tz-Interview

30 Jahre Gernstl: Zeitreise mit dem Bus

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Franz Xaver Gernstl (r.) und Kameramann Fischer.

München - In "Gernstls Zeitreisen" besucht Franz Xaver Gernstl die Menschen von einst, mit der Frage, ob sich ihre Träume erfüllt haben. Die tz sprach mit ihm.

Franz Xaver Gernstl besuchte z.B. die „Geißen-Hanni“ (r.), die immer noch wie ein Hippie lebt.

"Heute“, sagt Franz Xaver Gernstl und grinst, „heute würde uns jeder Redakteur die Idee um die Ohren hauen.“ Einfach drauflosfahren, ohne Ziel, offen für alles. Das war schon 1983 kein richtiges Konzept, aber eine gute Idee. Und so hangelten sich der junge Gernstl und sein Mitbewohner und Kameramann H.P. Fischer an Deutschlands 10. Längengrad entlang, vom Allgäu bis zur Ostsee. 30 Jahre später sind die Herren erneut unterwegs. Gernstls Zeitreisen (1.,2. und 3.1. ab 19 Uhr, BR) ist eine Suche nach den Menschen von einst, mit der Frage, ob sich ihre Träume erfüllt haben.

Mit welcher Erwartungshaltung sind Sie nach 30 Jahren wieder auf Tour gegangen?

Franz X. Gernstl: Erwartungen hatte ich wenige. Ich hab nur gehofft, dass ein paar anständige Geschichten rauskommen. Nach 30 Jahren ist das halbe Leben vorbei. Lustigerweise sind sich einige Leute wirklich treu geblieben. Wie die Geißen-Hanni, die heute noch als altes Hippie-Mädchen haust. Und dann gibt es noch Menschen wie den Typen, den wir in der letzten Folge treffen. Ein Schreiner, der 27 Jahre an einem Holzboot gearbeitet hat, um nach Afrika zu segeln, eine Einheimische zu heiraten und 14 Kinder zu kriegen. Das hat nicht so ganz hingehauen. Den haben wir im Pflegeheim besucht.

Im Grunde machen Sie heute noch genauso Fernsehen wie vor 30 Jahren …

Gernstl: Sie meinen, wir sind sehr altmodisch (lacht)? Oder wir waren damals schon modern.

Waren Sie Ihrer Zeit voraus?

Gernstl: Das passiert uns regelmäßig.

Was ich meine, ist, dass die Grundstimmung dieselbe geblieben ist …

Gernstl: Das stimmt. Aber damals waren wir schon wesentlich gschlamperter. Bis sich da mal einer bequemt hat, aus dem VW-Bus auszusteigen, um was von außen zu drehen. Da haben wir lieber die Kamera rausgehalten. Und früher haben wir wirklich gar nicht recherchiert. Da sind wir am Morgen aus dem Wirtshaus rausgestolpert und haben geschaut, was so passiert. Diesmal mussten wir schon detektivisch ermitteln, um die Protagonisten von damals wiederzufinden.

Gerät man bei so einer Reise nicht ins Grübeln über das eigene Leben?

Gernstl: Dass wir da jetzt besinnlich werden, nee, das passt nicht zu uns. Wir grübeln höchstens darüber, wo wir auf unseren Reisen einen gescheiten Rotwein herbekommen.

Kein bisschen nachdenklich geworden? Jeder Mensch hat doch Pläne oder Erwartungen ans Leben …

Gernstl: Der Fischer hatte Erwartungen, aber da weiß man schon, dass sie schiefgegangen sind. Der wollte irgendwann 50 Millionen haben, weil man dann wirklich reich ist, aber er hat keinerlei Talent, das Geld zusammenzuhalten. Und ich habe nie Pläne gehabt, sicherheitshalber. Damit ich nicht enttäuscht werde. Ich schau immer, wo sich Chancen bieten, und die nehme ich dann wahr.

Was ist Ihnen denn besonders gelungen?

Gernstl: Wirklich gelungen sind meine zwei Söhne, obwohl die auch nicht geplant waren. Über die bin ich sehr glücklich, weil sie richtig gute Kumpels für mich sind.

In welche Lebenszeit würden Sie sich mit einer Zeitmaschine zurückversetzen?

Gernstl: Ich leb’ gern im Hier und Jetzt und häng’ der Zeit nicht nach. Ich war mit 35 deutlich blöder als heute. Klar wäre es schön, wenn man körperlich nicht altern würde, aber man kann nicht alles haben: weiser werden und keine Falten kriegen.

Welche Weisheit haben Sie Ihren Söhnen mit auf den Weg gegeben?

Gernstl: Na ja, ich hab schon versucht, ihnen zu vermitteln, dass man anständig mit den Menschen umgeht, und wenn man etwas macht, dann auch gescheit. Das hab ich schon von meinem Vater gelernt. Der hat gesagt: Wennst was machst, dann mach’s so gut wie möglich, schlechter wird’s von allein.

Interview: Astrid Kistner

Quelle: tz

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