Kritik an Verordnung: Geimpfte müssen sich vor Besuch bei Senioren noch testen lassen

„Eine unerträgliche Diskriminierung“: Caritas und AWO fordern Lockerungen bei Besuchsregeln in Heimen

Eine ältere Dame wird in einem Pflegeheim auf Corona getestet
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In Seniorenheimen müssen sich Geimpfte vor jedem Besuch testen lassen. Die Verbände fordern Lockerungen.

Für Geimpfte gelten in vielen Bereichen Lockerungen. Nur die Pflegeheime sind ausgenommen. Dort müssen sich geimpfte Bewohner weiterhin testen lassen und strenge Regeln einhalten. Caritas und AWO fordern Lockerungen.

In Bayerns Pflegeheimen haben fast alle Bewohner den vollen Impfschutz. Trotzdem gelten noch strenge Regeln, wenn sie Besuch bekommen. Verwandte oder Freunde dürfen aktuell nur mit negativem Test in die Heime, für sie gelten auch in den Zimmern der Bewohner noch Masken- und Abstandspflicht – auch, wenn sie selbst zweifach geimpft sind. Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising kritisiert das.

Außerhalb der Heime sei für zweifach geimpfte Menschen vieles wieder ohne Auflagen möglich, in den Heimen dürfen sie nach aktueller Infektionsschutzverordnung ihre Mutter oder ihren Opa nicht einmal umarmen. „Wir halten das für eine unerträgliche Diskriminierung von alten Menschen und von Menschen mit Behinderungen, für die dieselben Einschränkungen gelten“, betont die Vorständin Gabriele Stark-Angermeier. Deshalb fordert die Caritas, dass die Infektionsschutzverordnung auch in Pflegeheimen für Geimpfte gelockert wird.

Von einem normalen Alltag in den Heimen sind wir noch weit entfernt.

Simone Heimkreiter, Referentin für Altenpflege bei der AWO Bayern

Rund 90 Prozent der Bewohner haben seit Wochen den vollen Impfschutz. Ausnahmen sind die Senioren, bei denen die Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist oder für die Angehörige die Impfung abgelehnt haben. Bei den Mitarbeitern liegt die Impfquote bei rund 60 Prozent. Auch deswegen, weil sich viele Pflegekräfte mit Corona infiziert hatten und deshalb noch nicht geimpft werden können. Auch um sie zu schützen, gelten noch strenge Kontakt- und Abstandsregeln. Nach den hohen Todeszahlen sei die Angst groß, dass es noch mal zu Ausbrüchen in Heimen kommen könnte, erklärt Doris Schneider, die Geschäftsleiterin der 27 Caritas-Heime in Oberbayern. Doch seit die Bewohner durch die Impfung geschützt sind, verlaufen Neuinfektionen mit milden oder gar keinen Symptomen. Die Besuchsbeschränkungen seien zwar gekippt, nur wenige Landkreise wie beispielsweise Mühldorf würden nur an Beschränkungen wie eine Person pro Tag und maximal 90 Minuten festhalten. Für alle Heime gelten aber noch die Kontaktbeschränkungen. Und die bedeuten für die Heime, dass jeder Besucher unabhängig vom Impfschutz getestet werden muss. Für die Caritas-Heime in Oberbayern bedeute das 40 000 Tests pro Monat mit Personalkosten von 750 000 Euro im ersten Quartal, berichtet Schneider. Es gehe aber mehr um den Aufwand als um die Kosten. Denn durch die Tests werden die Besuchsmöglichkeiten eingeschränkt. Viele Bewohner seien zwar dankbar, dass sie überhaupt wieder Besuch bekommen können. Aber die FFP2-Masken-Pflicht für Geimpfte in den Bewohnerzimmern sei schwer zu vermitteln.

Dasselbe berichtet die AWO für ihre rund 160 bayerischen Heime. „Von einem normalen Alltag in den Heimen sind wir noch weit entfernt“, sagt Simone Heimkreiter, die Referentin für Altenpflege. Nicht nur bei den Besuchsregeln fordert die AWO auch vorsichtige Lockerungen für Geimpfte. Auch beim Gruppenangebot für die Bewohner müsse wieder mehr möglich sein. Singen oder Gymnastik werde aktuell nur in Kleingruppen angeboten. Nicht in allen Heimen dürfen wieder alle Bewohner zum Essen zusammenkommen. „Für die Bewohner sind diese Regeln sehr belastend.“

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