Überlebenskampf in der Zulassungsstelle - Frau wird reanimiert

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Defibrillatoren wie dieser können leben retten

Rosenheim - Es war kurz vor Feierabend, als in der Zulassungsstelle von Rosenheim die Arbeitsroutine auf dramatische Weise beendet wurde. Eine Verwaltungsangestellte musste wiederbelebt werden.

Die 46-jährige Verwaltungsangestellte Claudia Köllnberger, Mutter von zwei Töchtern, sackte im Mai 2011 am Kundenschalter in sich zusammen und rutschte bewusstlos vom Stuhl. Das Herz! Es begann ein Wettlauf um das Leben der Frau, ein Wettlauf, der dank glücklicher Fügungen gewonnen wurde. Heute sagt sie über das Geschehene im Oberbayerischen Volksblatt: „Das war alles so, wie wenn beim Auto der Motor abstirbt und stehen bleibt.“ Ihre Kolleginnen reagieren damals äußerst schnell, alarmieren die Rettung, und die ist glücklicherweise bereits fast da: Ein einsatzklarer Rettungswagen des Roten Kreuzes aus Bad Aibling befindet sich zufällig in unmittelbarer Nähe des Geschehens, auch ein Notarztfahrzeug ist nicht weit. So haben der erfahrene Rettungsassistent Günther Schmid und seine Kollegin Tanja Teske bereits mit der Wiederbelebung der Frau begonnen, als Notarzt Josef Danninger und sein Fahrer Sebastian Kleiber in der Behörde eintreffen.

Rettungsteam geht an Grenzen

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„Gut, dass alles so schnell gegangen ist“, sagt Danninger im Rückblick. Der Mediziner arbeitet als Oberarzt der Anästhesie im Klinikum Rosenheim und ist darüber hinaus seit 23 Jahren als Notarzt im Einsatz. 45 Minuten lang kämpfen er und die Kameraden vom Roten Kreuz um das Leben der Frau, unterstützt von Polizisten. Herzdruckmassage, Beatmung, Medikamente, mehrfache Defibrillation - das Rettungsteam geht bis an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit, ehe der Zustand der Frau so stabil ist, dass sie ins Klinikum Rosenheim gebracht werden kann.

„Wir haben anfangs wenig Hoffnung gehabt, umso mehr freuen wir uns jetzt“, sagt Rotkreuzlerin Tanja Teske. Claudia Köllnberger liegt danach vier Tage im Koma, doch nach einer Woche auf der Intensivstation, drei Wochen Klinikaufenthalt mit stationärer Rehabilitation kann sie bereits im August wieder arbeiten. Doch von dem, was in der Zulassungsstelle passiert ist, weiß sie nichts mehr: „Ich habe eine große Erinnerungslücke, die erst Mitte Mai endet.“

Köllnberger erinert sich an nichts

Amnesie nennt das Notarzt Danninger - nicht ungewöhnlich nach solch einschneidenden Ereignissen. Von Nahtoderlebnissen, wie sie Sterbeforscher wie Bernard Jakoby oder Elisabeth Kübler-Ross beschreiben, kann Köllnberger nichts berichten: kein helles Licht, keine Begegnung mit vertrauten Menschen, kein Verlassen der eigenen Körperhülle. Alles, was sie von dieser kritischen Phase weiß, in der ihr Leben tagelang an einem seidenen Faden hing, kennt sie nur aus Erzählungen.

„Als ich das erste Mal bewusst wahrgenommen habe, dass ich im Krankenhaus liege, habe ich eigentlich nicht gewusst, warum ich da bin. Ich hatte aber nie Schmerzen oder Angst.“ Seit der dramatischen Rettung lebt sie bewusster, intensiver. Und: „Man nimmt nicht mehr alles so schwer, und ich habe keine Angst vor dem Tod mehr.“

TT

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