Tiger-Dompteur Walliser kann’s nicht lassen

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Dompteur Christian Walliser arbeitet mit einem Tiger. Walliser, der vor wenigen Jahren von den Tigern lebensgefährlich verletzt wurde, hat eine eigene Tigershow inszeniert, nachdem das letzte Zirkusengagement wegen eines Konkurses scheiterte.

Schwabmünchen - Bei einer Dinnershow wird Dompteur Christian Walliser von seinen Tigern schwer verletzt. Eineinhalb Jahre danach hat der 30-Jährige seinen eigenen kleinen Zirkus eröffnet. Tierschützer kritisieren, dass die Raubkatzen nicht artgerecht gehalten werden.

In dem kleinen blau-gelben Zirkuszelt sitzen die Kinder mit offenen Mündern und Videohandys in der ersten Reihe. Nur wenige Zentimeter vor ihnen vollführen die Tiger von Christian Walliser in der eingezäunten Manege ihre Kunststücke. Der 30-Jährige hat in Schwabmünchen bei Augsburg seinen eigenen kleinen Zirkus eröffnet und gibt den Tieren routiniert Anweisungen - auch India, Radja und Jaipur. Die drei Tiger hatten ihn im Dezember 2009 angefallen und lebensgefährlich verletzt.

Walliser war bei einer Dinnershow im Hamburger Tierpark Hagenbeck gestolpert und die drei stürzten sich auf ihn. “Es war ein dummer, selbstverschuldeter Unfall“, sagt der 30-Jährige heute. “Ich erinnere mich nur noch an das Fallen und ein Knacken im Kopf.“ Noch im Tierpark wird Walliser von einem Notarzt versorgt - sein Tiger Radja hatte ihm in den Hinterkopf gebissen und India einen Teil der Hüfte herausgerissen. Drei Wochen liegt Walliser im Koma. Seine Eltern und sein Ehemann Jan bangen um sein Leben.

“Die ersten zehn Tage haben uns die Ärzte gesagt, dass er es nicht schafft“, erzählt Jan vor dem Wohnwagen des Paares. Sie haben ihre Zelte auf dem Gelände eines Autohauses aufgeschlagen. Es folgten viele Operationen, die den Dompteur wieder annähernd gesund machten.

Auf der Schwabmünchner Wiese hat Walliser die Käfige mit seinen elf Tigern, den Versorgungs- und Wohnwagen mit acht Hunden und die Außengehege aufgebaut. Bis Ende Juni will er hier mit seiner 45-minütigen Tiger-Show vor bis zu 80 Zuschauern auftreten.

Freiwillig fiel die Entscheidung für den eigenen kleinen Zirkus jedoch nicht: Nach einer Razzia und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Ansbach wegen Menschenhandels schloss der Zirkus, bei dem Walliser bis zum Ende des Jahres auftreten sollte, vorerst seine Türen. Der 30-Jährige musste schnell eine alternative Einnahmequelle finden - da kam die Wiese in der Nähe seines Heimatortes Königsbrunn gerade recht.

“Ich will mich jetzt in der Region umgucken, andere Plätze suchen und weitere Termine ausmachen“, erzählt der gelernte Zootierpfleger. Bis jetzt steht unter anderem ein vierwöchiges Gastspiel in Augsburg fest. “Wir wollen einfach leben können, das Fleisch für unsere Tiere und die anfallenden Rechnungen bezahlen können“, sagt Christian Walliser. Etwa 150 Euro koste der Zirkusbetrieb pro Tag.

Tierschützer wie James Brückner von der Akademie für Tierschutz in Neubiberg bei München stehen Walliser und seinem Tiger-Zirkus jedoch skeptisch gegenüber. “An seinem Beispiel lassen sich viele grundsätzliche Probleme bei der Haltung von Wildtieren im Zirkus aufzeigen“, betont der Fachreferent für Arten- und Naturschutz. “Die Tiere werden ständig transportiert und müssen sich neuen Umgebungen anpassen“, sagt Brückner. Zudem seien die gesetzlich vorgeschriebenen Gehege nicht groß genug, so dass die Tiger nicht genügend Bewegung hätten. “Es bleiben Wildtiere, sie sind nicht domestiziert wie Hauskatzen oder Hunde.“

Walliser lässt sich von der Kritik der Tierschützer nicht beeindrucken. Er betont stets, dass die Gehege groß seien und seine Raubkatzen gut versorgt werden. Auch nach dem Unfall galt seine ganze Aufmerksamkeit alleine seinen sibirischen Tigern. Sie waren das Erste, nach dem er fragte, als er wieder sprechen konnte, erzählt seine Mutter Sieglinde. Sie ist an diesem sommerlichen Abend nach Schwabmünchen gekommen, um ihren Sohn zu besuchen.

Die zierliche Frau erinnert sich nur ungern an die Nacht im Dezember 2009, als sie von dem Unfall erfuhr. “Wir sind gleich mit dem Auto nach Hamburg gefahren. Da wussten wir aber noch nicht, wie schwer er verletzt ist“, sagt sie. Trotz der schrecklichen Erlebnisse und des Todeskampfes ihres Sohnes steht sie hinter der Rückkehr ihres Sohnes in die Manege. Und sie ist keineswegs überrascht von Christians Entscheidung - schon als Zweijähriger habe er die Passion für den Zirkus entwickelt und sei als 14-Jähriger zum ersten Mal alleine mit einem Zirkus unterwegs gewesen.

Während die Mutter über ihren Sohn spricht, streunt dieser mit den acht Hunden über die Wiese. Am kommenden Nachmittag wird Christian Walliser wieder mit den Raubkatzen in der kleinen Manege stehen und versuchen, den kleinen Zirkus über Wasser zu halten.

Katia Rathsfeld, dpa

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