Brutale Attacke bei B-Jugend-Spiel

Trainer prügelt Torwart (14) krankenhausreif

Augsburg - Schon wieder gibt es einen erschreckenden Fall von Brutalität auf dem Fußballplatz: Der Trainer des TSV Merching ist beim B-Jugend-Spiel gegen die DJK Augsburg West völlig ausgerastet.

Es stand 3:0, als am Sonntagmittag ein B-Jugendspiel in Augsburg in eine Schlägerei ausartete. Am Ende waren mehrere Fußballer verletzt, ein Trainer soll sie geschlagen haben. Zwei Schüler lagen am Dienstag noch im Krankenhaus. Jetzt ermittelt die Polizei wegen Körperverletzung und Beleidigung.

Vieles ist noch unklar in dieser Geschichte. „Wir stehen erst am Anfang unserer Ermittlungen“, sagt ein Polizeisprecher. Marlen Flac allerdings sieht klarer. Das Spiel hat sie zwar nicht verfolgt, doch ihr Sohn Thomas, 14-jähriger Gymnasiast und Spieler beim DJK Augsburg West, schilderte ihr folgende Version: Wie immer steht Thomas Babic-Flac bei dem Heimspiel am Sonntag im Tor, er hält in der Partie gegen den TSV Merching seinen Kasten sauber. Beim Spielstand von 3:0 kommt es zu einem Streit auf dem Platz, einer seiner Mitspieler liegt auf dem Boden im Sechzehnmeterraum. Plötzlich geht ein Gegenspieler auf diesen los, es entsteht ein Gerangel. Auch Thomas rennt hin, will schlichten und die Streithansel trennen. Doch dann sei der Trainer der Merchinger auf die Gruppe zugespurtet und habe ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen, auch Mannschaftskameraden habe er erwischt.

Diesen Ablauf bestätigt Lothar Knörzer, Abteilungsleiter vom DJK Augsburg West, gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“: „Ich hab so etwas auch noch nie erlebt, normalerweise geht ein Trainer dazwischen und schlägt nicht auf einen Jugendlichen ein“, sagte er. Der Schiedsrichter pfeift die Partie schließlich ab, eine Streife rückt an.

In den Einsatzunterlagen wurden vier Personen als Geschädigte notiert, näheres konnte ein Polizeisprecher am Dienstag nicht sagen. Fest stehe nur, dass auch Anzeige erstattet wurde – vom wem, darüber gab er keine Auskunft. Beschuldigt seien der Trainer des TSV Merching und weitere Spieler. Der Verein äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Allerdings traf sich der Vorstand am Dienstagabend, um eine Stellungnahme zu formulieren. Der Trainer hat sich laut einem Bericht der „Augsburger Allgemeinen“ verteidigt: Er habe nur seine Spieler schützen wollen. Was passiert sei, tue ihm leid.

Bei Torwart Thomas persönlich hat er sich noch nicht entschuldigt, sagt seine Mutter. Sie will den Trainer anzeigen – allerdings wartet sie das ärztliche Gutachten ab. Denn ihr Sohn hat nicht nur eine aufgeplatzte Lippe von der Attacke davongetragen. Er hat eine Vorerkrankung, die möglicherweise wieder akut geworden ist. Der Gymnasiast leidet unter „Pseudotumor cerebri“ – das bezeichnet einen erhöhten Gehirndruck ohne Ursache. Patienten haben Kopfschmerzen, Schwindel, verdrehen die Augen und sehen doppelt. „Thomas war vor einem Jahr in Therapie“, sagt seine Mutter. Danach konnte er seine Tabletten absetzen. Doch nach dem Vorfall am Sonntag kamen die Beschwerden zurück. Die Mediziner müssen jetzt klären, ob Thomas eine Gehirnerschütterung hat oder der Schlag einen Rückfall auslöste. Laut Marlen Flac liegt im selben Krankenhaus wie Thomas auch ein Mannschaftskamerad.

Der Vorfall ist bereits beim Bayerischen Fußball-Verband Thema. Sprecher Thomas Müther verwies auf laufende Ermittlungen, sagte aber: „Dass es hier zu einem körperlichen Übergriff gekommen ist, den wir in aller Schärfe verurteilen, steht außer Frage.“ Der BFV stehe zu seiner Null-Toleranz-Politik und werde auch diesen Fall lückenlos durch die Sportgerichtsbarkeit aufarbeiten.

In jüngster Vergangenheit war es zu mehreren Gewaltexzessen im Amateur-Fußball gekommen. Oft sind Unparteiische Opfer: In Rosenheim wurde ein Schiri verprügelt, er verliert sogar sein Augenlicht. Die Vorsitzenden der Schiedsrichter-Gruppe Dachau traten neulich zurück, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Carina Lechner

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