Verleumdungsverdacht: Ermittlungsverfahren gegen Strauß-Kritiker

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Franz Josef Strauß

München - Nächster Schritt im Streit um ein Strauß-Buch des früheren Ministerialrats Wilhelm Schlötterer. Die Staatsanwaltschaft München I hat gegen den Buchautor ein Ermittlungsverfahren eröffnet.

41 Seiten – so lang ist die im Mai eingereichte Strafanzeige der drei Kinder des verstorbenen CSU-Patriarchen Franz Josef Strauß gegen Wilhelm Schlötterer aus Pullach (Kreis München). Die Strauß-Kinder wehren sich in dem Schriftstück vor allem gegen Schlötterers Behauptung, ihr Vater habe „ein Vermögen von 400 Millionen D-Mark oder einen ähnlich hohen Betrag illegal“ angehäuft und vererbt. Zudem ärgern sie sich über Vorwürfe Schlötterers, dass Strauß-Spezln in den siebziger und achtziger Jahren Millionensummen an Steuern hinterziehen konnten und dabei politisch gedeckt wurden.

Entsprechende Passagen sind im Schlötterers Buch „Macht und Missbrauch“ zu finden – das Buch ist nach wie vor ein Bestseller. Auch bei Autorenlesungen findet der Autor eine deutliche Sprache, was die Strauß-Erben mit Mitschnitten zu belegen versuchen. Sie haben absichtlich Bekannte in die Lesungen geschickt, die jetzt als Zeugen zur Verfügung stehen und in der Strafanzeige namentlich benannt werden. Schlötterer selbst erhält nach eigenen Angaben fast wöchentlich neue Einladungen – auch außerhalb Bayerns – und wiederholt seine Vorwurfe stets aufs neue.

Mit der Einleitung eines formellen Ermittlungsverfahrens wegen Verleumdung gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass der Verleumdungsverdacht begründet sein könnte. Das Verfahren sei nach Prüfung der Strafanzeige der drei Strauß-Kinder eingeleitet worden, sagte Behördensprecherin Barbara Stockinger. „Es ist jetzt ein Ermittlungsverfahren.“

Der mittlerweile pensionierte Finanzbeamte Wilhelm Schlötterer, der nach wie vor CSU-Mitglied im Ortsverein seines Wohnortes ist, weilt derzeit in Urlaub und wusste noch nichts von dem Verfahren: „Ich habe davon noch nichts gehört“, sagte Schlötterer. Die Vorwürfe weist er zurück: „Das Buch ist vor der Veröffentlichung sorgfältig von Juristen geprüft worden. Ich habe nur Fakten an Fakten gereiht und keine Wertung vorgenommen.“

Die Strauß-Kinder ihrerseits wollen nach der Strafanzeige auch noch eine Zivilklage einreichen. „Wir werden mit aller Härte juristisch gegen Schlötterer vorgehen“, sagte Franz Georg Strauß, der ältere Strauß-Sohn. Die Strauß-Kinder wollen aber jeden Anschein eines politischen Verfahrens vermeiden: „Wir erheben keinerlei Forderungen an die Politik oder an die Justiz. Wir wollen nur, dass alles nach Recht und Gesetz seinen Gang geht.“ Zuletzt hat sich Franz Georg Strauß über einen neuen Vorwurf des Ex-Beamten geärgert. Schlötterer habe unter Berufung auf angebliche Äußerungen von Altkanzler Helmut Kohl (CDU) behauptet, Strauß habe in seinen letzten Lebensjahren „nur noch Waffengeschäfte getätigt“. Auf Anfrage der Strauß-Kinder habe Kohl aber dieser Darstellung entschieden widersprochen, sagte Franz Georg Strauß.

Eines ist sicher: Sollten die Ermittlungen in eine Anklage münden, wäre das nächste Medienspektakel garantiert.

Von Carsten Hoefer und Dirk Walter

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