Mieses Geschäft in Afrika

"Hähnchenreste auf Reisen": Diese ZDF-Doku geht alle an

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Was in Deutschland kostenpflichtig entsorgt werden müsste, wird hier munter verkauft: ZDFzoom-Reporterin Katarina Schickling kauft auf einem Markt in Liberia im Südwesten Afrikas Geflügelabfälle.

München - Die Dokureihe ZDFzoom zeigt am Mittwoch "Hähnchenreste auf Reisen". Der brisante Film beleuchtet, was mit den Fleischabfällen aus Deutschland passiert - und geht alle Verbraucher etwas an.

In Deutschland werden jährlich 627 Millionen Masthähnchen geschlachtet, doch nur jedes fünfte wandert im Ganzen über die Theke. Was passiert mit den gigantischen Mengen an Fleisch­abfällen, die hierzulande produziert werden? Eine Frage, der Katarina Schickling nachgegangen ist. Ihr brisanter Film "Hähnchenreste auf Reisen" läuft am Mittwoch im Rahmen der Dokureihe ZDF­zoom im Nachtprogramm und ist es wert, ans Licht geholt zu werden. Denn all das, was wir auf unseren Tellern nicht haben wollen, wandert zu Dumpingpreisen nach Afrika. Mit verheerenden Folgen für die Menschen. Im tz-Gespräch erklärt die Autorin, warum die fragwürdigen Geschäfte der Geflügelindustrie uns alle angehen.

"Ich war schockiert - (...) Das war alles Gammelfleisch"

Frau Schickling, es kann doch nicht profitabel sein, Fleischabfälle aus Deutschland bis nach Westafrika zu exportieren, oder?

Katarina Schickling: Das dachte ich auch, aber es geht hier überhaupt nicht darum, ein Geschäft zu machen, sondern Kosten zu sparen. Nach meinen Recherchen weiß ich: Selbst wenn die Abfälle an den Exporteur verschenkt würden, wäre das für Geflügelmastbetriebe immer noch billiger, als wenn sie sie in Deutschland entsorgen müssten.

Warum entstehen überhaupt tonnenweise Hähnchenabfälle?

Schickling: Wir sind sehr verwöhnt. Weil Turbomasthühner bei uns unwahrscheinlich billig sind, können wir es uns leisten, nur die Premiumstücke zu essen. In meiner Kindheit war es selbstverständlich, dass ein Huhn als Ganzes auf den Tisch kommt. Ein Gericht, das es auch nicht jeden Tag gab. Heute kaufen die Kunden vorrangig Brust oder Keulen.

Karkassen, Hälse, Flügel, Innereien – das alles landet auf dem afrikanischen Markt, schlecht verpackt und unregelmäßig gekühlt. Sie sind dem Fleisch nachgereist …

Schickling: Und ich war schockiert. Erschreckend war die Keimbelastung der Proben, die wir vor Ort genommen haben. Das war alles Gammelfleisch, das in Europa sofort aus dem Verkehr gezogen würde. Das essen da auch kleine Kinder, die regelmäßig wegen aggressiver Durchfall­erkrankungen behandelt werden müssen.

Hier geht's zur ZDF-Homepage über "Hänchenreste auf Reisen"

Dumpingpreise aus Deutschland ruinieren afrikanische Existenzen

Die deutschen Firmen, die Sie mit Ihren Recherchen konfrontiert haben, wollten sich im Film nicht äußern. Warum?

Schickling: Das erlebe ich immer, wenn ich im Lebensmittelbereich recherchiere. Die Firmen, deren Fleisch ich in Afrika gefunden habe, haben alle gemauert. Sie halten es für überflüssig, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Und das ist etwas, was mich wahnsinnig ärgert, weil wir hier von Unternehmen reden, die Lebensmittel produzieren. Da erwarte ich eine gewisse Transparenz.

Abgesehen von den gesundheitlichen Belastungen, welche Konsequenzen hat der Handel mit unseren Fleischabfällen noch für Afrika?

Über 42 Millionen Kilogramm Geflügel wurden im Jahr 2012 an die westafrikanische Küste exportiert.

Schickling: Mich hat die Begegnung mit einem afrikanischen Bauern sehr bewegt, der mit seiner Hühnerzucht gescheitert ist. Er konnte mit den Dumpingpreisen aus Deutschland nicht mit­halten. Jetzt mästet er Schweine. Er hat mir gesagt, dass er pro Tier bis zur Schlachtreife ein Jahr und neun Monate braucht. Ein deutscher Mäster macht das in hundert Tagen. Und schon jetzt tauchen jede Menge Schweineabfälle auf afrikanischen Märkten auf. Ein hoffnungsloses Unterfangen für die Menschen, die sich dort eine Existenz aufbauen wollen.

"Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Bericht hilft"

Sie haben lange nach einem Sendeplatz gesucht und werden jetzt um 23.15 Uhr ausgestrahlt. Frustriert Sie das?

Schickling: Nein, weil ich der festen Überzeugung bin, dass jeder Bericht hilft, den Verbraucher aufzurütteln und zu informieren. So hat die intensive Berichterstattung über Käfighaltung von Legehennen dazu geführt, dass Käfigeier in den Regalen so gut wie nicht mehr zu haben sind. Wenn wir regelmäßig über solche Bedingungen reden, dann wächst auch in unserer Gesellschaft ein Bewusstsein. Dafür, dass es für uns alle besser ist, wenn wir seltener zu Fleisch greifen und dafür das teurere wählen.

"ZDFzoom", Mittwoch, 23.15 Uhr, ZDF

Interview: Astrid Kistner

Quelle: tz

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