Regen-Chaos auf A9: Unfallserie vor dem DFB-Spiel

München - Wahnsinn auf der Autobahn A 9: Kurz vor dem Fußballspiel Deutschland gegen Australien beginnt es in Strömen zu regnen. Viele Autofahrer drücken dennoch kräftig aufs Gas – mit schlimmen Folgen.

Denkendorf – Manfred L. ist gerade unterwegs nach Hause. Er fährt über die A 9 in Richtung München und freut sich auf das erste Spiel der DFB-Elf, als es gegen 19.30 Uhr anfängt zu regnen. Ein Wolkenbruch geht auf den Asphalt nieder, binnen Minuten stehen an manchen Stellen drei bis vier Zentimeter Wasser auf der Straße – schätzt L. Er bleibt vernünftig, geht vom Gas. Fußball ist wichtig – aber nicht so wichtig, als dass man sein Leben dafür aufs Spiel setzt. Doch offenbar denken nicht alle so wie Manfred L. – „und schon habe ich die ersten Warnblinklichter gesehen“.

Ein 47-jähriger Lastwagen-Fahrer war mit seinem Sattelzug zu einem Überholmanöver ausgeschert. Im starken Regen und bei schlechter Sicht verliert er kurz vor der Ausfahrt Denkendorf (Kreis Eichstätt) die Kontrolle. Der mit Pflanzen beladene Lkw gerät ins Schleudern und prallt in die Mittelleitplanke. Der Aufschlag ist so heftig, dass der Anhänger von der Zugmaschine abreißt und noch 50 Meter weiterrutscht. „Der Auflieger hat sich auf der Straße gedreht und einige Autos beiseite geräumt“, berichtet L. Die Zugmaschine wickelt sich um einen Eisenträger und bleibt halb auf der Leitplanke liegen. Die Rettungskräfte bergen den Lkw-Fahrer aus dem Wrack – er hat den Unfall mit mittelschweren Verletzungen überlebt.

Die Polizei leitet den Verkehr am Unfall vorbei und L. ist froh, dass er wieder unterwegs ist. „Wenn man so etwas sieht, wird einem schon mulmig“, sagt er und fährt noch ein wenig vorsichtiger. Doch andere drücken sofort wieder aufs Gas. „Tempo 80 bei Nässe – das hat keinen interessiert“, sagt L. – und muss sofort den nächsten Unfall mitansehen. Nur ein paar Kilometer später verliert ein 53-jähriger Autofahrer im Regen die Kontrolle und prallt ebenfalls in die Mittelleitplanke. Der Mann aus dem Landkreis Weilheim-Schongau war zu schnell mit seinem Peugeot in Richtung Nürnberg unterwegs. „Plastikteile wurden durch die Luft geschleudert“, erinnert sich Manfred L. „Manche lagen vor mir auf der Fahrbahn – ich bin grad drüber, zum Glück ist nichts passiert.“ Wegen des Lkw-Unfalls sind die Rettungskräfte noch in der Nähe – der Peugeot-Fahrer kommt mit dem Schrecken davon.

L. fährt weiter – und kommt am dritten Unfall vorbei. Bei Schweitenkirchen (Kreis Pfaffenhofen an der Ilm) unterschätzt ein 46-jähriger Münchner die Wetterverhältnisse, gerät ins Schleudern, rutscht über alle drei Fahrbahnen und rammt – was auch sonst – die Mittelleitplanke. Sein Nissan bleibt auf der Seite liegen. Der unverletzte Münchner kann sich selbst aus dem Wagen befreien. Doch das Auto ist Schrott und zudem erstattet die Polizei Anzeige wegen nicht angepasster Geschwindigkeit.

„Ich war drei Mal dicht dran“, sagt Manfred L. erleichtert, dass ihm nichts passiert ist. Insgesamt kracht es innerhalb von drei Stunden 13 Mal auf den Autobahnen A 9 und A 96. Laut dem Polizeipräsidium Oberbayern Nord verloren alle Fahrer wegen Aquaplanings (siehe Kasten) die Kontrolle über ihre Fahrzeuge. Bei Allershausen (Landkreis Freising) überschlug sich ein Wohnmobil mehrmals auf der linken Fahrspur.

Doch Manfred L. findet sicher den Weg heim. „Bei Spielende war ich dann da“, sagt er. Dass er den Sieg der Deutschen verpasst hat, das ist ihm „vollkommen wurscht – ich war nur froh, als ich daheim war“.

Von Thomas Schmidt

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