»Wir kommen nicht drumherum«

Mitter- und Obersee in Füssen: »Ja« zur Dammsanierung

Obersee in Füssen
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Der Damm zwischen Obersee (links) und Mitttersee (rechts) muss saniert werden. Das haben Untersuchungen jetzt ergeben.
  • Katharina Knoll
    VonKatharina Knoll
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Füssen – Die Dämme am Ober- und Mittersee müssen saniert werden. Das haben Untersuchungen ergeben. Für die Stadt bedeutet das eine weitere Belastung ihrer ohnehin klammen Kasse. Denn die Kommune kommt um diese Investition nicht herum, wie Ingenieur Thomas Konter klar machte. „Sie sind verpflichtet die Anlage nach DIN 19700 aufrechtzuerhalten.“ Denn: „Der Versagensfall würde bedeuten, dass Bad Faulenbach weg ist.“

Das Gebiet südwestlich von Bad Faulenbach ist geprägt von mehreren Weihern, die zum Teil durch den Gipsabbau entstanden sind. Mit Hilfe von Dämmen wurde dort der Faulenbach aufgestaut, der den Obersee und Mittersee bildet. Diese Dämme hat die Stadt jetzt genauer untersuchen lassen, nachdem das Landratsamt die Kommune über fehlende Sicherheitsnachweise der Stauanlagen informiert und zur Vorlage dieser Unterlagen aufgefordert hatte, wie jetzt im Stadtrat bekannt wurde.

Unter der Federführung des Büros „mooser ingenieure“ schauten sich die Experten die Untergrundverhältnisse sowie den Dammaufbau an und nahmen hydraulische Berechnungen vor. Denn die Dämme müssen auch bei Hochwasser halten, um für die Sicherheit der Faulenbacher zu sorgen. Ergeben haben die Untersuchungen, dass die Stadt bei beiden Dämmen eine geeignete Hochwasserentlastung nachrüsten muss.

Bei einem 500-jährigen Hochwasser erfüllt die luftseitige Böschung des Damms zwischen Ober- und Mittersee die Bedingungen nicht ganz, wenn der maximale Wasserspiegel erreicht wird und sich der Mittersee auf seinem Dauerstauziel befindet. Das sei jedoch nichts Dramatisches, sagte Konter. Keine ausreichende Dammsicherheit sei jedoch gegeben, wenn der Obersee maximal voll und der Mittersee leer ist. „Bei einem hydraulischen Ungleichgewicht wird das noch dramatischer“, erklärte der Experte.

Bedeutet: Wenn sich der Wasserspiegel auf der luftseitigen Böschung rasch absenkt und der Mittersee leer ist. Deshalb müsse die Standsicherheit durch einen Auflastfilter bzw. eine Fußdrainage auf der Luftseite erhöht werden. Dafür könnten Flussbausteine verlegt oder Schotterböden aufgebracht werden. Außerdem empfahl er eine Betriebsvorschrift zu erstellen, um zu wissen, wie die Seenanlage im Hochwasserfall funktioniert, sowie ein Betriebstagebuch zu führen und Jahresberichte zu erstellen. Daneben sollten Eichpfähle angebracht werden.

„Der Mittersee ist ein nachgeordneter See. Er bekommt Wasser ab, wenn der Obersee überströmt wird“, informierte der Ingenieur. Probleme ergeben sich hier an der wasserseitigen Böschung, wenn sich der Wasserspiegel rasch absenkt. Aber: „Wenn die Ufermauer ausreichend tief ist, dann sind die Bedingungen erfüllt.“ In diesem Fall würden keine besonderen Bauarbeiten anfallen. Allerdings liegen keine Daten vor, wie tief die Mauer gründet und in welchem Zustand sie ist. Das sollte im Zuge der Dammsanierung am Obersee erkundet werden. Daneben empfahl er Eichpfähle anzubringen, sowie eine Betriebsvorschrift, ein Betriebstagebuch sowie Jahresberichte zu erstellen und den Bewuchs auf dem Damm zu entfernen.

Zweifel an Szenario

Das erschloss sich Dr. Martin Metzger (BfF) allerdings nicht. „Das, was die Natur natürlich macht, machen wir weg und künstlich hin. Diese Logik muss man nicht verstehen.“ „Wir rechnen eigentlich immer mit dem Schlechtesten“, erläuterte Konter. Ein gesunder Bewuchs unterstütze den Damm, das sei richtig. Aber modert dieser, sei das von außen nicht zu erkennen und schade dem Damm. Die Vorschriften lassen jedoch auch Ausnahmen zu. Bevor über eine Begrünung diskutiert werden könne, müsse der Damm zunächst noch genauer untersucht werden. „Das, was wir hier gemacht haben, ist der TÜV“, sagte der Ingenieur. „Jetzt muss es mit der Sanierung vorwärts gehen.“ Kosten wird diese rund 89.000 Euro. Viel Geld für die Stadt, die derzeit überall nach Sparpotenzial sucht.

Magnus Peresson (UBL) und Martin Dopfer (Füssen-Land) hakten daher nach, ob die Arbeiten tatsächlich notwendig sind. Peresson zweifelte an, dass der Faulenbach jemals so viel Wasser führen wird, dass es hier zu Problemen kommen werde. Aufgrund des Klimawandels müsse man damit rechnen, dass es einmal dazu kommen könne, entgegnete der Experte und verwies auf die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal.

Keine Alternative

Dopfers Anregung, auf die Sanierung zu verzichten und einfach sicherzustellen, dass der Mittersee stets ausreichend Wasser führt, ist laut Konter keine Lösung. „Sie werden nicht gefragt werden, ob Sie Geld sparen wollen. Die technischen Voraussetzungen müssen erfüllt werden.“ „Wenn wir nichts machen und etwas passiert, handeln wir fahrlässig“, ergänzte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU).

So sprach sich das Gremium bei einer Gegenstimme dafür aus, die Instandsetzung weiterzuverfolgen. Die Verwaltung soll einen wasserwirtschaftlichen Zuwendungsantrag stellen und Planungsangebote einholen.

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