Volle Solar-Kraft voraus

Weismain - Er soll der größte seiner Art werden: der Jura-Solarpark in Weismain. Gestern gab es den Spatenstich in Oberfranken. Mit dabei war auch Ministerpräsident Horst Seehofer.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat am Donnerstag bei Weismain (Landkreis Lichtenfels) den symbolischen Spatenstich für den Jura-Solarpark vollzogen.

Mit 63 Hektar und 28,4 Millionen Kilowattstunden im Jahr ist er das größte Projekt dieser Art in ganz Bayern. Die sechs Photovoltaik-Anlagen entlang der Autobahn Bamberg-Bayreuth sind laut Seehofer ein Signal für ganz Bayern, die Energiewende möglichst schnell zu vollziehen. Der Ministerpräsident bekräftigte den Willen der Staatsregierung, bis zum Jahr 2021 die Hälfte des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken. Damit sei es möglich, zwei der derzeit noch vier betriebenen Kernkraftwerke im Freistaat zu ersetzen. “Wenn wir das nicht zustande bringen, wären wir kein hochindustrialisiertes Land, sondern ein Nachwächterstaat“, appellierte Seehofer an die Bürger, sich auch finanziell am Bau regenerativer Energieanlagen zu beteiligen. Damit werde die Abhängigkeit von den vier großen Stromkonzernen ebenso verringert wie durch dezentralere Strukturen in der Energieerzeugung.

Um die Netzstabililät angesichts der witterungsabhängigen Verfügbarkeit etwa von Windkraft und Solarenergie zu gewährleisten, müssen laut Seehofer zwei bis drei, möglicherweise aber auch vier neue Gaskraftwerke in Bayern errichtet werden. Zugleich gelte es, die Energieeinsparung durch die Sanierung alter Gebäude kontinuierlich zu fördern und den Wirkungsgrad der Energieerzeugungsanlagen etwa durch Kraft-Wärme-Kopplung zu erhöhen.

Beim Spatenstich für den Solarpark nannte Seehofer zwei ehrgeizige Ziele. Bayern müsse das erste Land sein, in dem sich Eigenheime durch Sonnenkollektoren und Stromspeicher im Keller selbst versorgen.

Beim Verkehrsmittel Auto setzt Seehofer auf die Umwandlung regenerativer Energien in Methangas. Damit sei es nach Expertenangaben möglich, binnen zehn Jahren 15 Prozent des Gasbedarfs zu decken.

Der Photovoltaikspezialist IBC Solar aus dem oberfränkischen Bad Staffelstein investiert rund 60 Millionen Euro in den Jura-Solarpark. Drei der sechs Anlagen werden von den Bürgern in den Landkreisen Lichtenfels, Bamberg und Kulmbach mitfinanziert. Sie sollen bereits im September in Betrieb gehen. Die erzeugte Strommenge entspricht dem Bedarf von knapp 8100 Haushalten. Gleichzeitig werden 16.550 Tonnen Kohlendioxid eingespart. IBC Solar hat seinen Umsatz in den vergangenen fünf Jahren auf 971 Millionen Euro vervierfacht. Weltweit betreibt das Unternehmen mehr als 100.000 einzelne Systeme mit einer Leistung von 1,6 Gigawatt. Die Mitarbeiterzahl liegt bei 400, davon 290 am Stammsitz in Bad Staffelstein.

Zum Hintergrund: Erneuerbare Energien decken bereits 28 Prozent des Stromverbrauchs in Bayern. Den weitaus größten Anteil leistet dabei nach wie vor die Wasserkraft mit rund 15,2 Prozent, gefolgt von der Biomasse einschließlich Deponie- und Klärgas (rund 6,5 Prozent) und der Photovoltaik (5,7 Prozent).

Die Windenergie spielt nach Angaben des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) mit 0,7 Prozent noch eine untergeordnete Rolle. Der Anteil der Photovoltaik am Stromverbrauch hat sich damit im vergangenen Jahr verdoppelt. Nach den Vorstellungen der Bayerischen Staatsregierung soll die Solarenergie bis zum Jahr 2021 sogar mehr als 16 Prozent des Stromverbrauchs decken. Der Löwenanteil des Stroms im Freistaat stammt mit rund 58 Prozent nach wie vor aus der Kernenergie. Die restlichen 14 Prozent werden vornehmlich durch Gas, Steinkohle und Öl erzeugt.

lby

Rubriklistenbild: © dpa

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