"Bei uns gibt's kein Pseudo-Bairisch"

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Hanns von Meuffels ( Matthias Brandt)

München - In seinem neuen Polizeiruf 110 macht BR-Kommissar Hanns von Meuffels Bekanntschaft mit einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft. Die tz sprach mit Hauptdarsteller Matthias Brandt.

So bayerisch war schon lange kein ARD-Krimi mehr: In seinem neuen Polizeiruf 110 macht BR-Kommissar Hanns von Meuffels (großartig wie immer: Matthias Brandt) Bekanntschaft mit einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft. Dort, im Voralpenland, geschah vor zwölf Jahren ein Mord. Beschuldigt wurde seinerzeit Xaver Edlinger (eine Entdeckung: Daniel Christensen), der nach einem spektakulären Prozess allerdings freigesprochen wurde – aus Mangel an Beweisen.

Eines Tages kommen neue Erkenntnisse zum Tathergang ans Licht, Xaver muss demzufolge der Mörder gewesen sein! Ein zweites Mal angeklagt werden kann er aber nicht, das verbietet der Rechtsgrundsatz „Ne bis in idem“ (lateinisch für: nicht zweimal in derselben Sache). Die Dorfbewohner wollen trotzdem Gerechtigkeit und drohen mit Selbstjustiz …

Hans Steinbichler (Hierankl) hat Regie geführt bei diesem Film, der einem unter die Haut geht. Die Schlüsselszenen wurden im Chiemgau gedreht, auf dem Hof von Steinbichlers Tante, und gesprochen wird – sehr viel Bairisch. Die tz sprach mit Matthias Brandt über seinen dritten Polizeiruf.

Herr Brandt, als Sie die Rolle im „Polizeiruf“ übernahmen, sagten Sie über „Ihren“ Kommissar, das Nordlicht von Meuffels tue sich noch etwas schwer mit München.

Matthias Brandt: Ja, da kannte er das Land noch nicht! (lacht)

In der Tat. Sein neuer Fall spielt in einem Dorf am Rande der bayerischen Alpen …

Brandt: So ist es. Und von Meuffels fühlt sich so fremd, als müsste er in Burkina Faso ermitteln.

Sie selbst sind Berliner, sagen von sich, dass Sie ein Stadtmensch seien. Wie ging es Ihnen in dem bayerischen Dorf?

Brandt: Obwohl ich hin und wieder in München gedreht habe, ist Bayern schon auch Neuland für mich gewesen. Aber ich fühle mich sehr wohl, und abgesehen davon bin ich ein totaler Dialekt-Crack.

Dialekt-Crack?

Brandt: Nicht in dem Sinne, dass ich viele Dialekte sprechen könnte. Das kann ich überhaupt nicht. Aber ich kann sie alle verstehen. Ich weiß nicht, warum. Aber so ist es.

In „Schuld“ wird so heftiges Bairisch gesprochen wie lange nicht mehr in einem ARD-Krimi …

Brandt: Ja, das stimmt. Unser Regisseur Hans Steinbichler war da der Garant für sehr große Authentizität. Er kommt ja aus dem Dorf, in dem wir gedreht haben, und bei uns wird kein Pseudo-Bairisch gesprochen. Das war ihm auch wichtig. Ich vermute, auch deswegen, weil er sich sonst zu Hause nicht mehr blicken lassen könnte. Wenn in seinem Film so ein Bairisch gesprochen würde wie in den Sissi-Filmen, ich weiß nicht … Ich habe es jedenfalls sehr gemocht (lacht).

Die regionalen Besonderheiten sind ja eigentlich auch das Pfund, mit dem die Reihen „Tatort“ und „Polizeiruf“ wuchern können.

Brandt: Ja, das stimmt. Ein Film, in dem viel Dialekt gesprochen wird, kann sehr ergiebig sein, mir macht das große Freude. Es ist doch spannend – übrigens nicht nur in den Krimis, sondern ganz generell in unserem Land –, dass es diese extremen regionalen Unterschiede gibt. Das ist doch eine Chance. Und wenn es schon so viele unterschiedliche Krimis und Ermittler gibt, dann muss doch ein Grund dafür sein, dass sie möglichst unterschiedlich sind.

Sind sie das denn noch? Bei vielen „Tatorten“ und „Polizeirufen“ gibt es allenfalls noch eine Sekretärin oder einen Gerichtsmediziner, der Dialekt spricht …

Brandt: Ja, stimmt auch. Und das finde ich eigentlich schade. Andererseits bin ich persönlich immer eher an den Geschichten interessiert. Danach entscheide ich, ob ein Film mir gefällt oder nicht.

Ihr nächster „Polizeiruf“ spielt in Murnau.

Brandt: Ja, den haben wir gerade abgedreht, da ging es für von Meuffels nochmal aufs Land. Der dann folgende Fall spielt aber wieder in der Stadt.

Kann sich Ihr Kommissar da etwas erholen vom Bairischen?

Brandt: Na ja, schauen wir mal … (lacht).

Interview: Stefanie Thyssen

Quelle: tz

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