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Toleranz-Preis für Regisseur Stückl

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Christian Stückl
Christian Stückl, Leiter der Passionsspiele in Oberammergau und Intendant des Münchner Volkstheaters. © Felix Hörhager/dpa/Archivbild

Der Regisseur und Theaterintendant Christian Stückl hat am Donnerstag für seinen Einsatz gegen Antisemitismus den Toleranz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing entgegengenommen. Die Akademie zeichnete den 60 Jahre alten Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele und Intendanten des Münchner Volkstheaters mit dem Preis in der Kategorie „Zivilcourage“ aus.

Oberammergau - „Ihre persönliche Gradlinigkeit, Ihre individuelle Wahrheitssuche, die manchen auch schon zur Weißglut gebracht hat, hat die Akademie Tutzing veranlasst, Ihnen in der Abteilung Toleranzpreis die Auszeichnung für Zivilcourage zu verleihen“, sagte die frühere evangelische Regionalbischöfin, Susanne Breit-Keßler laut Rede-Manuskript in ihrer Laudatio.

„Sie sind kein gütiger Pontifex, kein charmanter Brückenbauer, niemand, der Brücken errichtet, über die es gelingt, flanierend im Sonntagsstaat von einem Ufer zum anderen zu gelangen. Sie, Herr Stückl, zimmern leidenschaftlich Pontons, die über reißende Wasser führen und bei denen man sich fragt: „Kann das verflucht nochmal gut gehen?“, sagte Breit-Keßler. „Ihre Gegenwart ist herausfordernd. Sie packt einen und lässt nicht mehr los, selbst wenn Sie abwesend sind.“ Stückls Inszenierungen seien Plädoyers gegen jede Menschenverachtung. „In diesen bösen Tagen, die wir gerade erleben, ist Ihre Botschaft wieder besonders notwendig“, sagte Breit-Keßler.

„Dieser Preis ist eine Bestätigung Ihres unermüdlichen Einsatzes“, sagte der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, Udo Hahn. Stückls Inszenierungen wie „Ghetto“, „Der Stellvertreter“, „Nathan der Weise“, „Hiob“ oder „Der Kaufmann von Venedig“ seien leidenschaftliche Plädoyers gegen Rassismus und Antisemitismus. Stückl habe bei der Passion Mut und Überzeugungskraft bewiesen, diese von christlichen Anti-Judaismen zu befreien und so zur Versöhnung zwischen Christentum und Judentum beigetragen.

Der Preis war Stückl 2020 zuerkannt worden, wurde aber wegen der Pandemie jetzt verliehen. Stückl wurde 1987 jüngster Spielleiter der Passion, er inszeniert sie derzeit zum vierten Mal. Für seinen Einsatz gegen Antijudaismus wurde er mehrfach geehrt, unter anderem mit der Buber-Rosenzweig-Medaille und dem Abraham-Geiger-Preis. dpa

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