Römischer Grenzwall

Zehn Jahre Weltkulturerbe: Neuer Schwung für Limes

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lick auf die Ruinen des ehemals größten römischen Reiterkastells nördlich der Alpen.

Nürnberg - Ein kaum sichtbarer Erdwall, verborgen in Wäldern - schon immer hatte es der römische Grenzwall Limes schwer, als schützenswertes Denkmal wahrgenommen zu werden. Das hat sich mit dem vor zehn Jahren verliehenen Weltkulturerbestatus etwas gebessert.

Matthias Pausch erinnert sich genau: Als kurz nach der Jahrtausendwende die Idee vom „Welterbe Limes“ die Runde machte, stieß das auf Skepsis: „Ein Titel ohne Mittel“ hätten in Franken manche gespottet. Und überhaupt: Wie solle man schützen, was man ja eh kaum sehe, hätten andere eingewandt, berichtet der Leiter des Römerparks Ruffenhofen (Landkreis Ansbach). Tatsächlich ist der rund 1800 Jahre alte Limes oft nur als unscheinbarer Erdwall sichtbar, häufig ist er unter Erde und Geröll verborgen.

Inzwischen seien die Skeptiker zumindest am mittelfränkischen Limes-Abschnitt verstummt. Denn ohne den Welterbestatus, der dem obergermanischen-raetischen Limes vor zehn Jahren verliehen wurde, gäbe es heute eine wichtige Besucher-Attraktion im strukturschwachen Süden Mittelfrankens nicht: das Limes-Museum Limeseum.

2,45 Millionen Euro steckte die Bundesregierung in den Schutzwall

In den Römerpark - angelegt auf einem früheren Castellgelände - und in das auf einem Hügel errichtete Limeseum flossen 2010 rund 2,45 Millionen Euro aus dem von der Bundesregierung aufgelegten Konjunkturprogramm I. Voraussetzung für die Förderung war der Unesco-Welterbe-Titel. Jährlich besuchen nun mehr als 22 000 Menschen den Rundbau, um sich über das Leben am Grenzwall zu informieren.

„Ich muss feststellen, der Welterbestatus des Limes hat maßgeblich zu Strukturierung der Entwicklung im Römerpark beigetragen“, betont Pausch. Vieles, was bereits vor 2005 in Grundzügen da war, habe dadurch einen kräftigen Schub erhalten.

Diese Einschätzung teilt auch der bayerische Landeskonservator Professor Sebastian Sommer, der auch Vorsitzender der Deutschen Limeskommission ist. Abgesehen von der verstärkten öffentlichen Förderung von Limesprojekten habe der Welterbestatus vor allem das Interesse der Anrainer-Gemeinden an den Überresten des einstigen Bollwerks erhöht: „Inzwischen sind viele Gemeinden intensiv mit dem Limes beschäftigt“.

„Inzwischen sind viele Gemeinden intensiv mit dem Limes beschäftigt“

Zudem würden die kommunalen Limes-Projekte jetzt landesweit besser koordiniert. Dazu trug nach Sommers Einschätzung nicht zuletzt das in der „Römerstadt“ Weißenburg eingerichtete Bayerische Limes-Informationszentrum bei. Die Halbtagsstelle des bayerischen Limeskoordinators sei zu einer Vollzeitstelle aufgewertet worden. Inzwischen gebe es bayernweit eine einheitliche Limes-Beschilderung entlang des 158 Kilometer langen bayerischen Abschnitts.

Mit dem Unesco-Status hat nach Sommers Einschätzung auch die zeitweise vernachlässigte Limes-Forschung wieder Auftrieb erhalten. Viele Wissenschaftler beschäftigten sich nun wieder mit der nördlichen Außengrenze des einstigen römischen Weltreichs. So seien nicht überbaute Römer-Castelle und dazugehörige zivile Siedlungen geophysikalisch vermessen worden - mit erstaunlichen Ergebnissen.

Neue Forschungen zeigen: Der Limes verlief anders, als bisher angenommen

Neue Einsichten lieferte auch ein sogenannter Airborne-Laserscan: Die bei Überflügen entstandenen Aufnahmen zeigen praktisch die nackte Landschaft entlang des Limes - ohne Bäume, Sträucher oder anderen Bewuchs. „Dabei konnten wir an einigen Stellen erkennen, dass der bisher angenommene Limesverlauf falsch war“, berichtet Sommer. Auch entdeckten die Archäologen dabei steinbruchähnliche Gruben, aus denen anscheinend das Baumaterial für den Limes stammte.

Der Weltkulturerbestatus ist ein gutes Argument bei Konflikten rund um den Limes

Deutlich verbessert hat das Unesco-Siegel nach Einschätzung von Limes-Experten auch den Schutz des Limes. Auch wenn sich dadurch rechtlich am Schutzstatus nichts geändert habe, lasse sich mit dem Welterbestatus in Konfliktfällen besser argumentieren, berichtet der rheinland-pfälzische Limesbeauftragte Peter Henrich. Wenn etwa ein Windrad dem Korridor zu nahe zu rücken drohe, helfe der Hinweis: „Vergesst nicht, der Limes ist in der gleichen Größenkategorie wie die ägyptischen Pyramiden und die chinesische Mauer“.

Trotzdem komme es auch in Bayern immer wieder mal zu Konflikten. In der Altmühltal-Gemeinde Hienheim etwa droht nach Sommers Angaben eine kreuzende Erdgasleitung Limes-Reste zu zerstören. „Das sind dann fast unvermeidbare Eingriffe. Zum Glück war der Limes dort eh schon in Mitleidenschaft gezogen“. Andernorts - wie in einem Fall in der Nähe von Ingolstadt - würden Rohre oder Leitungen schon mal unter die Reste einer altrömischen Villa durchgeschossen. „Im Großen und Ganzen ist der Limesschutz in Bayern aber kein Problem. Er führt hier durch überwiegend ländliche Gebiete.“

dpa

Weltkulturerbe-Status rückt Limes ins Rampenlicht - Fotos

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