Nachrichten im TV verlieren Zuschauer

"Die Tagesschau ist nach wie vor eine Institution"

+
Dr. Kai Gniffke, Chef von ARD-aktuell

München - Eine neue Quoten-Analyse zeigt, dass die TV-Nachrichten an Zuschauern verloren haben. Wir sprachen mit Dr. Kai Gniffke, dem Chef von ARD-aktuell, über diese Zahlen und die Zukunft der "Tagesschau".

TV-Nachrichten haben zu kämpfen. Das ist kein Geheimnis – vor allem, wenn man bedenkt, dass die Konkurrenz aus dem Internet immer größer wird. Eine Analyse des Marktforschungsunternehmens Media Control zeigt nun, wie dramatisch die Quoten in den vergangenen 20 Jahren gesunken sind. Verglichen wurden die Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF, RTL und Sat.1. Für die Tagesschau und die heute-Sendung wurden dabei allerdings „nur“ die Werte veröffentlicht, die die Programme in den Hauptsendern (also Das Erste und ZDF) erreichen. Die Übertragungen in den Dritten Programmen (im NDR läuft ja beispielsweise auch die 20-Uhr-Tagesschau) und bei 3sat wurden nicht mitgerechnet.

Wir sprachen mit Dr. Kai Gniffke, dem Chef von ARD-aktuell, über diese Zahlen und die Zukunft der Tagesschau.

Herr Dr. Gniffke, die Quoten fast aller Nachrichtensendun­gen sinken, auch die der „Tagesschau“.

Kai Gniffke: Wenn man sagt, die Menschen schauen immer weniger Nachrichten im Fernsehen, ist das falsch. Die Ta­gesschau hat heute einen bes­seren Stand als in den Jahren 1993, 1995 und 1996.

Sie legen vermutlich andere Zahlen zugrunde als Media Control. Das Marktforschungsunternehmen hat die Quoten ausgewertet und dabei „nur“ die Zahlen der „Tagesschau“ im Ersten berücksichtigt. Sie rechnen alle Ausgaben der „Tagesschau“ zusammen, also auch die in den Dritten Programmen.

Gniffke: Natürlich. Und unsere Zahlen sind außerordentlich erfreulich. Wir kommen in den ersten neun Monaten 2012 mit der 20-Uhr-Ausgabe auf exakt so viele Zuschauer wie die Hauptnachrichtensendungen von ZDF, RTL und Sat.1 zusammen, nämlich 8,7 Millionen Zuschauer. Das ist kein Grund für eine Depression.

Vor 20 Jahren haben Sie über acht Millionen nur mit der Ausgabe im Ersten erzielt. Also – so oder so, die Zahlen gehen zurück.

Gniffke: Ja, dass es gegenüber 2011 insgesamt zurückgeht, stimmt. Und ist auch kein Wunder, weil 2012 bisher nicht so nachrichtenstark ist wie zum Beispiel 2011, als Fukushima passierte und die arabische Revolution anfing. Entscheidend ist für uns, dass im Vergleich mit den anderen die Tagesschau in diesem Jahr am wenigsten nachlässt. RTL büßt 1,5 Prozentpunkte ein, das ZDF 0,9 und wir 0,5. Das macht mich ganz zufrieden.

Die verrücktesten Briefe der Zuschauer ans Fernsehen

 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa
 © dpa

Worin liegt denn noch der Wert der „Tagesschau“? Die Nachrichten laufen tagsüber im Ra­dio oder Internet.

Gniffke: Die Tagesschau ist nach wie vor eine Institution und das große Lagerfeuer, um das sich die Menschen in Deutschland am Abend versammeln, um zu gucken, was wichtig war an diesem Tag. Die Menschen vertrauen der Tagesschau.

Reicht das aus? Hintergrundberichte, Interviews, mal ein Erklärstück zu einem Thema – das alles findet sich nicht in der „Tagesschau“, sondern in Ihrem Onlineangebot.

Gniffke: Und in den Tagesthemen. Wir sind aber weit davon entfernt, die Tagesschau auch stärker zu einem Magazin hin zu entwickeln. Ich glaube nicht, dass die Menschen um 20 Uhr Interviews mit Politikern erwarten. Sie wollen in 15 Minuten das Wichtigste erfahren.

Glauben Sie, dass es die „Ta­gesschau“ in 20, 30 Jahren noch gibt?

Gniffke: Ich hoffe es. Keiner von uns hat eine genaue Vor­stellung davon, wie sich die nächsten Jahrzehnte entwi­ckeln. Aber wir werden alles dafür tun, dass die Marke Tagesschau als verlässlicher An­bieter von Information noch lange Bestand hat.

Interview: Stefanie Thyssen

Aus welchen Medien beziehen Sie Ihre Nachrichten?

Internet und ARD

„Wenn ich meine ­E-Mails lese, informiere ich mich auch gleich im Internet über das tagesaktuelle Geschehen. Im Fernsehen schaue ich ganz traditionell die Tagesschau. Ich finde sie umfassender als die Nachrichten bei den Privaten.“

Uwe Kotté (54), Dozent aus Augsburg

Die tz, aber online

„Ich beziehe meine Nachrichten aus dem Internet. Am liebsten lese ich die tz online. Wenn ich es am Abend rechtzeitig schaffe, dann schaue ich von allen Nachrichtensendungen am liebsten die Tagesschau.“

Sandra Schneider (31), Versicherungskauffrau aus München

Merkur am Morgen

„Ich liebe es, morgens beim Kaffee den Merkur zu lesen. Trotz Internet möchte ich meine Informationen aus der Zeitung beziehen. Im Fernsehen sind mir die Klasssiker Tagesschau und heute am liebsten.“

Margrit Galonska (48), Heilpraktikerschülerin aus Isen

Lay

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Drama-Queen Elena Miras zieht ins Dschungelcamp 2020: Ausraster vorprogrammiert?
Drama-Queen Elena Miras zieht ins Dschungelcamp 2020: Ausraster vorprogrammiert?
Tim Mälzer: Eklat bei „Ready to Beef“ - TV-Koch mit gemeinem Spruch gegenüber Zuschauerin
Tim Mälzer: Eklat bei „Ready to Beef“ - TV-Koch mit gemeinem Spruch gegenüber Zuschauerin
"Das hat man schon Tausend Mal gesehen": Vernichtende Kritik bei Shopping Queen
"Das hat man schon Tausend Mal gesehen": Vernichtende Kritik bei Shopping Queen
„Sesamstraße“-Schauspieler ist tot - er verkörperte beliebte Figuren
„Sesamstraße“-Schauspieler ist tot - er verkörperte beliebte Figuren

Kommentare