Töteten Tierschützer über 160 Schweine?

Wallersdorf/Salzburg - 160 Schweine sind elendig in ihrem Stall erstickt. Rund sieben Monate ist das nun her. Jetzt hat die Polizei mehrere Häuser durchsucht. Ausgerechnet Tierschützer stehen im Verdacht, die Belüftung des Mastbetriebs sabotiert zu haben.

Die Polizei schlug am Dienstag zu. Beamte durchsuchten insgesamt vier Objekte des Tierschutzvereins „RespekTiere“ – zwei in Österreich, zwei in Deutschland. „Gegen 7 Uhr drangen ein halbes Dutzend Beamte mit dem vorgehaltenen Durchsuchungsbefehl in unsere Räumlichkeiten ein und durchsuchten all unser Hab und Gut nach irgendwelchen Beweismitteln“, berichtet der Verein. „Diverse Gegenstände wurden sichergestellt“, bestätigt die Polizei. Die bayerischen Ordnungshüter baten ihre österreichischen Kollegen bei der Aktion um Hilfe. Denn das Verbrechen hatte im Freistaat stattgefunden, der Verein aber ist im Bundesland Salzburg gemeldet.

Der Auslöser für die grenzüberschreitende Aktion liegt sieben Monate zurück. Die Aktivisten von „RespekTiere“ wollten einen Mastbetrieb in Wallersdorf (Kreis Dingolfing-Landau) an den Pranger stellen, in dessen Stall – so behaupteten sie – Tiere gequält werden. Nachts im Verborgenen schossen sie Fotos und drehten ein Video von der Anlage, um ihre Vorwürfe zu beweisen. Dann verschwanden sie, ohne entdeckt zu werden. In der folgenden Nacht kam es schließlich zu dem Verbrechen, das die Polizei bis heute umtreibt: Unbekannte sabotierten die Lüftung des Mastbetriebs. Die vollautomatische Anlage fiel aus. Über 160 Schweine erstickten. Waren es die selben Aktivisten? Wollten sie dem Betreiber einen Denkzettel verpassen?

In den Stallungen befanden sich rund 1800 Tiere, die in Boxen zu je 200 Schweinen gehalten wurden. Mitarbeiter des Veterinäramts Dingolfing eilten zum Tatort, nachdem der Bauer seine toten Tiere entdeckt hatte. „Es gab dort keinerlei tierschutzrechtliche Verstöße“, betont die Behörde. Dafür war die Sabotage jetzt ein Fall für die Kripo.

Aus Polizeikreisen wird bestätigt, dass man die Aktivisten von „RespekTiere“ in Verdacht hat, die Lüftung ausgeschaltet zu haben. Deswegen habe man auch deren Räumlichkeiten durchsucht. Doch noch gibt es keine Beweise – auch keine Anzeige oder gar einen Haftbefehl.

Die Tierschützer weisen jeden Verdacht weit von sich. Sie nennen den Vorwurf „obskur und nicht nachvollziehbar“, ärgern sich über die „grün gekleideten Nachbar-Sheriffs aus Bayern“. Man habe die Tiere doch schützen wollen – nicht töten. Stattdessen greifen die Aktivisten aus Österreich den bayerischen Landwirt an: „Was kümmert’s einen, der alle paar Monate 1000 Schweine in den Schlachthof karrt, ob einige davon den Erstickungstod finden?“ In Wahrheit wolle er doch nur von den „schrecklichen Zuständen“ ablenken. Doch von „schrecklichen Zuständen“ kann laut Veterinäramt keine Rede sein.

Der Verein hat nicht zum ersten Mal Ärger mit der Polizei. Bereits vor zwei Jahren wurden Räume durchsucht. Der Vorwurf damals: Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation.

Thomas Schmidt

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