Gespräch über Familie und innere Balance

Loos im tz-Interview: Ich habe auch Gefühle!

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Mutig, taff und ­analytisch: Das alles ist Anna Loos als Helen Dorn in der ZDF-Serie.

München - Im tz-Interview spricht Anna Loos über ihre Rolle als Helen Dorn, ihre Familie und innere Balance.

Ein kleines Mädchen wird rabiat entführt, ihr Vater im bürgerlichen Heim brutal überwältigt und die Lebensgefährtin, peng! nach nur 30 Sekunden erschossen. Der dritte Fall der ZDF-Kommissarin Helen Dorn hat es in sich. Anna Loos (44) spielt die coole Ermittlerin, die sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Ihr Einstand im LKA Düsseldorf war Anfang 2014 fulminant. Die Einschaltquote mit acht Millionen Zuschauern mehr als überzeugend. Warum man mit Kommissarin Dorn dennoch nur schwer warm werden kann, erklärt Schauspielerin Anna Loos im tz-Gespräch.

Frau Loos, als Kommissarin Helen Dorn wirken Sie kontrolliert und bisweilen unterkühlt…

Anna Loos: Ja, Helen Dorn ist schon ein sehr analytischer Mensch. Das heißt aber nicht, dass sie emotionslos ist. Sie schiebt ihre Gefühle beiseite, um klarer denken zu können. Diese Fähigkeit zeichnet sie aus, und das ist sicherlich nicht die schlechteste Eigenschaft für jemanden, der Mordfälle klären muss.

Warum erfährt man so wenig Privates über sie?

Loos: Wir haben uns die Freiheit genommen, sehr lange zu warten, bis einige Geheimnisse um die Figur Helen Dorn gelüftet werden. Das hab ich mir auch so gewünscht. Das finde ich besser, als wenn einem gleich sämtlicher Privatkram um die Ohren gehauen wird.

Sie sagen „wir“. Heißt das, dass Sie an der Entwicklung der Stoffe aktiv mitarbeiten?

Loos: Ja, na klar. Eine Figur in diesem Format zu erzählen ist wunderbar, aber auch eine Herausforderung. Für mich ist es selbstverständlich, nicht nur mit meinem Drehbuch unter dem Arm am Set zu erscheinen. Das Team, das an Helen Dorn arbeitet, ist ein großartiger Haufen und die Entwicklung der Stoffe ist ebenso spannend wie die Dreharbeiten.

Teamarbeit ist auch bei Ihrer Band Silly angesagt. Warum gehen Sie 2015 nicht auf Tour?

Loos: Wir spielen schon ein paar Konzerte, aber in erster Linie arbeiten wir an unserer neuen Platte. Solange ich noch nicht drehe, verbringe ich die Zeit intensiv im Studio.

Worin besteht der Reiz, zweigleisig zu fahren?

Loos: Die Musik ist seit 2006 ein richtiger Beruf geworden, mit dem ich auch meine Familie ernähren könnte. Ich glaube, ich bin dadurch kompromissloser geworden. Ich überlege mir sehr genau, was ich machen will. Denn wenn ich drehe, kann ich keine Musik machen, und wenn ich Musik mache, kann ich nicht drehen. Dieses Wissen hilft einem, auch mal ganz bewusst Sachen abzusagen.

Wem fühlen Sie sich enger verbunden – der Musik oder der Schauspielerei?

Loos: Für mich sind das zwei unterschiedliche Welten, und ich mag es, von der einen in die andere zu springen. Das ist genauso gesund, wie eine Familie zu haben, zu der man immer wieder zurückkehrt, die einen erdet. Denen zu Hause ist es wurscht, ob man vor zehntausend Leuten gesungen hat oder ob zehn Millionen einen Film gesehen haben. Wenn die Kinder krank sind, dann ist man eine Krankenschwester und der Rest ist egal.

Mit Ihrem Ehemann Jan Josef Liefers haben Sie zwei Töchter. Lilly (12) und Lola (7) haben auch schon geschauspielert und sind musikalisch. Können Sie ihnen den Beruf empfehlen?

Loos: Die einzige Empfehlung, die ich meinen Kindern ausspreche, ist die, in der Schule gut zu sein, damit sie später eine möglichst große Auswahlmöglichkeit haben, und mutig, großzügig, fair, tolerant und liebevoll durch ihr Leben zu gehen. Wir haben auch eine Menge Freunde, bei denen unsere Kinder sehen, dass der Job alles andere als einfach sein kann, auch aus unserer Erfahrung können wir da genug berichten. Am Ende müssen sie sich selbst durchbeißen, das ist ihnen klar.

Glauben Sie, dass Ihre Kinder es mal schwerer haben?

Loos: Ach, alles ändert sich – aber das betrifft ja nicht nur unsere Branche. Heute setzen sich die Leute kaum noch um 20.15 Uhr vor den Fernseher. Da werden die Filme oft nachträglich im Internet geguckt. Das gab’s ja vor zehn Jahren noch nicht. Aber die Kinder wachsen da rein. Das ist ihre Zeit. Deshalb mache ich mir keine Sorgen. Ich glaube, wir müssen einfach nur versuchen, ihnen Moral und Höflichkeit beizubringen.

Sind das die Werte, die Sie weitergeben wollen?

Loos: Ja, in dieser Hinsicht bin ich auf jeden Fall das Kind meiner Eltern. Mir ist total wichtig, dass man ehrlich und gerecht ist. Dass man das Gefühl von Gleichheit in sich trägt. Auch Höflichkeit und Hilfsbereitschaft sind für mich entscheidend.

Sind Sie eine entspannte Mutter?

Loos: Sagen wir so: Ich versuche, bei vorpubertären Anwandlungen Ruhe zu bewahren. Wenn eins der Mädchen plötzlich austickt, darf man nicht drauf einsteigen. Aber das kennt man ja noch von sich selbst. Als Mutter von zwei Töchtern versuche ich, mich möglichst oft mit den beiden zusammenzusetzen. Weil sie sich auf der einen Seite mit ihrer Mutter vergleichen und sich gleichzeitig an ihr reiben.

In einem früheren Interview haben Sie mal gesagt, dass Sie an „sicheren Dingen“ nicht so interessiert sind. Helen Dorn für die nächsten zehn Jahre …

Loos: …doch, könnte ich mir gut vorstellen, wenn sich die Geschichten so weiterentwickeln. Ich könnte mir aber auch vorstellen, nächstes Jahr aufzuhören, wenn ich das Gefühl hätte, dass die Basis nicht mehr stimmt. Momentan aber sieht’s so aus, als wären wir auf einem tollen Weg – wir riskieren schon einiges, apropos an „sicheren Dingen nicht so interessiert“. Ich glaube, wir marschieren als Team in die richtige Richtung.

Interview: Astrid Kistner

„Helen Dorn: Bis zum Anschlag“, Samstag, 20.15 Uhr, ZDF

Quelle: tz

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