Sarg-Protest

Souvenirstreit: Makabre Aktion am Königssee

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Franz Schoen vom Königsseer Sport-Ladl  wählte eine ungewöhnliche Form des Protests.

Schönau - Ein Streit um den Souvenirverkauf treibt den Ferienort Schönau a. Königssee um. Ein Verbot des Landratsamtes stört den Frieden. Ein Ladenbesitzer hat aus Protest einen Sarg vor sein Geschäft gestellt.

Es ist eine Bilderbuchkulisse: Ringsum die schroffen Felsen der Gebirgskette Steinernes Meer, darunter das tiefblaue Wasser des Königssees mit den pittoresken Türmchen der Kapelle St. Bartholomä im Hintergrund. Doch nun tobt in dem beliebten Ferienort Schönau a. Königssee im Berchtesgadener Land ein Streit um den sonntäglichen Verkauf von Souvenirs. Vorläufiger Höhepunkt: Ein Ladenbesitzer hat einen Sarg vor sein Geschäft gestellt, um gegen das Verbot des Landratsamtes zu demonstrieren.

Die Geschäfte in der ufernahen Flaniermeile von Schönau, wo die Ausflugsschiffe ab- und anlegen, dürfen laut Ladenschlussgesetz an Sonn- und Feiertagen nur sogenannte ortskennzeichnende Artikel verkaufen. “Das sind alkoholfreie Getränke, Bademoden und -artikel sowie Souvenirs“, sagt der Sprecher des Landratsamtes, Andreas Bratzdrum. Doch daran hält sich seit Jahrzehnten niemand. “Das Sortiment ist immer mehr in Richtung Sportartikel und Landhausmode verändert worden“, kritisiert der Sprecher.

Die Beschwerden von Geschäftsleuten aus anderen Ferienorten des Landkreises und aus der Bevölkerung hätten in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen, sagt Bratzdrum. Daraufhin seien sieben Geschäftsinhaber angeschrieben und auf die Rechtslage hingewiesen worden. Unter der Woche dürften sie weiterhin ihr gesamtes Warensortiment verkaufen, sagt der Behördensprecher. Nur an Sonn- und Feiertagen seien Landhausdirndl und Trainingsanzüge tabu. Gegen Andenken wie etwa Wanderstöcke oder Schneekugeln habe jedoch niemand etwas einzuwenden.

Unterschriftenaktion läuft gut

Mit seiner makabren Sargaktion vom vergangenen Sonntag wollte Franz Schoen vom Königsseer Sport-Ladl die Urlauber auf die seiner Meinung nach ungerechte Entscheidung des Landratsamtes aufmerksam machen. Schoen bestätigt einen Bericht im “Münchner Merkur“ (Dienstag), wonach sich Urlauber in Unterschriftenlisten eingetragen haben. “Innerhalb kurzer Zeit hatten wir 1400 Unterschriften beisammen.“

Seine Sport- und Trachtenbekleidung habe er lange im Voraus ordern müssen. “Durch die Anordnung des Landratsamtes bleibe ich jetzt auf der Ware sitzen.“ Die Sonn- und Feiertage prägten aber seinen Umsatz, sagt Schoen. Im Internet könne man auch rund um die Uhr einkaufen. Mit seiner Aktion wolle er auf die schwierige Lage der Souvenirbranche in den bayerischen Ferienorten aufmerksam machen.

Unterstützung erfahren die Geschäftsleute aus dem Rathaus in Schönau. “Wir wollen, dass alles beim Alten bleibt“, sagt der Geschäftsführer der Gemeinde, Hannes Rasp. “Für den Gast gehört das Einkaufen am Sonntag einfach dazu.“ Dass die bisherige Praxis “nicht ganz rechtens“ war, sei der Gemeinde zwar bewusst. Andererseits habe man in den vergangenen Jahren darauf gedrängt, dass die Geschäfte “ein gewisses Niveau erreichen“, sagt Rasp. Ein Trachtenladen etwa biete derart schöne und echte Dirndl an, dass sogar die Einheimischen dort einkaufen. “Wir wollen keinen Jahrmarktsramsch.“

Im Landratsamt empfindet man den Sarg-Protest als peinlich. “Das ist unsäglich“, sagt Sprecher Bratzdrum. Die Auseinandersetzung nehme allmählich dramatische Ausmaße an. Ändern werde die Behörde ihren Standpunkt aber nicht. “Selbst wenn wir etwas anderes wollten, können wir es nicht“, sagt Bratzdrum. “Wir vollziehen lediglich die Rechtslage.“

dpa

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