Schuldfähig trotz 2,59 Promille

Tödliche Revolverschüsse auf Party - Überraschendes Urteil

Nürnberg - Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre für einen Mann gefordert, der hochalkoholisiert auf einer Party einen Gast erschossen hatte. Doch der Richter urteilte wesentlich strenger.

Wegen tödlicher Pistolenschüsse auf einer Geburtstagsparty im mittelfränkischen Gallmersgarten (Landkreis Bad Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) muss ein 58 Jahre alter Mann lebenslang hinter Gitter. Anders als die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft stufte das Landgericht Nürnberg die Bluttat am Donnerstag überraschend nicht als Totschlag, sondern als Mord ein.

Der Angeklagte sei am Tattag im Mai 2015 trotz ausschweifenden Bier- und Whisky-Konsums mit am Ende 2,59 Promille schuldfähig gewesen, so das Gericht. Dass der Alkohol ihn enthemmt habe, könne man ausschließen. Der Angeklagte sei Alkohol gewöhnt. „Sie haben gezielt geschossen“, unterstrich der Vorsitzende Richter.

Das Urteil ging damit deutlich über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß von 14 Jahren Haft hinaus. Die Anklagebehörde hatte wegen des hohen Alkoholpegels eine verminderte Schuldfähigkeit des Mannes angenommen. Der 58-Jährige, der sich im Prozess geständig und reumütig gezeigt hatte, nahm das Urteil gefasst auf.

Er hatte zugegeben, bei der Geburtstagsparty seines Stiefsohnes einen 32 Jahre alten Gast erschossen zu haben. Auslöser für die Tat war eine Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Stiefsohn. Dabei hatte er den 31-Jährigen zunächst mit einem Messer bedroht. Als ihm dies Umstehende aus den Händen rissen, holte er einen Revolver aus dem Schlafzimmer und schoss in Richtung seines Stiefsohnes und eines Gastes. Der 32-Jährige starb. Anschließend richtete der Täter die Schusswaffe auch noch auf seine 54 Jahre alte Frau und einen weiteren Gast. Beide wurden schwer verletzt.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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