tz-Interview mit Medienwissenschaftlerin

Dschungelcamp: "Aurelio versagt auf ganzer Linie"

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Maren, Jörn und Aurelio (Bild oben): Sie ­reden manchmal, essen hin und wieder und ansonsten? Passiert nichts im Camp.

Sydney/München - Obwohl das Dschungelcamp heuer ziemlich langweilig ist, schauen trotzdem viele zu. Warum eigentlich? Die tz sprach mit Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Joan Kristin Bleicher.

Im Dschungelcamp passiert seit Tagen so gut wie nichts, es herrscht gähnende Langeweile. Keine Skandale, keine Geschichten. Trotzdem schauen sechs bis sieben Millionen Menschen zu, hinzu kommen über 12,5 Millionen Videoabrufe im Netz. Über dieses Phänomen haben wir mit der Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Joan Kristin Bleicher von der Uni Hamburg gesprochen.

Frau Prof. Bleicher, die Show ist für RTL wieder ein Erfolg. Hatten Sie das so erwartet? 

Joan Bleicher: Nein, ich habe es nicht erwartet, denn es war schon im Vorfeld absehbar, dass RTL in diesem Jahr Castingprobleme hat. Sie haben nicht die Typen bekommen, die es eigentlich für ein erfolgreiches Format braucht.

Die Kandidaten waren noch unbekannter als in den letzten Jahren. 

Bleicher: Ja, die Moderatoren haben das sogar thematisiert und gesagt: Dieses Jahr sparen wir und nehmen nur C-Promis. Und nun haben wir es tatsächlich mit Kandidaten zu tun, die einfach ihre Vertragsdauer im Camp absitzen. Das sorgt nicht für große Unterhaltung.

Geschaut wird aber trotzdem. Haben Sie eine Erklärung?

Bleicher: Ich glaube, ein wichtiges Element ist die Ritualbildung. Im Januar gehört das Dschungelcamp einfach dazu. Das zweite ist das Prinzip des offenen Ausgangs. Man weiß nie, was passiert. Gibt es Überraschungen? Unerwartete Wendungen? Und das führt mich zu Punkt drei: Man hat immer Angst, etwas zu verpassen. Zum Beispiel die Dschungelprüfung von Maren am Dienstag, da haben viele Zuschauer geschrieben: Endlich passiert mal etwas. Und andere haben dann bedauert, dass sie ausgerechnet das nicht gesehen haben – die werden am nächsten Tag sicher wieder einschalten.

Sie verfolgen parallel zur Ausstrahlung, was auf Twitter passiert. 

Bleicher: Ja, und ich twittere auch selbst. Ohne Twitter wäre ich wahrscheinlich jeden Abend ins Wachkoma verfallen (lacht). Twitter hat hier einen sehr hohen Unterhaltungsfaktor. Das ist ja überhaupt so ein Phänomen bei der Dschungelshow: Sie ist Ausgangspunkt für ganz viel Kommunikation.

Aber es gibt doch gar nichts zu erzählen. Über Larissa Marolt konnte man sich stundenlang auslassen …

Bleicher: Naja, über Walter und seinen – ich befürchte – wahrscheinlich krankhaften Realitätsverlust kann man schon reden. Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei dem ja wahnsinnig weit auseinander. Genauso bei Aurelio. Der wurde als das große Sexversprechen gecastet – und nun versagt er auf ganzer Linie. Ein klassischer Verbal-Macho: Große Klappe heißt nicht automatisch auch große Aktivität.

Glauben Sie, dass Walter eine Rolle spielt oder ist der so?

Bleicher: Ich glaube, bei der Dschungelshow ist es seit jeher eine Kombination aus beidem. RTL hat Walter sicher für eine bestimmte Rolle besetzt – das machen sie ja immer und mit jedem –, aber es gibt auch Momente, in denen er und die anderen authentisch sind. Etwa wenn unvorhersehbare Situationen oder Konflikte auftreten.

Hat Sie der frühe Abgang von Sara Kulka überrascht? 

Bleicher: Ja und nein. Sie hat in der ihr zugedachten Rolle nicht funktioniert. Das lag, muss man leider sagen, auch an der körperlichen Attraktivität: Ab einem gewissen Stadium hat man sie einfach nicht mehr erkannt. Sara von Angelina auseinanderzuhalten war eine Herausforderung selbst für Trash-TV-Fans. Die Zuschauer wollen aber einfach das Unverwechselbare.

Interview: St. Thyssen

Alle Informationen zum Dschungelcamp 2015 finden Sie in unserem Dschungelcamp-Ressort.

Quelle: tz

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