Darum ist Gottschalk gescheitert

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Thomas Gottschalk ist mit "Gottschalk live" spektakulär gescheitert

München - Warum ist Thomas Gottschalk mit "Gottschalk live" gescheitert? Die tz erklärt das Aus bei der ARD und befragt den Medienexperten Jo Groebel zur Zukunft des Moderators.

Das Ende kommt früher als erwartet: Bis zum 7. Juni wird Thomas Gottschalk seine ARD-Vorabendsendung noch moderieren, dann ist Schluss – so haben es die Intendanten vereinbart. Schuld sind die schlechten Quoten. Warum aber wollte keiner Gottschalk live ­sehen?

Die tz-Analyse

Das Konzept passt nicht

Ein bisschen Klatsch vor der Tagesschau, heiter, lustig, unbeschwert, so sollte sie sein, die Sendung. Die Idee? Nicht schlecht. Die Umsetzung? Eine Katastrophe. Gottschalk war in den ersten Ausgabe erschreckend schlecht vorbereitet, verlor den Faden, wirkte fahrig. Die Einbeziehung von Facebook und Co. funktionierte nicht.

Die Werbeunterbrechungen

Thomas Gottschalk ist ein begnadeter Moderator – wenn er mehr oder weniger machen kann, was er will und sich nicht an einen engen zeitlichen Ablauf halten muss. Bei Wetten, dass..? hat man ihm das möglich gemacht. Da war es egal, ob der Talk mit einem Gast fünf, sechs oder sieben Minuten dauerte. Bei Gottschalk live bestimmen aber die Werbeunterbrechungen (die die Sendung finanzieren!) das Programm. Die Gespräche auf den Punkt zu timen, hat Thommy nicht auf die Reihe bekommen.

Die Erwartungen waren zu hoch

Der Vorspann, der in den ersten Wochen lief, zeigte unter anderem, wie Thomas Gottschalk Barack Oba­ma die Hand schüttelt. Seht her, sollte das wohl heißen, ich bin euer Mann für die große Welt. In der Show konnte er das dann aber nicht durchhalten. Gleich am Tag der Premiere, als Heidi Klum (die einst bei Gottschalk ihren ersten TV-Auftritt hatte!) ihm mit der Trennung von Seal eine Steilvorlage lieferte, konnte Gottschalk nicht eine Info mehr an die Zuschauer weitergeben als das, was eh schon in der Zeitung stand. Oder als Whitney Houston starb. Da hätte man sich einen echten Star wie Tina Turner als Gast gewünscht (wie oft war sie bei Wetten, dass..? und scherzte mit Gottschalk, als würden sich die beiden täglich zum Frühstück treffen?!). Aber wer kam? Die Gewinnerin einer Castingshow. Die war nett, ohne Frage. Aber das ist zu wenig, wenn man den Zuschauer so ­eingestimmt hat, dass demnächst auch der US-Präsident vorbeikommen könnte …

thy

Groebel: „Ich ziehe den Hut vor ihm“

Jo Groebel ist Direktor des Deutschen Digital-Instituts und Medienpsychologe. Die tz fragte ihn nach der Zukunft von Thomas Gottschalk.

Herr Groebel, glauben Sie, dass Thomas Gottschalk noch eine Zukunft hat im deutschen Fernsehen?

Jo Groebel: Ja, daran glaube ich ganz fest. Wissen Sie, eine gute Biografie kennt auch Niederlagen. Jemand, der so schwierige Situationen in seinem Fernsehleben erlebt hat wie Gottschalk den Unfall von Samuel Koch, der überlebt auch das Ende einer Sendung. Gottschalk hat ein Experiment gewagt, und davor ziehe ich meinen Hut, auch wenn dieses Experiment gescheitert ist. Ich sehe hier überhaupt nicht das Ende einer Legende.

Aber was sollte er noch moderieren?

Groebel: Festzuhalten ist ja erstmals, dass seine Fähigkeiten mit dem Scheitern von Gottschalk live nicht weniger geworden sind. Gut, es ist ihm nicht gelungen, in 20 Minuten präzise Gespräche zu führen. Aber auf der Bühne die Rampensau zu machen – das liegt ihm doch jetzt trotzdem noch. Das kann er!

Das heißt, Sie würden ihn wieder am Samstagabend sehen?

Groebel: Ich gehe mal davon aus, dass es so kommt. Ich kenne die Verträge nicht, die die ARD mit Thomas Gottschalk geschlossen hat, aber er hat doch nach wie vor ein großes Talent, er ist ein fabelhafter Moderator, das sollte man nutzen.

Glauben Sie nicht, dass die Zuschauer langsam ein bisschen genervt sind von ihm? Er kann irgendwie nicht loslassen …

Groebel: Nein, das glaube ich nicht. Also bei Gottschalk live zumindest waren es zu wenige Zuschauer, dass viele genervt sein können (lacht).

Interview: thy

Quelle: tz

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