Weil es schrie

Vater legt Baby in Kühlschrank: U-Haft

Weiden - Ein Vater hat in der Oberpfalz sein Baby schwer misshandelt. Er soll das Kind in den Kühlschrank gelegt und unter eine Wasserleitung gehalten haben. Außerdem hat er dem Kind ein Tuch in den Mund gesteckt, weil es schrie.

Ein rosaroter Wohnblock in einem Ort im Kreis Neustadt an der Waldnaab – hier soll sich in einem der Räume bereits im Juli ein schier unglaublicher Fall von Kindsmisshandlung zugetragen haben. Ein 39-jähriger Vater – Harry S. – packte sein neugeborenes Töchterchen laut Vorwurf mehrmals in den Kühlschrank. Angeblich, weil er mit dem schreienden Baby überfordert war. Oberstaatsanwalt Gerhard Heindl aus Weiden sprach in puncto Kühlschrank gegenüber der tz von Zeiträumen „eventuell im Minutenbereich“.

Nicht der einzige Misshandlungsvorwurf gegen den rabiaten Mann: Er soll das Mädchen auch mehrmals geschüttelt und kopfüber gehalten haben. Und damit nicht genug: So wurde auch das Kind unters Wasser gehalten oder es wurde dem Baby ein Tuch in den Mund gesteckt – immer dann, wenn der Säugling schrie.

Das Kind war im Juni geboren worden, die Übergriffe fanden im Juli statt. Nachbarn war zu der Zeit offenbar der Lärm aus der Wohnung komisch vorgekommen, sie machten schließlich die Behörden auf die kleine Familie aufmerksam.

Die Ehefrau Irene (Name geändert) war bei den Misshandlungen des vier Wochen alten Mädchens zeitweise zugegen. Sie schritt allerdings nicht dagegen ein – wohl, weil sie sich gegenüber ihrem 1,90 Meter großen und kräftigen Mann massiv unterlegen fühlte. Anfang August wurde der 39-Jährige schließlich festgenommen.

Der Beschuldigte wird

psychiatrisch begutachtet. Es soll eine „geminderte Intelligenz“ bei ihm vorliegen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Misshandlung Schutzbefohlener. Im schlimmsten Fall droht dem Vater eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren. Sein Rechtsbeistand Rouven Colbatz aus Weiden erwartet eine Anklage bereits in den kommenden Tagen.

Das Mädchen hat nach ersten Eindrücken keine bleibenden Schäden durch die Gewalt davon getragen, es wird aber weiter untersucht. Zurzeit ist es wieder bei seiner Mutter. Sie kümmert sich nun um die Kleine mit der Fürsorge, wie sie ein Baby verdient hat.

Markus Christandl

Rubriklistenbild: © dpa

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