Bamberg-Heimatkrimi am Samstag im BR

"Pferde, rätselhafte Reiter, Erotik"

+
Wer steckt hinter dem mysteriösen Reiter?

Bamberg - Der schrullig-sympathische Ermittler Peter Haller will am Samstag mit Kollegin Birgit Sacher seinen zweiten Fall lösen. Nach "Freiwild" drehte der BR einen Heimatkrimi in Bamberg.

Kommissar Peter Haller hat so seine Erfolgsgeheimnisse. Nummer eins: Man muss auch mal für zwölf Stunden vergessen können, dass man Polizist ist. Nummer zwei: Nie zu früh aufs Gas, dann aber g’scheit. Und Nummer drei: Wer im Kopf nicht selber zum Mörder wird, kann keinen Mord verstehen. So will der schrullig-sympathische Ermittler am Samstag seinen zweiten Fall lösen.

Nach Freiwild, der 2008 in Würzburg spielte, drehte der Bayerische Rundfunk einen Heimatkrimi in Bamberg. Haller (Thomas Schmauser) muss mit der überehrgeizigen Birgit Sacher (Teresa Weißbach) den Mord an einer Studentin aufklären, die bei einem mysteriösen Reitunfall ums Leben kam.

Wer steckt hinter dem mysteriösen Reiter? Die Kommissare Haller ( Thomas Schmauser, 39) und Sacher ( Teresa Weißbach, 31) ermitteln diesen Samstag in Bamberg

Dem BR ist ein feinsinniger Krimi gelungen, rund, obwohl nicht alle Fragen beantwortet werden, mit melancholischem Anstrich – und einem Schuss Erotik: Haller lernt Buchhändlerin Eva (Katharina Schüttler) kennen, kann sich ihr nicht entziehen (siehe Erfolgsgeheimnis eins). Was für die Aufklärung des Verbrechens nicht unbedingt dienlich ist. Eva weiß mehr über den Mord, als sie zugibt, und lenkt den Kommissar ab. Haller vergaloppiert sich …

Sein erster Fall, Freiwild, war der Startschuss für die Heimatkrimi-Reihe. Bisher liefen fünf Erstausstrahlungen. Es ging weiter mit Kluftinger im Allgäu (Erntedank), Niederbayern (Sau Nummer vier), runter in den tiefen Süden (Garmisch, Föhnlage) und nochmal ins Allgäu (Milchgeld). Die Erfolge scheinen andere Sender inspiriert zu haben. Heuer hat das ZDF Hattinger – Der Chiemseekrimi mit Michael Fitz gedreht, und vor Kurzem feierten die Garmisch-Cops Premiere. Die ARD entwickelte die Reihe Heiter bis tödlich (läuft montags bis donnerstags), die auf die Zuschauerzahlen aber eher tödlich als heiter wirkt.

Klar, es macht qualitativ einen Unterschied, ob eine Filmreihe einmal in der Woche oder nur einmal im Jahr sendet. Genau diesen Vorteil nutzt der BR. „Wir produzieren keine Masse, sondern Klasse“, erklärt Heimatkrimi-Redakteurin Stephanie Heckner. Anfangs sei sie enttäuscht gewesen, dass das Budget nur für einen Film pro Jahr reicht: „Jetzt bin ich froh.“ So bleibt genug Zeit, tiefsinnige, fein verstrickte Geschichten zu entwickeln.

Für den Bamberger Reiter setzte sich Heckner mit Autor Peter Probst und Hauptdarsteller Schmauser an einen Tisch. Der Schauspieler stammt aus Burg­ebrach, einem Dorf bei Bamberg. Schmauser begann, von seinem Hobby zu schwärmen: Westernreiten. Das sei der Trend in Oberfranken.

„Wir sind dann auf die Ranch gefahren, wo Thomas’ Pferd steht, danach in die Bamberger Innenstadt zum Dom, wir ließen die Eindrücke sacken – und dann ist die Idee entstanden: Es sollte um Pferde gehen, rätselhafte Reiter, Erotik …“

Ein typischer Heimatkrimi-Ansatz: Die Geschichten spielen die Hauptrolle, sie entstehen aus der Gegend heraus. Es gibt keinen Wettbewerb um das schönste Panorama.

Ebenso wichtig für Heckner ist die Unverwechselbarkeit der Kommissare: „Jeder hat seine eigene Persönlichkeit.“ Und einen anderen Bezug zur Heimat. Kluftinger könnte ohne Kas­spatzen und seine Erika nicht überleben, „außerhalb des Allgäus würde er eingehen“. Anders Kollege Jennerwein, der nur widerwillig nach Garmisch zurückkehrte.

Kommissar Haller dagegen „ruht sehr in sich, der kann in Würzburg ermitteln, fühlt sich aber auch in Bamberg wohl“, so Heckner. Er würde auch eine gute Figur in dem angekündigten Franken-Tatort abgeben. 2003 hat Schmauser bereits im Münchner Krimi als fränkischer Polizist mitgespielt – und musste massive Kritik einstecken. In seiner Rolle kam er als kleinkarierter Besserwisser rüber, seine Landsleute fühlten sich veräppelt. So etwas würde dem Franken heute nicht mehr passieren. Denn Heimat, findet er, „ist Motivation und kein Freifahrtschein für Blödsinn“.

Eva Hutter

„Bamberger Reiter“, Sa., 20.15 Uhr, BR (im Anschluss läuft ein „Making-Of“)

tz-Stichwort: Bamberger Reiter

Wer ist der rätselhafte Mann, der da im Sattel sitzt? Und wer hat die Skulptur überhaupt erschaffen? Um den Bamberger Reiter, die berühmte Figur am Nordpfeiler des Doms, ranken sich viele Mythen. Fest steht: Die Figur entstand zwischen 1230 und 1235. Möglich ist, dass der heiliggesprochene Ungarkönig Stephan I. abgebildet ist. Darauf deuten unter anderem die Königskrone und der Baldachin hin. Während des Dritten Reiches wurde der Bamberger Reiter als „arisches Symbol“ für Propaganda missbraucht.

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Drama-Queen Elena Miras zieht ins Dschungelcamp 2020: Ausraster vorprogrammiert?
Drama-Queen Elena Miras zieht ins Dschungelcamp 2020: Ausraster vorprogrammiert?
Tim Mälzer: Eklat bei „Ready to Beef“ - TV-Koch mit gemeinem Spruch gegenüber Zuschauerin
Tim Mälzer: Eklat bei „Ready to Beef“ - TV-Koch mit gemeinem Spruch gegenüber Zuschauerin
„Sesamstraße“-Schauspieler ist tot - er verkörperte beliebte Figuren
„Sesamstraße“-Schauspieler ist tot - er verkörperte beliebte Figuren
Wann läuft „Liebe braucht keine Ferien“ 2019 im TV? Infos zu Sendetermine und Stream-Anbieter
Wann läuft „Liebe braucht keine Ferien“ 2019 im TV? Infos zu Sendetermine und Stream-Anbieter

Kommentare