Guido Knopp präsentiert seine letzte Doku

Geschichtslehrer der Nation geht in Rente

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Eines der nachkolorierten Bilder aus der Zeit um 1914: Münchner lassen sich im Sommer das Bier schmecken, trotz des Ersten Weltkriegs.

München - TV-Historiker Guido Knopp ist wohl Deutschlands bekanntester Geschichtslehrer. Bald geht der 64-Jährige in Rente - wir sprachen mit ihm über seine letzte Dokumentation "Weltenbrand" und den Neid der Kollegen.

Er arbeitet seit 1978 für das ZDF: Historiker Guido Knopp (64).

Er klärte die Zuschauer über Hitlers Helfer auf, dokumentierte Das Ende 1945 und ließ Unser Jahrhundert - Deutsche Schicksalstage wieder aufleben: 34 Jahre lang kannte das ZDF-Publikum Guido Knopp (64) als Geschichtslehrer der Nation - jetzt wird er selbst Geschichte: Mit Weltenbrand, einer Dokureihe über die Jahre 1914 bis 1945, verabschiedet sich der Historiker in den Ruhestand. Das Besondere an Weltenbrand: Knopp ließ alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen nachträglich kolorieren. „In Farbe erscheint die fern wirkende Vergangenheit gar nicht mehr so unzugänglich, sondern ganz nah“, erklärt er. Wir zeigen eine Auswahl der Bilder.

Im Januar feiert Guido Knopp seinen 65. Geburtstag - dann will er sich vom Fernsehen zu verabschieden. Weltenbrand ist sein Abschiedsgeschenk ans Publikum. Was die Zuschauer erwartet, wie er seine freie Zeit füllen wird, verrät er im tz-Interview.

Herr Knopp, Anfang 2013 gehen Sie in den Ruhestand. Einige Historiker werden erleichtert aufatmen...

Guido Knopp: Oh ja, das dürfte stimmen.

Manche Kollegen werfen Ihnen vor, dass Sie sich nur oberflächlich mit historischen Fakten beschäftigen. Ihnen gehe es viel mehr um quotenträchtigen Geschichtspopulismus.

Knopp: Das ist Unsinn. Unser Ziel ist Qualität im Populären. Generell gilt: Wenn man sich in einem so populären Medium wie dem Fernsehen mit Zeitgeschichte beschäftigt, bleibt Kritik nicht aus.

Ihr Fazit nach über 30 Jahren Fernsehtätigkeit?

Knopp: Ich sage immer gerne: Neid muss man sich verdienen, Mitleid bekommt man geschenkt. Und nicht von ungefähr  haben wir alle Preise gewonnen, die wir gewinnen wollten.

„Weltenbrand“ ist Ihre Abschlussarbeit. Was haben Sie für die Zuschauer vorbereitet?

Knopp: Es geht um die Zeit von 1914 bis 1945. Wir hatten den Ehrgeiz, dass wir Archivmaterial nicht so vorlegen, wie es das Publikum bereits kennt - als krisselige, zappelige Bilder à la „Opas Kino lebt“. Also haben wir die Bilder nicht nur restauriert und HD-fähig gemacht, sondern auch sorgfältig kolorieren lassen. So kommen einem die Menschen auf dem Bildschirm plötzlich viel näher, ihre Geschichte wird persönlicher.

Klingt nach einem gefundenen Fressen für Ihre Kritiker.

Knopp: Mag sein. Aber es geht nicht um Effekthascherei, sondern um eine technische Verbesserung. Es ist keine fremd wirkende „schwarzweiße“ Welt, in der sich die Schrecken des Krieges abspielten. Außerdem gibt es bei Weltenbrand neue Ansatzpunkte.

Welche denn?

Knopp: Zum Beispiel wurden der Erste und der Zweite Weltkrieg bisher immer separat behandelt. Wir aber spannen einen Bogen von 1914 bis 1945 und zeigen, welche Entscheidungsträger in dieser gesamten Zeit eine wichtige Rolle gespielt haben.

Sie haben ja schon viele Sendungen über Zeitgeschichte gemacht. Konnten Sie bei der Recherche zu „Weltenbrand“ noch etwas dazulernen?

Knopp: Inhaltlich sind die wesentliche Punkte auch bekannt. Doch die Möglichkeit, die Schwarz-Weiß-Bilder durch Farbe zum Leben zu erwecken, hat mich fasziniert.

Die ersten drei Folgen Ihrer Doku laufen heuer, fünf weitere kommen 2013 - werden das die letzten Geschichtsstunden mit Ihnen sein?

Knopp: Ich gehe zwar in den Ruhestand, aber dem Fernsehen werde ich sicher noch erhalten bleiben. In welcher Form auch immer.

Was werden Sie in Ihrer freien Zeit anstellen?

Knopp: Ich spiele Cello. Viel zu wenig, wie ich finde. Dann will ich auf jeden Fall versuchen, mein Golfspiel zu verbessern. Ich stagniere auf einem niedrigen Niveau - Handicap 36! Das muss sich dringend ändern.

Interview: Eva Hutter

Quelle: tz

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