Medien

Neue Eigentümer für die Abendzeitung

München - Die Abendzeitung wird auch künftig erscheinen. Der Verleger des Straubinger Tagblatts Martin Balle kauft das Blatt. Von den 100 Mitarbeitern dürfen nur maximal 25 bleiben. Große Teile der Abendzeitung entstehen künftig in Niederbayern.

München – Von einer Rettung will in der Redaktion niemand sprechen: „Das ist kein Grund zum Feiern“, sagt ein langjähriger Mitarbeiter der Abendzeitung. Dabei hat der Insolvenzveralter Axel Bierbach gerade verkündet, dass er einen Käufer für die Münchner Traditionszeitung gefunden hat, die Anfang März Insolvenz angemeldet hatte: Martin Balle, der Verleger des Straubinger Tagblatts und der Landshuter Zeitung, will zusammen mit dem Münchner Rechtsanwalt Dietrich von Boetticher die Abendzeitung übernehmen. Von Boetticher war schon einmal als Miteigentümer der Zeitung „Die Woche“ tätig – die später eingestellt wurde.

Die neuen Eigentümer wollen nur die Hülle der Abendzeitung übernehmen. „Das ist kein Betriebsübergang“, stellt Balle klar. Das bedeutet, kein einziger Mitarbeiter wird automatisch übernommen. Von den bislang rund 100 Angestellten will Balle nur maximal 25 ein Angebot machen, auch künftig für das Blatt zu arbeiten. Die Käufer übernehmen für einen nicht genannten Preis vor allem die Abonnements und den Namen der AZ.  

Vertrag über Rückkauf des Namens vergessen

An den Namensrechten wäre das Geschäft fast gescheitert. Denn lange hieß es, dass dem Nürnberger Verleger Gunther Oschmann die Rechte gehörten. Doch ohne den Titel wäre eine Fortführung sinnlos, das fanden auch Balle und von Boetticher. Vor wenigen Wochen habe man aber festgestellt, dass die Rechte längst zurückgekauft worden seien, sagt Insolvenzverwalter Bierbach. Der Rückkauf sei offenbar „vergessen“ worden. „Der Vertrag lag im Schrank.“ Da wundert es nicht, dass in der Belegschaft von zahlreichen „Managementfehlern“ die Rede ist, die die Abendzeitung in die Pleite getrieben hätten.

Bierbach betont, dass es mehrere Interessenten gegeben habe, am Ende der Gläubigerausschuss aber einstimmig für Balle und von Boetticher votierte. Es sei das „beste Konzept“, da sowohl die Print-Zeitung als auch der Online-Ableger fortgeführt werden sollen. Bei Anzeigen, Vertrieb und im Internet will man auch weiterhin mit der Süddeutschen Zeitung zusammenarbeiten.

Neuer Eigentümer war Praktikant bei der Abendzeitung

„Es gibt keine Krise der Print-Branche, sondern eine Krise der Abendzeitung“, sagt Balle. Er selbst habe eine enge Beziehung zur Abendzeitung, war dort selbst einmal Praktikant. Auch deshalb habe er „fast in einem Spieltrieb“ noch einmal beim Insolvenzverwalter nachgefragt und dabei erfahren, dass die Namensrechte doch zum Verkauf stünden.

Außer dem Namen wird nicht viel vom bisherigen Konzept übrigbleiben. Nur noch acht bis zwölf Seiten sollen in München entstehen, heißt es. Balle selbst sagt, er wolle in den Ressorts Politik, Wirtschaft und Bayern „Synergien nutzen“ und diese Teile von gemeinsamen Redaktionen in Straubing produzieren lassen. Lokalteil, Sport und Kultur sollen weiterhin in München entstehen. Er wolle aus der Abendzeitung eine „familienfreundliche, liebevolle Stadtzeitung“ machen, sagt Balle. Geführt werden soll die Zeitung von einem neuen Chefredakteur. „Ich möchte mich in München selbst publizistisch überhaupt nicht einmischen“, verspricht Balle. Er gilt als konservativ, was nicht zur Leserschaft der Abendzeitung passt.

Verleger peilt nur noch 30.000 Exemplare Auflage an

Gedruckt wird die Abendzeitung künftig ebenfalls in Straubing im kleineren „Berliner Format“. Balle rechnet mit einer deutlich niedrigeren Auflage: „Mit 30.000 Exemplaren kann man in München überleben.“ Der Einzelverkaufspreis soll vorerst unverändert bleiben. Auch aus den Redaktionsräumen am Münchner Hauptbahnhof müssen die Mitarbeiter ausziehen.

Ein Jahr Zeit gibt Balle dem „Experiment“ der neuen Abendzeitung. Spätestens dann müsse sich das Blatt wirtschaftlich tragen. Balle und von Boetticher übernehmen ab dem 1. Juli die Produktion der Abendzeitung. Die letzte Ausgabe der alten Mannschaft erscheint am 28. Juni. Die zwei Erscheinungstage dazwischen will Balle möglicherweise komplett mit freien Mitarbeitern bestreiten, „die schon immer mal die Abendzeitung machen wollten“.

Philipp Vetter

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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