Er präsentiert seit 30 Jahren die Aussichten

tz-Interview mit Gunther Tiersch: "Die erste Wetterhütte baute ich mit 12"

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Meteorologe Gunther Tiersch.

München - Er ist der Wetterfrosch des ZDF: Seit 30 Jahren erzählt Gunther Tiersch (62, verheiratet und Vater zweier Kinder) den Zuschauern im Zweiten, ob es regnet oder die Sonne scheint. Die tz hat ihn zum Interview getroffen.

Im Juli 1986 hatte er in einer 13-Uhr-Ausgabe der heute-Nachrichten seinen ersten Auftritt an der Wetterkarte. Im Jubiläums-Interview mit der tz spricht Tiersch, der 1968 als gerade mal 14-jähriger Steuermann des deutschen Ruder-Achters Olympiagold in Mexiko holte, über seine Leidenschaft fürs Wetter, zweifelhafte Apps und Bauernregeln.

Herr Tiersch, gibt es eine Frage, die Sie in Ihrem Leben öfter gehört haben als die nach dem Wetter?

Gunther Tiersch: (lacht) Nein. Selbst meine Kinder haben mich immer, bevor sie morgens aus dem Haus gingen, gefragt: „Papa, was muss ich anziehen?“ Das hat mich irgendwann total genervt und dann habe ich nur noch geantwortet: „Ich weiß es nicht! Geht doch vor die Tür und schaut nach – ist es kalt oder nicht kalt!“

Warum haben Sie nicht gesagt: „Gegen Mittag kommt ein Schauer, nehmt besser die Regenjacken mit“?

Tiersch: Ne, ne, ne, überhaupt nicht! Das wäre mir nie eingefallen. Ich bin der Meinung, dass Kinder, die in die Schule gehen, ein Gefühl fürs Wetter bekommen sollten. Sie müssen spüren, was ist Wärme, was ist Kälte. Und das geht eben nur, wenn man rausgeht.

Viele Menschen scheinen genau das verlernt zu haben. Sie verlassen sich auf Wetter-Apps, die ihnen sagen: Um 12.30 Uhr fängt’s an zu schütten …

Tiersch: Ja, das ist so. Und das ist ein Fehler. Denn all diese Apps gaukeln eine Genauigkeit vor, die es gar nicht gibt. Man kann nicht vorhersagen, dass es in einem bestimmten kleinen Ort ein Gewitter geben wird. Man kann beschreiben, dass es in einer gewissen Region wahrscheinlich ein Gewitter geben wird. Aber mehr geht zurzeit nicht.

Wie sind Sie eigentlich zur Meteorologie gekommen? War das Thema Wetter immer schon eine Leidenschaft von Ihnen?

Tiersch: Ja, das kann man so sagen. Mich hat es schon als Kind fasziniert, wenn es geschneit hat. Ich bin in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Da stand ich immer an unserem Fenster und konnte mich nicht loseisen, weil ich den Schnee im Winter so geliebt habe. Ich wollte nie, dass er schmilzt. Mit 12 oder 13 Jahren habe ich dann meine erste Wetterhütte gebaut, ein bisschen rumgemessen, den Wetterbericht der Lübecker Nachrichten ausgeschnitten und sozusagen mit meinen Aufzeichnungen verglichen.

Sie haben längst Ihr Hobby zum Beruf gemacht und sind inzwischen Chef der ZDF-Wetterredaktion. Ist es nicht erstaunlich, dass sich die Präsentation des Wetters seit Jahrzehnten kaum verändert hat?

Tiersch: Ja, das ist erstaunlich, das finde ich auch. Wobei ich die Art der Präsentation ganz schön finde – dass da jemand vor der Wetterkarte steht und sie erklärt. Sonst wäre ich ja arbeitslos (lacht). Wir haben aber tatsächlich immer schon mal überlegt, wie man die Informationen noch besser rüberbringen könnte. Aber wir haben nichts Besseres entdeckt.

Was halten Sie als Profi eigentlich von Bauernregeln?

Tiersch: Sagen wir mal so: Wir sind froh, dass wir sie nicht anwenden müssen (lacht). Aber natürlich haben sie ihre Berechtigung. Die Landwirte mussten jahrhundertelang das Wetter beobachten, um zu wissen, wann sie aussäen, wann sie ernten sollen. Sie waren die sichersten Wetterbeobachter. Wir Meteorologen sind eigentlich nur deren Nachfahren, die es durch die Computer heute leichter und genauer haben.

Haben Sie eine Bauernregel, der Sie persönlich vertrauen?

Tiersch: Ja, die Lichtmess-Regel. Sie betrifft den 2. Februar und geht so: „Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit. Ist es hell und klar, bleibt der Winter noch sechs Wochen da.“ Diese Regel stimmt tatsächlich häufig. Sie ist daher mein Favorit.

Stefanie Thyssen

Quelle: tz

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