„Hart aber fair“, ARD

„Hart aber fair“: Frank Plasberg kennt keinen Ausweg

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Hart aber fair, moderiert von Frank Plasberg.

„Grottenschlecht oder besser als ihr Ruf: Was taugt die GroKo wirklich?“, fragt Frank Plasberg. Irgendwie beides, stellt sich bei diesem ratlosen Talk heraus.

Wenn in der Welt nichts passiert, stellen die politischen Talkshows die Ratlosigkeit der derzeitigen Politik aus. Das ist im Einzelfall manchmal erhellend, im Ganzen aber erstaunlich unproduktiv.

Ausgangspunkt war mal wieder Friedrich Merz. Der hatte erst rabiat einen Richtungswechsel gefordert und dann mit seiner teils dilettantischen Parteitagsrede eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er nicht der Richtige dafür ist. Die anwesenden Gäste aus allen Lagern umschreiben dieses Verhalten denn auch entweder als „seine operative Fähigkeiten haben noch Luft nach oben“ – oder nicht ganz so freundlich.

„Hart aber fair“: Es gibt nichts zu besprechen - folglich wird wild diskutiert

Aber nachdem es sonst nichts zu besprechen gibt, muss eben mal ein partei-interner Heckenschütze mit seinen wilden Aussagen diskutiert werden. Die „Untätigkeit der Kanzlerin legt sich wie ein Teppich übers Land“, prognostizierte der CDU-Immer-mal-wieder-Kandidat Merz. Und die Arbeit der großen Koalition sei „grottenschlecht“. Diese Aussagen findet sein Parteikollege Norbert Röttgen „selbstzerstörerisch“, „kopflos“ und „maßlos in Stil und Inhalt“. Die Grenzen sind gezogen, der Kampf kann beginnen.

Nur leider stellt sich das alles – wie so viele inhaltliche Polit-Themen hierzulande – schon nach wenigen Sekunden als reines Schattenboxen heraus. Als nämlich klar wird, dass Röttgen selbst vor wenigen Tagen ähnlich unfreundliche Worte in der New York Times über seine Regierungschefin verloren hat. „Ich bin begeistert von der Akrobatik, die Herr Röttgen an den Tag legt“, schwärmt denn auch die Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros Melanie Amann. Beinahe weht ein Hauch von Konrad Adenauer durch den Raum – nur dass der wenigstens ein paar Tage wartete, bevor er verkündete: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“

„Hart aber fair“: Die GroKo ist toll - aber leider...

Aber politische Amnesie ist nicht das Problem. Ebensowenig Heuchelei, und schon gar nicht Merz' Tonfall. Das Problem tut sich direkt danach auf, als Röttgen versichert, dass sein Angriff auf die Kanzlerin keine Pauschal-Attacke war, sondern „auf ein Sachthema bezogen“ war. Denn im Großen und Ganzen würde die GroKo tolle Politik machen – nur bei der „historischen Aufgabe“ einer Europapolitik würde sie leider völlig versagen. Kein Wunder, dass Europa so führerlos dahinschlingert.

Die Sendung in der Mediathek (verfügbar bis 4.11.2020)

Und damit kommen sie alle aus ihren Löchern: Der SPD-Parteivorsitzkandidat Norbert Walter-Borjans stimmt zu und widerspricht gleichzeitig: Genau, die Arbeit der GroKo läuft eigentlich viel besser, als das gemeinhin wahrgenommen wird – bis auf die große Generationenaufgabe der sozialen Gerechtigkeit, die völlig vernachlässigt wird. Kein Wunder, dass es so viel Unmut bei der SPD gibt. Zu allem Überfluss und eher ungefragt stimmt dann auch noch der Geschichtsprofessor und CDU-Mann Andreas Rödder mit ein: Ja, die GroKo leistet tolle Arbeit, aber leider hat Merkel darüber die konservativen Werte vernachlässigt. Kein Wunder, dass es so viel Unmut in der Union gibt. Den letzten Sargnagel haut dann gerne noch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt rein, als sie feststellt, dass Merkel eigentlich viele mutige und große Entscheidungen durchgekämpft hat, aber leider bei der „Menschheitsaufgabe“ Klimawandel nichts zustande kriegt. Kein Wunder, dass es so viel Unmut in der Bevölkerung gibt.

Applaus kriegen irgendwie alle, und damit ist das Urteil klar: Die GroKo macht eigentlich alles richtig, außer das Wichtigste, das versaut sie heillos, deswegen sind manche Leute sauer. Und weil das Wichtigste für jeden was anderes ist, sind alle sauer. Also macht die GroKo generell alles richtig, aber im Speziellen alles falsch. Die CDU findet Merkel zu weit links. Die SPD findet die CDU zu weit rechts. Die Grünen finden beide nicht grün genug. Alle denken, ihre Parteispitze hat sich über den Tisch ziehen lassen. Deswegen will keiner mehr in der Parteispitze sein. Und deswegen fühlen sich alle über den Tisch gezogen. Kein Wunder, dass alle abwandern und AfD wählen.

„Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg ist ratlos

Einen Ausweg weiß keiner, am wenigsten Frank Plasberg. Er versucht gar nicht erst, dieser Ratlosigkeits-Parade eine Struktur zu geben. Röttgen darf jeden Satz der weiblichen Talkgäste unterbrechen und abwürgen – Plasberg lässt ihn gewähren. Göring-Eckardt darf den einzig sinnvollen Ratschlag für die GroKo aussprechen: „Weniger Pillepalle, mehr Vision, mehr große Entscheidungen“ - Plasberg fragt nicht nach, was für mutige Projekte das sein könnten. Rödder holt sogar das Gespenst von Weimar aus der Schreckschublade – doch nicht einmal die Aussicht auf das Scheitern der deutschen Demokratie erscheint Plasberg wichtig genug, um intensiv nachzufragen oder einzusteigen.

„Hart aber fair“: Wenn die Schwarze Mamba auch nichts hilft

Stattdessen gibt es CDU-Interna-Klatsch (Sollte Rödder tatsächlich beim Parteitag letztes Jahr als Merkels Gegenkandidat aufgebaut werden, und wenn ja, wer half ihm?), kuriose und unnötige Exkurse (Sollte die Amtszeit der Kanzlerinnen und Kanzler begrenzt werden, und wenn ja, warum beschließen wir das gerade jetzt?) und das GroKo-Streitthema du jour (Sollte die Grundrente erst nach Bedürfnisprüfung erfolgen, und wenn ja, wird die GroKo daran zerbrechen?). Morgen wird nichts mehr davon relevant sein. Außer die Ratlosigkeit.

Von D. J. Frederiksson

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