„Diskutiert ist genug“

Auflehnung gegen die CSU? Aiwanger und Glauber wollen 300 Windräder in Bayern bauen - trotz 10h-Regel

Rund 300 neue Windräder will Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger (l.) in Bayern errichten.
+
Rund 300 neue Windräder will Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger (l.) in Bayern errichten. Mit vor Ort in Creußen war der Umweltminister Thorsten Glauber.
  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
    schließen

Angriff auf die CSU oder einfach nur ein Beitrag zum Klimaschutz? Die Freien Wähler wollen hunderte Windräder in Bayern bauen. Besprochen ist das mit dem Koalitionspartner aber nicht.

Update vom 25. Oktober, 15.47 Uhr: Nachdem sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und sein Parteikollege und Umweltminister Thorsten Glauber eine Windkraftanlage in Creußen (Landkreis Bayreuth) angesehen haben, trat der Vize-Landeschef vor die Mikrofone. Er stellte fest, dass etwa drei Prozent der Landesfläche in Bayern für den Bau eines Windrads geeignet wären. „Aber dann muss eben noch vor Ort die Akzeptanz hergestellt werden“, sagte der Freie-Wähler-Chef. Gleichwohl kritisierte Aiwanger Diskussionen auf bundespolitischer Ebene, wonach jedes Land künftig zwei Prozent ihrer Landesfläche für die Windenergie zur Verfügung stellen müsste. „Das ist mir zu schablonenhaft“, sagte er.

Windräder in Bayern: Aiwanger will rund 300 neue Windkraftanlagen bauen

Unabhängig von der noch laufenden Debatte der möglichen neuen Bundesregierung präferiert Aiwanger einen pragmatischeren Ansatz, der Windenergie neues Leben einzuhauchen. „Diskutiert ist genug und die Diskussion auf hoher theoretischer Ebene läuft immer mehr ins Leere“, sagte er und schlug erneut vor, in Bayern zunächst in Wäldern den Bau voranzutreiben. Die Zustimmung für die Windkraft nehme zu, „weil man ja auch die enorme Wirkung dieser neuen Windräder vor allem sieht“.

Konkret rechnet Aiwanger hier mit rund 300 geeigneten Standorten, davon etwa Zweidrittel in Privatwäldern und ein Drittel in den Staatsforsten, auf denen teils auch mehrere Anlagen „relativ ohne Problem“ gebaut werden könnten. Im Wald seien die bis zu 250 Meter hohen Anlagen besser versteckt und stießen so auf mehr Akzeptanz. Derzeit gebe es landesweit rund 1100 Windkraftanlagen.

Erstmeldung vom 25. Oktober, 10.45 Uhr: München - Es kling zunächst nach einem guten Projekt. Bayerns Wirtschafts- und Umweltminister, Hubert Aiwanger und Thorsten Glauber (beide Freie Wähler), wollen mehr Windräder in Bayern bauen. Gut für die Umwelt, möglicherweise schlecht fürs Koalitionsklima. Denn im Freistaat gilt die strenge 10h-Regel der CSU*. Kein Windrad darf näher als zehnmal seine Höhe an Wohngebäuden gebaut werden. Das faktische Aus für zahlreiche Anlagen. Die beiden Minister der Freien Wähler haben aber schon einen Alternativstandort im Sinn.

(Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.)

Hunderte Windräder in Bayern: Aiwanger sieht nur Vorteile

„37 Prozent der Landesfläche sind Wald, und wir müssen jetzt mehr Windkraft in Bayern realisieren“, sagte der Freie-Wähler-Chef der Deutschen Presse-Agentur in München*. Nimmt man also eins und eins zusammen, gibt es kaum eine bessere Alternative als Windräder in die bayerischen Wälder zu bauen. Aiwanger will auch nicht warten, bis eine mögliche Ampel-Koalition die 10h-Regel vielleicht kippt. „Es kommt auf jeden Fall neue Bewegung in die Debatte.“ Am heutigen Montag, 25. Oktober, will der Wirtschaftsminister mit seinem Kollegen Glauber in Creußen (Landkreis Bayreuth) seine Pläne vorstellen. Schon vorher zählt er die Vorteile seines Plans auf.

Potenzielle Standorte hat der Freie-Wähler-Chef schon ausgemacht. „Tendenziell lägen ein Drittel der Flächen in den Staatswäldern, zwei Drittel in Privatwäldern“, sagte Aiwanger. Für die Waldbesitzer ist das eine gute Nachricht, denn so könnten sie mit den Windrädern sogar noch Geld verdienen. In anderen Bundesländern seien mehrere 10.000 Euro Pacht pro Jahr möglich, betonte er. Mit dem Geld könnten Verluste durch schlechte Holzpreise kompensiert werden.

Mehr Windräder böten auch mehr Vorteile für die Tier- und Pflanzenwelt, so Aiwanger. Die Gebiete würden ökologisch aufgewertet. Denn inmitten der Baum-Monokulturen würden so 50 mal 50 Meter große Lichtungen entstehen, auf der Blumen und Disteln wachsen können - Lebensraum für Insekten und andere Tiere also. Die für die Windräder gefällten Bäume könnten zudem andernorts wieder aufgeforstet werden.

Video: Vor wenigen Tagen pochte Aiwanger noch auf ein faires Miteinander in der Koalition

Windrad-Plan ist nicht mit der CSU abgesprochen worden

So schön die Pläne der Freien Wähler für die Klimaziele Bayern auch wären, für ein besseres Klima in der Regierungskoalition werden sie wohl nicht sorgen. Denn die Staatsforsten fallen in den Aufgabenbereich der Agrarministerin, Michaela Kaniber (CSU). Besprochen wurde die Windrad-Idee mit dem Koalitionspartner aber nicht. Und obgleich CSU-Chef Markus Söder* bereits vor Monaten eine Lockerung der 10h-Regel angekündigt hat, passiert ist noch nicht viel. CSU und Freie Wählern ringen schon seit Monaten um die Novelle ihres eigenen Klimaschutzgesetzes. Das Papier - sollte es schon existieren - dürfte wohl auch noch länger in der Schublade liegen, denn man will erst einmal abwarten, wie denn die Pläne einer neuen Bundesregierung zum Ausbau der erneuerbaren Energien aussehen werden. (tel mit dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Mehr zum Thema:

Kommentare