Interview mit Dr. Reinhard Scolik

Neuer TV-Direktor verrät: So plane ich den BR

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Der neue starke Mann beim BR: Dr. Reinhard Scolik ist seit 1. März Fernsehdirektor des Senders.

München - Seit März ist Dr. Reinhard Scolik der neue Fernsehdirektor beim BR. Im Interview erklärt er, wie er sich das das TV-Programm des Senders vorstellt.

Seit dem 1. März ist Dr. Reinhard Scolik Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks. Der 57-jährige Österreicher, promovierter Jurist, kam vom ORF, wo er zuletzt Leiter der Strategischen Programmplanung war.

Ein knappes halbes Jahr nach seinem Amtsantritt verrät Scolik im Interview mit der tz, warum er an die Zukunft des klassischen Fernsehens glaubt und welche Pläne er mit dem BR hat.

Herr Dr. Scolik, über 30 Jahre lang waren Sie für den ORF tätig. Wie haben Sie den BR aus dieser Wiener Perspektive wahrgenommen?

Dr. Reinhard Scolik: Ich habe den BR immer als großen Kultursender erlebt. Aufgrund der vielen Dokumentationen, die hier laufen, aufgrund des Kabaretts, das mir persönlich sehr wichtig ist. Und ich kenne den Sender natürlich aus der ­direkten Zusammenarbeit. Wir haben ja viel gemeinsam produziert.

Es heißt, für Sie erfülle sich mit dem Job als Fernsehdirektor ein Lebens­traum. Ihre Vorgängerin sah das zum Schluss anders. Bettina Reitz hat nach ihrem Abschied erklärt, sie habe sich wegen der harten Sparmaßnahmen "wie eine Sterbebegleiterin des klassischen Fernsehens" gefühlt. Das klingt nicht nach Traumjob.

Scolik: Ich kenne dieses Zitat und kann damit nichts anfangen. Ich finde, der Bayerische Rundfunk ist ein sehr lebendiges Unternehmen mit sehr engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem anspruchsvollen Programm. Ich sehe keinerlei Anzei­chen von Schwäche.

Reitz spielte darauf an, dass es das klassische TV zusehends schwerer hat. Die jungen Leute schauen fast ausschließlich online …

Scolik: Ich glaube an die Zu­kunft des klassischen Fernsehens. Der beste Beleg: Es gibt kein Anzeichen dafür, dass die Fernsehnutzung massiv zurückgeht. Natürlich verändert sich das Sehverhalten, und wir bereiten uns mit unserer trimedialen Struktur genau darauf vor.

Ihre Erfolgsserie "Dahoam is Dahoam" läuft inzwischen erst in der Mediathek und dann im Fernsehen.

Dr. Reinhard Scolik beim Gespräch mit tz-Redakteurin Stefanie Thyssen.

Scolik: Stimmt, das haben wir Anfang des Jahres eingeführt. Damit wollen wir den sich verändernden Nutzungsgewohnheiten von Serienfans Rechnung tragen, die ihre Sendung lieber zu selbst gewählten Zeiten statt nach vorgegebenem Sendeplan sehen. Im Moment zeigt sich, dass dieses "Online first" auch einen gewissen Promotion-Effekt hat.

Werden Sie "Online first" bei anderen Formaten auch testen?

Scolik: Das entscheiden wir von Fall zu Fall. Unsere Serie Mann/Frau zum Beispiel ist bewusst fürs Web konzipiert und läuft erst dann im linearen TV.

Wie viel Spielraum für neue Produktionen haben Sie überhaupt? Der BR muss dringend sparen - aber Kreativität kostet Geld!

Scolik: Natürlich würde ich mich über einen noch größeren Spielraum freuen. Aber er ist groß genug, um ein ordentliches Programm zu machen. Und das tun wir. Der BR hat ein beeindruckendes Leistungsspektrum, das weit über seine Programme hinausreicht und der Gesellschaft zugute kommt - denken Sie nur etwa an die musikalische Bildungsarbeit unserer Klangkörper oder die Bildungsprojekte, mit denen wir allein im vergangenen Jahr rund 30.000 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrer erreicht haben.

Wo sehen Sie Baustellen?

Scolik: Eine Baustelle ist sicher die Verjüngung des Programms. Das wollen wir nicht radikal angehen, aber wir werden versuchen, ein jüngeres Publikum zu unserem Stammpublikum hinzuzugewinnen.

Als der BR das letzte Mal das Programm verjüngen wollte, wurde der "Musikantenstadl" zur "Stadlshow" gemacht. Das ist gründlich schiefgegangen. Sie waren seinerzeit noch nicht im Amt. Hätten Sie am alten "Stadl" festgehalten?

Scolik: Ich hätte ihn vorsich­tiger geändert. Wenn man eine Sendung verjüngen will, muss man ihren gewohnten Kern dennoch erhalten. So wie es beim Wechsel von Karl Moik auf Andy Borg geschehen ist.

"Die große Show der Träume" mit Beatrice Egli, die der BR fürs Erste produziert hat, ist auch gefloppt, nach zwei Ausgaben wurde sie eingestellt. Wann stellt der BR mal wieder eine Show auf die Beine, die Erfolg hat?

Scolik: Die Frage ist nicht ganz fair. Die Egli-Show hat in der Schweiz gut funk­tioniert. Abgesehen davon: Die neue große Unterhaltungsshow zu entwickeln, hat bei uns nicht erste Priorität.

Immerhin: Bei der "Feste"-Reihe von Florian Silbereisen ist der BR nun Co-Produzent.

Scolik: Ja, das stimmt. Die Federführung liegt beim MDR. Und Florian Silbereisen wird im nächsten Jahr eine Ausgabe seiner Show hier in München produzieren. Thema wird das Oktoberfest sein. Da wird gerade ein Konzept entwickelt. Außerdem planen wir für das BR Fernsehen eine neue Sendung mit Hannes Ringlstetter.

Wie wird die aussehen?

Scolik: Es wird ein unterhaltsamer Talk am Donnerstagabend, der Arbeitstitel lautet Ringlstetter auf Sendung. Ab Dezember empfängt er jede Woche zwei illustre Gäste und präsentiert Pointen à la Ringlstetter - mit Witz, Treffsicherheit und einer gewissen Schärfe. Es soll ein Format sein, das signalhaft sagt: Schaut her, da gibt es etwas ganz Neues im BR Fernsehen. Ringlstetter auf Sendung soll unterhalten und informieren, Kulturschaffenden eine Plattform bieten und insgesamt zu einer bayerischen Identität beitragen.

Im fiktionalen Bereich, vor allem bei Serien, produzieren Ihre österreichischen Landsleute groß­artige Geschichten - innovativ, frech, originell. Da müssten Sie als Wiener doch was zum BR rüberretten können!

Scolik: (lacht) Ja, das ist schon richtig. Die Österreicher machen gute Sachen. Aber der BR in Bayern auch. Wir werden zum Beispiel bald eine Serie starten, die für mich in die richtige Richtung geht. Titel ist Das Institut - Oase des Scheiterns.

Worum geht es da?

Scolik: Die Serie erzählt von einem fiktiven deutschen Kulturinstitut in einem ebenfalls fiktiven Land namens Kisbekistan. Die Hauptstadt heißt Kallalabad. Das ist eine sehr witzige Produktion mit einem guten, schrägen, skurrilen Humor, bayerisch, hintergründig, unter anderen mit Nadja Bobyleva und Robert Stadlober als Darsteller. Wir freuen uns, die Serie im kommenden Jahr zeigen zu können.

Sie sind fast ein halbes Jahr im Amt. Wie gut kennen Sie Bayern inzwischen?

Scolik: (lacht) Ich würde sagen, ich bin im Stadium von einem Touristen zu einem Zuagroasten. Ich entdecke Bayern und finde das sehr spannend. Die nächste Zeit werde ich meinen Urlaub sicher nicht in Asien oder sonstwo verbringen, sondern erst mal hier. Ich will ja ein ­Gefühl für die Menschen bekommen, für die der BR sendet.

Was ist hier anders als in Wien?

Scolik: Das wäre Stoff für eine Dissertation (lacht). Aber es gibt ein paar Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind: Ich habe mich zum Beispiel daran gewöhnen müssen, dass man als Mann in einem Wirtshaus nichts unter einer halben Mass bestellen kann. Sonst wird man ganz schrecklich angesehen. Nun trinke ich eben eine Halbe. Das Münchener Bier schmeckt ja zum Glück sehr gut.

Interview: Stefanie Thyssen

Quelle: tz

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