Gustav Weißkopf

Der erster Motorflieger war wohl ein Bayer

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Mit diesem motirisierten Fluggerät hob Gustav Weißkopf 1901 ab

Leutershausen - Ein Historiker hat neue Belege dafür gefunden, dass der Franke Gustav Weißkopf - nicht die Brüder Wright - der erste Motorflieger der Welt gewesen sein könnte. Muss die Luftfahrt-Geschichte umgeschrieben werden?

Eigentlich hatte John Brown nur die Geschichte des Flugautos erforschen wollen – dann aber stieß der Braunschweiger Luftfahrthistoriker auf Erkenntnisse, die ihn nicht mehr losließen. Je länger der gebürtige Australier in alten US-Zeitungen recherchierte, desto häufiger stieß er auf Gustav Weißkopf. Bald war ihm klar: „Die Luftfahrtgeschichte wird diesem Mann auch nicht annähernd gerecht.“ Er ist überzeugt, dass Weißkopf „der erste Motorflieger der Welt ist“.

War Weißkopf schneller als die Brüder Wright?

Brown bringt damit ein US-Denkmal gehörig ins Wanken: Bis heute erfüllt es viele US-Bürger mit Stolz, dass mit den Gebrüdern Wilbur und Orville Wright zwei Amerikaner die Pioniere der motorisierten Luftfahrt waren. Der motorisierte Doppeldecker, mit dem die Wrights am 17. Dezember 1903 in Kitty Hawk im US-Bundesstaat North Carolina abhoben, gehört zu den Prunkstücken des Luft- und Raumfahrtmuseums der Forschungsgesellschaft Smithsonian in Washington.

Nach seinen rund 14-monatigen Recherchen sieht Brown die Rolle der legendären Gebrüder Wright allerdings schwer erschüttert. Als Beleg dafür legte Brown am Samstagabend in Weißkopfs fränkischem Geburtsort Leutershausen unter anderem eine historische Fotografie vor, die Weißkopfs Erstflug am 14. August 1901 in Bridgeport im US-Bundesstaat Connecticut zeigt – also rund zweieinhalb Jahre vor dem motorisiertem Erstflug der Wrights.

Ein unscharfes Foto

Das Foto zeigt die Flugszene zwar nur sehr unscharf, dafür ähnelt sie stark einer Lithographie, die seinerzeit nach dem Foto angefertigt und in einem Lokalblatt veröffentlicht wurde. Das Foto selbst ist verschollen, Brown entdeckte es allerdings auf einer Aufnahme von Weißkopfs Stand auf der ersten Ausstellung des Aero Clubs America im Jahr 1906 in New York. Es sei damals an einer Wandtafel angebracht gewesen, die auf der Aufnahme zu sehen ist. Dank moderner Fotoanalysen sei es gelungen, die darauf abgebildete Flugszene sichtbar zu machen.

Weißkopfs Pioniertat erkannte noch am Samstagabend Paul Jackson an, Herausgeber von „Jane’s All the World’s Aircraft“ – eine der wichtigsten luftfahrthistorischen Zeitschriften. In einer aus Großbritannien live übertragenen Stellungnahme ernannte Jackson Gustav Weißkopf zum ersten Motorflieger der Welt.

Auch Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München, will seine Experten auf den Fall Weißkopf ansetzen, wie er gestern unserer Zeitung sagte. Man müsse freilich zwischen der reinen Erfindung und einer Innovation unterscheiden. Auch wenn Weißkopf der erste Motorflieger gewesen sei – gesellschaftlich relevant sei die Fliegerei eben mit den Gebrüdern Wright geworden. Und das sei das Entscheidende.

Brown will die Geschichte der Luftfahrt neu schreiben

John Brown allerdings will die Geschichte Weißkopfs neu schreiben. Er hat dem Pionier auch in alten US-Zeitungen, Geschäftskorrespondenzen und Firmenunterlagen nachgespürt. Weißkopf, der nach mehreren Jahren auf See in den 1880ern als Schiffbrüchiger in den USA landete, sei weder Dilettant noch Betrüger oder Hochstapler gewesen, wie manche Historiker glauben. So hatte Weißkopf zwar seine Schlosserlehre abgebrochen, aber dafür später bei der Firma MAN in Augsburg eine Lehre als Motorenbauer vollendet, wie Brown bei dem Unternehmen recherchierte. In seiner neuen Heimat, wo ihn die Idee an ein steuerbares Motorflugzeug nicht mehr losließ, wurde er bald mit seinem in Leichtbauweise gebauten Flugzeugmotor zum gefragten Experten.

Gustav Weißkopf sei der erste gewesen, der später Flugzeugmotoren an die US-Navy geliefert habe. Ebenso hält Brown die Behauptung von Historikern für falsch, der von Weißkopf angeblich eingesetzte Acetylen-Motor sei im Jahr 1901 noch gar nicht erfunden gewesen. Es gebe klare Belege dafür, dass in den USA bereits ein Jahr zuvor Autos mit Acetylen-Motoren gefahren seien.

Kein Ruhm für "Mister Whitehead"

Großer Ruhm blieb ihm jedoch versagt: Als Mr. Whitehead, wie sich Weißkopf in den USA nannte, 1927 im Alter von nur 53 Jahren an Herzinfarkt starb, hinterließ er seiner Familie ein selbst erbautes kleines Haus, ein schmales Grundstück und ganze acht Dollar Bargeld.

Klaus Tscharnke und Dirk Walter

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