Das süße Leben des Bankrotteurs

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Bilder eines Lebemanns: Ludwig-Holger Pfahls am Strand oder beim Abfahren von Tour-de-France-Etappen.

Augsburg - Als Ludwig-Holger Pfahls (69) im September 2005 aus der Haft entlassen wurde, gelobte er hoch und heilig, er wolle der Sozialkasse "nicht einmal andeutungsweise zur Last fallen". Ist er doch nicht pleite?

Kein Wunder: Der angeblich mittellose Ex-Büroleiter von Franz Josef Strauß hatte da seine Schäfchen offenbar längst ins Trockene gebracht. Im Prozess um Waffengeschäfte hatte der frühere Staatssekretär zwar die Annahme von 800 000 Mark Schmiergeld gestanden. Als im Jahr 2010 zwei Tage vor Weihnachten erneut die Handschellen bei ihm klickten, beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft aber Werte in Höhe von 4,4 Millionen Euro!

Ab Mittwoch muss sich das sogenannte „Phantom“, das fünf Jahre lang als meistgesuchter Mann Deutschlands galt, erneut vorm Landgericht Augsburg verantworten. Diesmal geht es um besonders schweren Bankrott in 93 Fällen. Während er in einer eidesstattlichen Versicherung behauptet hatte, nur über 275 Euro Bargeld zu verfügen, soll er tatsächlich ein Super-Luxus-Leben geführt haben!

Schulden beim Finanzamt

Auf die Schliche kamen die Ermittler Pfahls, als sie die Geschäfte einer maroden Immobilienfirma bei Nürnberg untersuchten. Sie stießen dabei auf einen Vertrag, wonach der Firmenchef sich von Pfahls für nur 50 000 Euro Ansprüche besorgt hatte, die eigentlich eine Million Euro wert waren. Bei weiteren Recherchen fanden sich Hinweise auf Auslandskonten, von denen Pfahls offenbar seinen aufwendigen Lebensstil finanzierte. Die Fäden soll Geschäftsmann Dieter Holzer gezogen haben, der Pfahls bereits bei seiner Flucht um den ganzen Globus geholfen hatte. Holzer steht nun ebenfalls in Augsburg vor dem Richter - so wie Pfahls’ Ex-Frau Birgit und seine derzeitige Gattin Viorica S. (41).

Mit ihr lebte Pfahls in einer Villa in Sengenthal bei Neumarkt. Gekauft worden war sie auf den Namen der schönen Moldawierin. Viorica S. soll auch sonst tatkräftig dabei geholfen haben, die Geldflüsse des Gatten zu verschleiern. So gehörte Pfahls, der bis heute nicht die 90 000 Euro Gerichtskosten aus dem ersten Augsburger Verfahren bezahlt hat und dem Finanzamt 1,5 Millionen Euro schulden soll, laut Staatsanwaltschaft eine Villa an der Côte d‘Azur. Hier, in Vallauris, empfing er noch 2007 Gäste - obwohl er die Villa Mas Rayo offiziell bereits 1999 verkauft hatte. Mit 2,7 Millionen Euro beziffern die Ermittler den Wert dieser Immobilie. Dazu kommen die 200 000 Euro fürs Haus in der Oberpfalz, Autos wie ein Audi Q7 für 30 000 Euro und Schmuck für die Gattin für 4000 Euro. Nicht schlecht für einen fast mittellosen Mann, dessen Einkommen an der Pfändungsgrenze von 900 Euro liegen soll...

mm

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