20. Fall aus Münster: Prahl im tz-Interview

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„Tatort“ aus Münster: Kommissar Thiel (Axel Prahl, hinten), Boerne (Jan Josef Liefers) sowie Christine Urspruch als Gerichtsmedizinerin Silke Haller

Münster - Sie sind das witzigste Ermittlerduo im deutschen Fernsehen. An diesem Sonntag läuft der 20. Fall der beiden Kult-Ermittler aus Münster. Die tz sprach mit Axel Prahl.

Sie sind das witzigste Ermittlerduo im deutschen Fernsehen: Der maulfaule Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und der schnöselige Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) machen jeden Tatort aus Münster zur Krimikomödie – das schräge Gespann lässt die Zuschauerzahlen regelmäßig auf Rekordhöhe klettern. An diesem Sonntag läuft der 20. Fall der beiden Kult-Ermittler, die in der Folge Tatort: Zwischen den Ohren im Vollrausch sogar die gegenseitigen Animositäten vergessen. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner Prahl hat vier Kinder und lebt geschieden von seiner zweiten Ehefrau in Berlin.

Herr Prahl, 11,8 Millionen Zuschauer sahen den letzten Fall. Warum ist der Tatort aus Münster so erfolgreich?

Axel Prahl: Vielleicht spüren die Zuschauer ja die große Spielfreude, die alle haben. Mit unserer humoristischen Variante des Tatorts haben wir sehr fruchtbaren Boden vorgefunden. Wir nehmen das Ganze einfach nicht so bierernst. Ich fand schon immer, dass selbst ein ernsthafter Krimi mit dem realen Polizeidienst überhaupt nichts zu tun hat, und dass es geradezu zynisch ist, etwas anderes zu behaupten. Daher war ich glücklich, dass wir bei unserem Tatort von vornherein klargemacht haben: Das ist ein Unterhaltungsprodukt und hat mit der Realität nur am Rande zu tun.

Lachen Sie viel bei den Dreharbeiten?

Prahl: Wir brechen manchmal zusammen vor Lachen. Manche witzigen Details stehen vorher nicht im Drehbuch, sondern fallen Jan und mir ein, wenn wir abends beim Bierchen den Text für den kommenden Tag durchgehen.

Sie und Herr Liefers vertragen sich besser als Thiel und Boerne?

Prahl: Wir lieben uns innig! Leider haben wir neben den Tatorten wenig Zeit, uns zu treffen.

Sind Sie auch ein Fan des Hamburger Fußballclubs FC St. Pauli, so wie Kommissar Thiel?

Prahl: Auf jeden Fall würde ich mich als großen Sympathisanten bezeichnen. Aber Fan-Fanatismus liegt mir völlig fern. Das hat mir auch gar nicht geschmeckt, als St. Pauli in die erste Liga aufgestiegen ist: Die Fanstruktur hat sich geändert, langgediente Anhänger haben keine Karten mehr gekriegt, weil es so einen Run auf die Tickets gab, beim Stadtderby gegen den HSV gab es Zusammenstöße zwischen den gegnerischen Fans. Das ist jetzt Gott sei Dank wieder entspannter, weil sie wieder in der zweiten Liga spielen.

Sie sind froh, dass Ihr Verein abgestiegen ist?

Prahl: Ach, es macht doch viel mehr Spaß, die Bayern sozusagen aus dem Keller heraus mit 3:0 platt zumachen. Ich selber spiele auch lieber zweite Liga.

Interview: SkiI

Wie Thiel und Boerne „in echt“

Professor Wolfgang Eisenmenger (re.) und Josef Wilfling

Ausgerechnet an diesem Fall scheitert der Ex-Kommissar: Nach fast eineinhalb Stunden Tatort-Gucken hat Josef Wilfling keine Spur vom Täter. „Bei Fernsehkrimis weiß ich nie, wer der Mörder ist“, sagt der 64-Jährige und klingt fast ein bisserl verzweifelt. „Da frage ich mich dann schon: Was habe ich eigentlich gearbeitet?“ Zum Glück springt Rechtsmediziner Professor Wolfgang Eisenmenger (67) ein: „Also, das Grundprinzip ist doch eigentlich so: Wer am unauffälligsten wirkt, ist schuld.“

Humor gepaart mit Ernst und Schlagfertigkeit: Es gibt sie nicht nur in Münster, sondern auch in München – und zwar „in echt“. Wilfling, Ex-Leiter der Mordkommission München, und Eisenmenger, früherer Leiter der Rechtsmedizin, könnten fast Kommissar Thiel und Professor Boerne sein. Nur, dass sie schon aus dem Arbeitsalltag draußen sind: 2009 gingen beide in Ruhestand. 22 Jahre arbeiteten Wilfling und Eisenmenger erfolgreich gemeinsam, in ihre Zeit fielen spektakuläre Fälle wie der Sedlmayr-Mord.

Aber ist Polizeiarbeit wirklich so lustig, wie es die Münsteraner im Fernsehen immer vormachen? „Da verweigern wir die Aussage“, witzelt Wilfling. Eisenmenger rückt dann doch mit der Sprache heraus: „Während der Arbeit hat nie eine todernste Grundstimmung geherrscht, sonst könnte man den Job gar nicht machen. Seriös und bei der Sache sein ist wieder etwas anderes. Man kann nicht immer blödeln.“ Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den Münsteranern und den Münchnern: das ewige „Sie“. Nur für einen Abend – und nach einigen Gläsern Wein – erlauben sich Boerne und Thiel das „Du“, was bei Tatort-Kollegen eigentlich Standard ist. „Wir waren auch immer per Sie, bis zur Pensionierung“, betont Wilfling. „Ich hätte es nie gewagt, mit dem Professor Eisenmenger so zu sprechen, wie es Thiel mit Boerne macht.“

EH

Quelle: tz

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