 1,8 auf 1,5 Millionen. Der Rückgang wirkt sich vor allem auf ländliche Regionen aus.

Denn während im Großraum München sogar mit einer leichten Zunahme gerechnet wird, geht auf dem Land die Zahl der Kinder und Jugendlichen vereinzelt um mehr als ein Fünftel zurück. Von der demographischen Entwicklung sind natürlich auch die Schulen in Bayern betroffen. Um trotzdem möglichst viele Standorte zu erhalten, setzt der Kultusminister auf eine standortbedingte Schulentwicklung. „Wir müssen den Kindern und Jugendlichen im ländlichen Raum auch morgen ein qualitätsvolles Bildungsangebot unterbreiten“, sagte Spaenle.

Im Dialog mit den Menschen vor Ort sollen passgenau Bildungsangebote entwickelt werden. Dafür ist für Spaenle ein vielgliedriges Schulwesen mit Mittelschule, Realschule und Gymnasium wichtig. Denn nur mit den verschiedenen Schularten sei man in der Lage, den Kindern mit ihren unterschiedlichen Begabungen gerecht zu werden. Besonders wichtig ist für den Minister auch, dass jeder Schüler in Bayern die Möglichkeit hat, jeden Abschluss erwerben zu können. Unter dem Motto „Zusammenarbeiten statt Zusammenlegen“ setzt Spaenle auf eine Kooperation der Schularten. Diese soll Jugendlichen der Mittelschule den Weg zum Realschulabschluss erleichtern.

Spaenle ist von den Maßnahmen überzeugt, erntet aber Kritik von den Grünen, die das Konzept als nicht ausreichend beurteilen. „Wollen ist schön, sichert aber noch keine Schulstandorte“, erklärt der schulpolitische Sprecher Thomas Gehring. Die Landtagsgrünen plädieren weiter für eine Öffnungsklausel, womit an Mittelschulen ein längeres gemeinsames Lernen für alle Kinder einer Gemeinde möglich wäre.

Andreas Günthner

Rubriklistenbild: © dpa

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