Sturm auf dem Chiemsee: 36 Boote in Seenot

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Auf dem Chiemsee sind am Sonntagnachmittag 36 Boote in Seenot geraten.

Prien - Ein heftiger Sturm fegte 36 Boote auf dem Chiemsee um. 61 gekenterte Segler mussten aus dem Wasser gerettet werden, ein 13-jähriger Bub war zeitweise vermisst. Augenzeugen beschreiben das Unwetter als „schwarze Wand“.

Als die Warnleuchten zum ersten Mal aufblitzen, ist der Himmel noch blau, der See friedlich. Das Unwetter rollt versteckt aus Nord-West heran. Und es kommt schnell. „Die Warnung kam sehr früh“, berichtet der Segler Christoph Schicht. „Aber das Wetter war so schön – kaum jemand hat die Gefahr ernst genommen.“ Das ändert sich schnell.

Um 15.32 Uhr wird am Sonntag die Warnstufe am Chiemsee erhöht. Für viele Segler ist es aber schon zu spät. „Plötzlich ist alles schwarz geworden“, sagt Schicht, „das Gewitter hat uns einfach überrollt.“ Der 44-jährige Ebersberger ist mit einem Sieben-Meter-Kajütboot unterwegs und erfahren auf dem Wasser. Gerade noch rechtzeitig holt er sein Segel ein. „Aber rings um mich herum hat es alle kleinen Jollen umgeworfen. Der Wind hat sie einfach umgeblasen.“

36 Boote kentern, 61 Menschen geraten in Seenot. An der Feldwieser Bucht in Übersee verlieren Eltern ihren 13-jährigen Sohn aus den Augen, der mit einer Segeljolle unterwegs ist, als der Sturm losbricht. Es wird Großalarm ausgelöst, Hubschrauber suchen den See ab. Gleichzeitig gerät eine Seglerin (46) mit der linken Hand zwischen zwei Schiffsrümpfe, ein Finger wird laut Polizei „zertrümmert“. Eine Yacht, die schon an einem Rettungsboot der Wasserwacht vertäut ist, versinkt.

„Der Wind hatte Orkanstärke“, berichtet Eleonore Pelzl, die sich mit ihrem Elektro-Boot noch rechtzeitig ans Ufer retten konnte. „Der Chiemsee wird oft unterschätzt – jetzt hat man ja gesehen, wie schnell das gehen kann.“ Besonders gefährlich sei das „fliegende Wasser“ – „die Gischt steht oft so hoch, dass man beim Schwimmen keine Luft mehr bekommt“.

Die Wasserwacht rückt mit 15 Rettungsboten aus und fischt die havarierten Segler aus dem See. Auch die großen Dampfer der Seenschifffahrt ändern ihren Kurs und nehmen Schiffbrüchige auf. Die verletzte Frau wird ins Salzburger Unfallkrankenhaus geflogen, wo ihr ein Teil des verletzten Fingers abgenommen werden muss. Der vermisste Bub taucht unversehrt im Hafen in Übersee auf. „Innerhalb von einer Stunde war der See komplett leer“, sagt Schicht.

Ein Polizist der Inspektion in Prien (Kreis Rosenheim) reagiert nach dem Einsatz leicht verärgert: „Einige Segler waren ziemlich fahrlässig – sie konnten doch sehen, wie die schwarze Wand anrollt. Manche Leute sind einfach unvernünftig und warten bis zum letzten Moment.“

Von Thomas Schmidt

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