Umfrage: Immer mehr Raucherlokale in Bayern

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Der Vorstandsvorsitzende des Verbandes Pro Rauchfrei, Siegfried Ermer, hält in Nürnberg ein Plakat zur Nichtraucherschutz-Kampagne in den Händen. Pro Rauchfrei präsentierte im Vorfeld des Volksentscheids zum Nichtraucherschutz eine Umfrage unter 9000 Gaststätten.

Nürnberg - In den bayerischen Lokalen gewinnen seit der Aufweichung des Nichtraucherschutzes nach einer Umfrage die Raucher wieder die Oberhand.

Lesen Sie hier: Endspurt für den blauen Dunst

Nur 65,3 Prozent der Gaststätten seien derzeit noch rauchfrei, berichtete der Verein Pro Rauchfrei am Dienstag in Nürnberg unter Berufung auf eine Umfrage unter 7245 bayerischen Wirten. Die übrigen 35 Prozent der Betreiber hätten ihre Gaststätte entweder offiziell als Raucherlokal deklariert, ließen blauen Dienst in Hinterzimmern zu oder missachteten einfach die gesetzliche Nichtraucherregelung. Stichproben wiesen sogar auf einen noch höheren Anteil von Raucherlokalen hin.

Der Verein sieht mit dem Umfrageergebnis vom Mai Angaben von Ordnungsbehörden und der Raucherlobby widerlegt, wonach rund 90 Prozent der bayerischen Lokale rauchfrei seien, ein totales Rauchverbot damit überflüssig sei. "Das mag vielleicht kurz nach der Aufweichung des früheren Gesundheitsschutzgesetzes der CSU im Jahr 2008 der Fall gewesen sein. Inzwischen wird aber bereits wieder in vielen Gaststätten die Atemluft mit Schadstoffen aus dem Tabakrauch kontaminiert", beklagte Pro Rauchfrei -Vorstandsvorsitzender Siegfried Ermer.

Gerade in ländlichen Regionen durchlöcherten viele Wirte das gesetzliche Rauchverbot, erläuterte Ermer. Während in den mittelgroßen und großen Städten in rund einem Drittel der Lokale blauer Dunst erlaubt sei, liege dieser Anteil in Dorfwirtschaften bei 40 Prozent. Aber auch in Gasthöfen mit einem offiziellen Rauchverbot hätten Wirte eigene, gesetzeswidrige Regelungen entwickelt, um Raucher nicht des Lokals verweisen zu müssen. "Da heißt es dann, "Ab 18.00 Uhr darf geraucht werden" oder "Nach dem Essen ist das Rauchverbot aufgehoben" oder "Am Stammtisch ist das Rauchen sowieso erlaubt"", berichtete Ermer.

Noch am ehesten rauchfrei sind nach der Umfrage von "Pro Rauchfrei" die Cafés im Freistaat. Nur in 25 Prozent sei blauer Dunst erlaubt. In reinen Speisegaststätten erlaubten 34 Prozent der Wirte das Rauchen. Dagegen sind Bars und Kneipen in den meisten Fällen fest in Raucherhand. Nur 23 Prozent der sogenannten getränkegeprägten Lokale haben den Nikotin-Qualm verbannt. "Eine rauchfreie Bar zu finden, ist für einen zünftigen Nichtraucher richtig schwer", kritisierte Ermer. Dies gelte genauso für Diskotheken und andere Musiklokale, in den zu 78 Prozent das Rauchen erlaubt sei.

Der Pro Rauchfrei-Chef sieht in dem Volksentscheid am 4. Juli eine wichtige Richtungsentscheidung über das Rauchverbot in Gaststätten. "Wenn die ÖDP mit dem Volksentscheid auf die Schnauze fällt, dann kann man davon ausgehen, dass selbst der bestehende aufgeweichte Nichtraucherschutz weiter aufgeweicht wird", warnte Ermer. In Behördenschubladen lägen bereits Pläne, das Rauchen in ausreichend belüfteten Lokalen zulassen. Auch bei Vereinsvorstandssitzungen und Vereinsversammlungen solle mit dem Argument, dies seien geschlossene Gesellschaften, das Rauchen wieder zugelassen werden, berichten die Rauchverbots-Befürworter.

dpa

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