Erstes Halbjahr 2013

Tourismus: Durchwachsene Bayern-Bilanz

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Wegen Wetterkapriolen (Symbolfoto) ist die Bilanz durchwachsen

München - Der Winter zu lang, das Frühjahr zu kalt, über Ostern Regen - und dann kam das Hochwasser: Wegen des schlechten Wetters zieht der Bayerntourismus für das erste Halbjahr 2013 eine durchwachsene Bilanz.

 In den ersten vier Monaten des Jahres nahmen die Übernachtungszahlen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bayernweit zwar um 1,1 Prozent zu - dies lag aber einzig an einem Zuwachs in Oberbayern um 4,6 Prozent. In allen anderen Regierungsbezirken gingen die Zahlen nach unten.

In den Wanderregionen Oberbayerns, wo Sonne und angenehme Temperaturen lange auf sich warten ließen, seien viele Urlauber lieber gleich in südlichere Länder gefahren, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die endgültigen Zahlen für Mai, den Hochwassermonat Juni sowie den Juli stehen erst im August fest.

In Oberbayern hatte der lange Skiwinter die Bettenbilanz gerettet. „Die Saison startete bereits früh im Dezember und bot mit Neuschnee an Ostern bis in den April hinein hervorragende Pistenbedingungen“, hieß es vom Wirtschaftsministerium.

Bei Buchungen aus dem Ausland erwartet die Behörde einen Rückgang von neun bis zehn Prozent. Die Stornierungen träfen auch Hotels, die nicht vom Hochwasser betroffen waren oder deren Schäden bereits repariert seien.

Vor allem im vom Hochwasser schwer getroffenen Ostbayern ist die Situation prekär: „Es ist bei diesem Wetter keine rechte Urlaubsstimmung aufgekommen“, sagte Monika Mirosavljevic vom Tourismusverband Ostbayern. Die Flutkatastrophe habe den Eindruck erweckt, als sei es überhaupt nicht möglich, nach Ostbayern zu reisen. „Es kam zu zahlreichen Stornierungen.“

In Franken ging es mit dem Tourismus genauso auf und ab wie mit dem Wetter. „Der Jahreswechsel war zu warm, im Februar herrschte strenger Frost - beides sind keine guten Bedingungen für Kurzreisen, die bei uns in Franken eine große Rolle spielen“, berichtete Olaf Seifert, Geschäftsführer des Tourismusverbands. Zwar habe man bis Ende April bei den Übernachtungen an das gute Vorjahresergebnis anknüpfen können - dann habe der kalte Mai die Bilanz aber verhagelt. „Der Ausflugsverkehr ist fast komplett weggefallen.“

Hart getroffen hat das schlechte Wetter auch das Fränkische Seenland. Bis Ende April verzeichnete die Region rund um Roth-, Brombach- und Altmühlsee knapp 58 500 Übernachtungen - rund 6,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Geschäftsführer des Tourismusverbands, Hans-Dieter Niederprüm, geht nicht davon aus, dass das Seenland den Rückgang mit einer guten Sommersaison wettmachen kann: „Um mehr Urlauber im Sommer unterzubringen, dafür fehlen uns die Übernachtungskapazitäten.“

Das Hochwasser brachte der Region jedoch auch ein paar unerwartete Besucher: Etliche Urlauber, die in der Sächsischen Schweiz Urlaub machen wollten, seien ins Fränkische Seenland ausgewichen. Die Pufferwirkung der Speicherseen im Fränkischen Seenland bewahrte Franken vor größeren Hochwasserproblemen.

In der Fränkischen Schweiz strömten die Besucher in die Museen oder stiegen auf E-Bikes um, mit denen es sich auch bei Wind gut durch die Landschaft radeln lässt. Im Nationalpark Bayerischer Wald seien die Besucher ohnehin für Outdoor-Sport gerüstet und ließen sich nach Angaben eines Sprechers nicht vom Regen abhalten. Viele Besucher suchten sich ein warmes Plätzen in gesundem Wasser: „Unsere Heil- und Thermalbäder haben sich gefreut“, sagte Tourismus-Chef Seifert.

Im Fichtelgebirge soll der Romancier Jean Paul die Bilanzen richten. Jedenfalls hofft der Chef der Tourismuszentrale, Ferdinand Reb, dass das Jean-Paul-Jahr die Einbußen der vergangenen Monate ein wenig ausgleicht. „Die Spontanbuchungen, von denen wir besonders außerhalb der Ferienzeiten leben, blieben aus“, sagte er. Das Interesse an dem Dichter, der vor 250 Jahren im Fichtelgebirge geboren wurde, sei jedoch groß. „Ich prognostiziere dennoch ein Minus von drei Prozent bei den Übernachtungszahlen“, sagte Reb.

Nicht nur die Hoteliers sind im Allgäu unzufrieden mit der ersten Jahreshälfte - auch die Radverleiher und Betreiber vieler Bergbahnen. „Sie haben sich das Frühjahr etwas anders vorgestellt“, sagte Simone Zehnpfennig, Sprecherin der Allgäu GmbH. Zwischen Januar und April verzeichnete etwa Füssen im Vergleich zum Vorjahr einen einstelligen Übernachtungsrückgang. Die Buchungen für den Sommer seien zwar gut, „das Minus aus dem ersten halben Jahr werden wir aber wohl nicht mehr aufholen können“, sagte Andrea Presser von der Oberstaufen Tourismus Marketing.

dpa

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