40 Jahre: Jetzt red i

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Dietmar Gaiser

München - Vor 40 Jahren ging die Sendung "Jetzt red i" zum ersten Mal im BR auf Sendung. Mit der tz sprach nun Dietmar Gaiser über die Bürgersendung.

"Einen Stammtisch zum Granteln" schreibt die tz, als Jetzt red i 1971 zum ersten Mal auf Sendung geht. Damals weiß keiner, wie das Konzept ankommen wird, wenn das Volk auf die Großkopferten trifft. Wenn aktuelle politische Themen ungefiltert der Fernsehöffentlichkeit preisgegeben werden. Doch der Wirtshaus-Diskurs, wie sich die Bürgersendung vor 40 Jahren nannte, überzeugt alle: Bayerisch, anarchisch, aufmüpfig ist das BR-Format. Die Bürger machen ihrem Ärger Luft über Gebietsreformen, Abtreibungsparagrafen, Verkehrssicherheit oder die Sexwelle auf dem Lande. Und die jeweiligen Minister und Abgeordneten müssen zu den Themen live Stellung nehmen. Das ist revolutionär.

Der aktuelle Moderator Tilmann Schöberl ist zum Start von Jetzt red i noch ein Lederhosn-Bub, ein ABC-Schütze, während Dietmar Gaiser bereits schreiben kann – für die Münchner tz und für Berichte aus dem Vietnam-Krieg. Ab 1988 übernimmt Gaiser, damals bereits BR-Redakteur, Jetzt red i. Er ahnt nicht, dass er bis 2005 über 400 Folgen der beliebten Sendung moderieren wird.

Der 67-jährige, ehemalige Moderator Gaiser ist überzeugt: „Der Verdienst der Sendung ist, dass auf aktuelle politische Probleme aufmerksam gemacht wird; dass ein öffentlicher Druck gemacht wird. Denn freilich können nicht alle Probleme auf der Welt gelöst werden“, sagte er im Gespräch mit der tz.

In seinen Erinnerungen an 17 Jahre, Dietmar Gaiser präsentierte den BR-Klassiker bis 2005, gab es viele schöne, aber auch schlimme Momente. Etwa als ein Mann während der Sendung plötzlich eine Waffe zog und mit dieser wild herumfuchtelte: „Ich versuchte die Lage mit Autorität in den Griff zu bekommen, sodass ihm meine Mitarbeiter die Waffe abnehmen konnten. Sie stellte sich als funktionstüchtig, aber nicht geladen heraus“, berichtet er der tz.

Unvergesslich sei für ihn auch die Situation einer Mutter gewesen, die während der Aufzeichnung aufstand und ihren Mann des Missbrauchs an den eigenen Kindern bezichtigte. „Ich machte ihr klar, dass dies nicht die richtige Veranstaltung ist, aber unterhielt mich danach lange mit ihr“, sagt Gaiser und fährt fort: „Ergebnis: Alles, was die Frau gesagt hatte war wahr, aber die Polizei hatte sie nicht ernst genommen, sodass sie aus Verzweiflung die Öffentlichkeit suchte.“

Am schönsten fand Gaiser immer Geschichten wie diese: „Ein Kind schrieb mir eine Weihnachtskarte und dankte mir, dass der Bus jetzt endlich vor dem Haus hielt – und es nun nicht mehr im Regen stehen muss.“

Die Jubiläumssendung von Jetzt red i am Mittwoch kommt aus Mainburg. Sie wurde wegen der Japan-Katastrophe verschoben.

Tina Layes

„Jetzt red i“, Mittwoch, 20.15 Uhr, BR

So reagierte die Presse

Von Seiten der Presse gab es viel Lob für die Premiere von Jetzt red i am 5. Oktober 1971:

tz: „Herzerfrischend, wie die Pfarrkirchner da ihre Meinung vortrugen (…) Wir meinen, es war eine gute Idee, auf diese Weise im Fernsehen den Kontakt zur Bevölkerung herzustellen.“

Münchner Merkur: „So begrüßenswert es ohne Zweifel ist, das Fernsehen hier zum Podium zu machen – die Gefahr einer Fernseh-Demokratie, durch den Einfluss des Fernsehens auf die Meinungsbildung ohnehin heraufbeschworen, sollte man nicht übersehen.“

Gong: „Die Abendschau wagte ein Experiment. (…) Der Erfolg gab ihr recht. Hunderte von Fernsehzuschauern schrieben: Macht weiter so!“

Quelle: tz

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