Heidenreich: "Ich stehe zur Verfügung"

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Elke Heidenreich

Mainz - Elke Heidenreich, die sechs Jahre lang im ZDF mit guten Gästen und viel Leidenschaft über Literatur sprach, erklärt gegenüber der tz, dass sie dem Sender wieder zur Verfügung stehen würde.

Es gibt mehrfach am Tag Nachrichten, es gibt Dokumentationen, Reportagen, Filme, Serien, Shows und es gibt viel Sport. Das ZDF-Programm bedient alles, was man sich als Zuschauer wünscht. Das Einzige, was fehlt – ist eine Sendung über Bücher. Seitdem zuletzt Die Vorleser (mit Amelie Fried und Ijoma Mangold) mangels Erfolg aus dem Programm genommen wurden, wird beim ZDF nicht mehr gelesen.

Gegenüber der tz erklärt Elke Heidenreich, die sechs Jahre lang im ZDF mit guten Gästen und viel Leidenschaft über Literatur sprach, dass sie dem Sender wieder zur Verfügung stehen würde. Nach allem, was passiert ist, wäre ihre Rückkehr eine kleine Sensation.

Rückblick: Es war der 11. Oktober 2008. Marcel Reich-Ranicki sollte den Fernsehpreis für sein Lebenswerk bekommen. Er lehnte ihn ab und löste eine wochenlange Diskussion über Sinn und Zweck und Qualität des deutschen Fernsehens aus. Elke Heidenreich saß seinerzeit im Publikum und regte sich auf. In einem Beitrag für die FAZ rechnete sie tags drauf mit der Gala ab, die – und das war das Brisante – von „ihrem“ Sender, dem ZDF, federführend organisiert worden war. Eine „armselige Veranstaltung“ habe sie gesehen, schrieb die 67-Jährige wütend. „Jämmerlich“ seien die dargebotenen Produkte gewesen, und schließlich: „Man schämt sich, in so einem Sender zu arbeiten.“

Das war dem ZDF zu viel. Wenige Tage nach der Veröffentlichung war die Zusammenarbeit von Sender und Moderatorin Geschichte.

Gut zwei Jahre sind seitdem vergangen. Das ZDF hat es nicht geschafft, einen würdigen Ersatz für Heidenreichs Sendung Lesen! zu entwickeln. Die Vorleser waren ein Versuch – er ist gescheitert. Wäre es nicht langsam an der Zeit, über eine Versöhnung nachzudenken? Es kann doch nicht sein, dass Bücher im ZDF so gut wie gar nicht stattfinden!

Elke Heidenreich ihrerseits stünde bereit. Sie weiß, dass sie „undiplomatisch“ war, wie sie es formuliert. Sie hat Briefe an die Verantwortlichen im ZDF geschrieben, sich entschuldigt dafür, dass „die Emotionen hochgekocht“ seien. Eine Antwort hat sie nie ­bekommen.

Dafür aber Berge von Post von Verlegern, Buchhändlern und nicht zuletzt Zuschauern, die (völlig zu Recht) eine Literatursendung im ZDF vermissen – und sich Elke Heidenreich als Moderatorin zurückwünschen. „Natürlich würde ich es wieder machen“, sagt sie der tz. „Vier Ausgaben im Jahr an einem anständigen Sendeplatz, der nicht mitten in der Nacht liegt – da wäre ich sofort dabei.“

Beim ZDF gibt man sich, was den Namen Heidenreich angeht, zurückhaltend. Man arbeite aber, heißt es auf Anfrage, an einem neuen Literaturformat, das im Spätsommer oder Herbst auf Sendung gehen soll. Immerhin.

thy

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

Theodor Mommsen (1817-1903) erhielt 1902 den Preis für seine "Römische Geschichte“. © dpa
Rudolf Eucken (1846-1926) erhielt 1908 den Nobelpreis für eine in zahlreichen seiner Werke vertretene ideale Weltanschauung. © dpa
Paul von Heyse (1830-1914) erhielt 1910 den Nobelpreis für das "von Auffassung geprägte Künstlertum". © dpa
Gerhart Hauptmann (1862-1946) erhielt 1912 den Nobelpreis für seine "reiche, vielseitige, hervorragende Wirkung auf dem Gebiet der dramatischen Dichtung". © dpa
Thomas Mann (1875-1955) erhielt 1929 den Nobelpreis für Literatur für seinen ersten Roman „Buddenbrooks“. © dpa
Hermann Hesse (1877-1962) erhielt 1946 den Literaturnobelpreis für sein Gesamtwerk. © dpa
Nelly Sachs (1891-1970) erhielt den Nobelpreis für Literatur „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren.“ © dpa
Heinrich Böll (1917-1985) erhielt 1972 den Preis “für eine Dichtung, die durch ihre Verbindung von zeitgeschichtlichem Weitblick und liebevoller Gestaltungskraft erneuernd in der deutschen Literatur gewirkt hat“. © dpa
Günter Grass (1927) erhielt 1999 den Preis, „weil er in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“. © dpa
Die in Rumänien geborene Herta Müller (1953) ist die neue Nobelpreisträgerin. Die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm begründete ihre Auswahl unter anderem mit der Reinheit der Dichtung, die Müllers Werken innewohne. Müller zeichne "mittels der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit". © dpa

Quelle: tz

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