Experte im Interview

So schlau und emotional sind Elefanten

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Schlauer als wir bislang dachten: Tierpfleger Thomas Günther ist nicht nur von Elefantenbaby Jamuna Toni beeindruckt.

München - Elefanten wurden lange unterschätzt. Doch mittlerweile wissen wir, dass die grauen Riesen nicht nur groß sondern auch schlau sind. Ein Tierpfleger gibt Auskunft.

Forscher sind sich mittlerweile einig: Elefanten sind viel intelligenter, als wir je vermutet hätten. Sie erkennen sich zum Beispiel selbst im Spiegel, umgehen ganz gezielt Gebiete, in denen Wilderer lauern, und vermeiden auch sonst gefährliche Kontakte zu Menschen. Diese Erkenntnisse inspirierten Forscher, nun noch mehr über die Dickhäuter herauszufinden und entdeckten spannende Fähigkeiten: So empfinden Elefanten offenbar wirklich eine Vielzahl von Emotionen wie Trauer, Freude, Furcht und Rachsucht. Die neuesten Erkenntnisse zeigt das ZDF am Sonntag in der TerraX-Sendung: Wie Elefanten denken. Die tz sprach vorab mit ­Thomas Günther, der als Elefantenpfleger im Tierpark Hellabrunn arbeitet, über seine Erfahrungen mit den faszinierenden Tieren.

Herr Günther, Sie arbeiten täglich mit Elefanten zusammen. Kein ungefährlicher Job. Worauf kommt es dabei an?

Günther: Da gibt es eine Vielzahl von Punkten. Die Ausbildung zum Elefantenpfleger dauert deshalb mindestens zwei Jahre. Zunächst einmal muss ein Neuanfänger aber überhaupt geeignet für den Beruf sein. Man braucht eine sehr gute Beobachtungsgabe, muss anstrengende körperliche Arbeit verrichten können und sollte zwar Respekt, aber keine Angst vor den Tieren haben.

Weil?

Günther: Für Angst sind die Gefahrensituationen, die entstehen können, zu kurz. Man muss sofort handeln. Die Arbeit mit Elefanten ist ein wenig wie Schachspielen. Man muss vorrausdenken, das Verhalten der Tiere lesen können und genau über ihre Wesen, die Strukturen der Herde Bescheid wissen. Selbst ein ausgebildeter Pfleger braucht bei der Arbeit mit unbekannten Tieren viel Zeit und Ruhe, damit der Kennenlernprozess funktioniert und die Elefanten Vertrauen fassen. Wenn das gelungen ist, arbeitet man sehr familiär zusammen. Es ist wichtig, dass ein gutes Klima herrscht - auch unter den Pflegern. Alles andere würde die Tiere verunsichern.

Das heißt, Elefanten sind Gewohnheitstiere?

Günther: Absolut. Elefanten brauchen Rituale, Veränderungen wie neue Personen oder auch ein neues Umfeld verunsichern sie. Man muss sie behutsam an neue Situationen gewöhnen. Ist das gelungen, haben sie keine Angst - auch nicht vor einer Maus.

Sind Elefanten wirklich so schlau?

Günther: Mir fehlt natürlich der Vergleich zu anderen Tieren, weil ich ausschließlich mit Elefanten arbeite. Aber diese Frage kann man nur mit Ja beantworten. Elefanten sind sehr beeindruckende Tiere, die alle einen eigenen Charakter haben. Ein Beispiel: In einem Sommer wurde bei uns ein neues Sonnensegel installiert. Und zwar in sieben Meter Höhe, an Bäumen, die nicht im Gehege standen. Da kam auch der größte Elefant nicht dran. Es hat genau 23 Stunden gedauert, bis es nicht mehr hing.

Warum das?

Günther: Wie gesagt, Veränderungen sind erst verunsichernd, dann interessant. Die Tiere haben sich quasi einen Plan überlegt: Sie haben so lange Sand auf das Segel geworfen, bis es sich so tief wölbte, dass sie herankamen und es herunterreißen konnten. Und dieses strategische Vorgehen war kein Einzelfall. Wir haben zum Beispiel eine Elefantendame bei uns, die technisch sehr fit ist. Sie bricht sich Stöcke so zurecht, dass sie sie als Hebel nutzen und Abflussdeckel hochheben kann. Eine andere ist sozusagen künstlerisch sehr aktiv, und liebt es, tagelang Konstrukte aus Lehm zu bauen.

Können Elefanten also wirklich auch Emotionen empfinden?

Günther: Ja, das ist sehr beeindruckend mitanzusehen. Emotionen gibt es natürlich in Bezug auf die Pfleger, aber vor allem untereinander. Als 2012 leider unser Elefantenbaby Lola verstorben ist, hat sich die gesamte Herde im Kreis um sie gestellt, sie berührt und angeschaut. Es war herzzerreißend das mit anzusehen, aber diese Zeit der Trauer muss man den Tieren lassen. Sonst können sie so etwas nicht verarbeiten und suchen das Kalb im Nachhinein überall.

Interview: Lena Meyer

„TerraX: Was Elefanten denken“,

Sonntag, 19.30 Uhr, ZDF

Quelle: tz

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