Brillante ZDF-Tragödie

Elmar Wepper: "Dieser Film geht erschreckend tief..."

+
Johanna Bittenbinder (als Gerlinde), Gundi Ellert (als Henriette) und Elmar Wepper (als Henriettes Ehemann Benedikt) bei den Dreharbeiten des ZDF-Fernsehdramas "Zwei allein" in München.

München - Ein Ehepaar, das sich sehr liebt und trotzdem Probleme hat, sich einander mitzuteilen. Elmar Wepper, Johanna Bittenbinder und Gundi Ellert brillieren im ZDF-Film "Zwei allein".

Hinzu kommt die Schwester der Frau, mit der der Ehemann so gar nichts anfangen kann. Der ZDF-Film "Zwei allein", in dem Elmar Wepper (71), Johanna Bittenbinder (57) und Gundi Ellert (63) am Montag um 20.15 Uhr brillieren, wird die Zuschauer berühren. Zunächst scheint es sich um einen Krimi zu handeln - in der Folge wird allerdings schnell das tiefschürfende Drama deutlich: Die Ehefrau, die trotz der Schreckensdiagnose Krebs den Lebenswillen nicht verloren hat, wird erschossen. Wer ist der Mörder? Und vor allem: Wie geht es mit den Hinterbliebenen weiter - welche Rolle spielen sie? Die tz sprach mit den beiden Hauptdarstellern Wepper und Bittenbinder über die außergewöhnliche Thematik ihres neuen Films.

Frau Bittenbinder, Herr Wepper, Ihr neuer Film „Zwei allein“ wird die Zuschauer überraschen und berühren, oder? 

Johanna Bittenbinder: Das hoffe ich sehr. Hier ist das Besondere in jedem Fall, dass man so einen Fall mal aus der Sicht der Betroffenen anschaut. Und dass es wirklich um die Hinterbliebenen geht. Ich habe natürlich selber schon Todesfälle in der Familie erleben müssen, habe auch eine ältere Schwester. Insofern gab es viele Berührungspunkte für mich. Und das war sicherlich auch bei Elmar so - so eine Beziehung zwischen Brüdern ist ja auch sehr intensiv.

Elmar Wepper: So ist es! Das Interessante an diesem Projekt ist, dass der Autor Friedrich Ani die Krimidramaturgie nur als Mittel genommen hat. Er benutzt sie in erster Linie, um in die Psychologie einzusteigen - und das gelingt erschreckend tief. Das sind Fragen wie: Was geschieht mit den Menschen, wenn sie in Extremsituationen geraten, mit denen sie dann nicht mehr fertig werden? Und dann ist da ja auch noch dieses Dreiecks-Verhältnis zwischen dem Ehepaar und der Schwester der Frau. Das ist ja in keinem Fall so glatt, wie es in einer Familie sein könnte. Also hatte jeder von uns Schauspielern verschiedene Möglichkeiten.

Ein Projekt, bei dem der Sender aber zunächst vorsichtig war. Reizt einen das als Schauspieler besonders? 

Bittenbinder: Das kann man schon sagen. Je tiefer ein Thema geht und je tiefer man etwas behandelt, umso mehr gibt man natürlich auch von sich preis. Das hat einen großen Vorteil: Man kann authentischer spielen! Und das ist etwas, das ich bei Elmar Wepper immer schon beobachtet habe. Er ist ein Schauspieler, der sehr authentisch spielt. Das geht unter die Haut. Wepper: Der Film ist ja alles andere als geschwätzig und die Spannung baut sich nicht dadurch auf, dass immer etwas gesprochen wird. Ich empfinde das als sehr angenehm.  

Schweigen - ein zentrales Thema des Films. 

Wepper: Richtig. Benedikt achtet und liebt seine Frau sehr. Über die zentralen Themen wird aber - vielleicht auch aus Unsicherheit im Umgang mit seinen Gefühlen - geschwiegen. Er akzeptiert die Dinge so, wie sie sind, nimmt sie so mit.

Bittenbinder: Etwas, das ja auch in der Realität nicht unüblich ist. Wenn es um die Wurscht geht, also um das Wesentliche, dann wird meistens geschwiegen.

Nehmen die Dreharbeiten zu so einem tiefgründigen Film einen als Schauspieler eher mit als andere, „leichtere Kost“? 

Bittenbinder: Ich konnte mit diesem Thema sehr viel anfangen. Wenn wir gedreht haben, war das Ganze für mich sehr präsent. Aber komischerweise in den Drehpausen - und das ist häufig so - hatten wir es total lustig miteinander. Die Stimmung war sehr gelöst.

Wepper: Das muss auch so sein, danach sucht man. Also dass man dann einmal blödelt oder sich Geschichten erzählt. Das Leben freut einen dann doppelt. Und genau das ist wichtig, um in den Szenen die Spannung zu halten.

Haben Sie sich gefreut, miteinander zu drehen? 

Wepper: Ich habe mich wahnsinnig gefreut, mit der Johanna und der Gundi (Ellert, d. Red.) zu drehen. Das Vertrauen unter uns dreien und auch zum Regisseur Stefan Wagner war sehr groß. Er hat uns so gelassen, wie wir sind. Daher hatten wir die Möglichkeit, sehr schnell zu erkennen, wie das Gefühl so zueinander ist. Die Sensibilität entwickelt man, gerade bei einem so komplexen Stoff.

Bittenbinder: Es handelt sich um einen Ensemblefilm, und das ist schön. Denn wir sind alle drei Ensemblespieler. Es fühlt sich keiner als Hauptdarsteller, jeder hat sich auf den anderen eingelassen. Und nur so funktioniert es. Das ist wie in der Musik. Da kann ein einzelnes Instrument noch so schön spielen, die Musik entsteht erst im Zusammenspiel.

Die Geschichte spielt in München. Was macht die Stadt als Drehort aus? 

Wepper: Ihre Vielseitigkeit. Friedrich Ani hat kein Postkartenmünchen erstellt, sondern vielmehr die unterschiedlichsten Milieus gezeigt. Bittenbinder: Er hat einen melancholischen Blick auf die Stadt. Das hat die Thematik des Films noch einmal unterstrichen. Ich finde es super, hier zu drehen, weil ich weiß, wie viele verschiedene Gesichter die Stadt hat.

Hinzu kommt der bayerische Dialekt der Figuren. 

Wepper: Ich bin ein Dialekt-Freund, Dialekte machen den Reichtum einer Sprache aus. Im Dialekt zu spielen macht einfach Spaß, da ist Denken und Sprechen eins.

Interview: Lena Meyer

Im ZDF

„Zwei allein“, Montag, 20.15 Uhr, ZDF. Elmar Wepper Schauspieler Johanna Bittenbinder Schauspielerin Spielen zwei Schwestern: -Bittenbinder (rechts) & Ellert Trauert um seine Frau: Benedikt Sattler (Elmar Wepper) bei der Beerdigung - er hat ein dunkles Geheimnis.

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Helene Fischer rührt Florian Silbereisen zu Tränen: Die Schlagerqueen spricht über Wiedersehen
Helene Fischer rührt Florian Silbereisen zu Tränen: Die Schlagerqueen spricht über Wiedersehen
Dschungelcamp 2020: Kandidaten sind enthüllt - Bundesminister und Boxweltmeister dabei
Dschungelcamp 2020: Kandidaten sind enthüllt - Bundesminister und Boxweltmeister dabei
TV-Hammer! „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ 2019 NICHT in der Vorweihnachtszeit zu sehen
TV-Hammer! „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ 2019 NICHT in der Vorweihnachtszeit zu sehen
„Bachelor in Paradise“: Schmuddel-Video von Aurelio und Micaela Schäfer aufgetaucht - das sagt Sam
„Bachelor in Paradise“: Schmuddel-Video von Aurelio und Micaela Schäfer aufgetaucht - das sagt Sam

Kommentare