"Ich kann nach jeder Sendung gut schlafen"

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Rudi Cerne war der Wunschkandidat von Eduard Zimmermann

München - Seit zehn Jahren moderiert Rudi Cerne "Aktenzeichen XY … ungelöst". Im tz-Interview blickt der 54-Jährige, der verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter ist, zurück.

Er erzählt, warum seine Angst vor Verbrechen mit der Zeit nicht größer wurde und wieso er Frank Elstner anrufen musste, bevor er zusagen konnte, in die Fußstapfen von Eduard Zimmermann zu treten.

Herr Cerne, haben Sie noch Erinnerungen an die Zeit, als Sie „nur“ Zuschauer von „XY“ waren?

Rudi Cerne: Als Aktenzeichen … XY losging, im Jahr 1967, war ich neun Jahre alt. Natürlich war das Gesprächsthema auf dem Schulhof damals – allein schon deswegen, weil manche Kinder die Sendung gucken durften und andere nicht. Das hat es interessant gemacht (lacht).

Durften Sie schauen?

Cerne: Ich durfte schon, habe aber gerade am Anfang nicht so richtig kapiert, dass die Fälle, die gezeigt wurden, Realität waren und keine Fiktion. Ich bin mit Bonanza und den Rauchenden Colts groß geworden. Ich war es gewohnt, dass am Ende eines Films die Handschellen klickten. Bei XY war es mir immer unverständlich, warum ein Mann, der einen anderen umgebracht hatte, auch am Ende der Sendung noch frei herumlaufen durfte. Wie gesagt, ich war neun, als es losging …

Ist Ihre Angst vor Verbrechen größer geworden, seit Sie „Aktenzeichen … XY“ moderieren?

Cerne: Nein. Ich kann nach jeder Sendung gut schlafen – Gott sei Dank. Eine junge Mordkommissarin, die mit ihren Kollegen natürlich viel enger am Geschehen dran ist als ich, hat mir erzählt, dass man sich in dem Beruf einfach Scheuklappen anlegen muss. Sonst käme man damit nicht zurecht. Das fand ich einleuchtend. Im Kleinen geht es mir auch so.

Das Prinzip von „Aktenzeichen XY…“ hat sich in fast 45 Jahren kaum verändert. Aber täuscht der Eindruck, dass die Art, wie die Fälle erzählt werden, „härter“ geworden ist?

Cerne: Das würde ich nicht sagen. Es gibt einfach Geschichten, die wirklich hart sind und die muss man letztlich auch so erzählen. Das war aber bei Aktenzeichen XY … ungelöst immer so. Ich erinnere mich an meine erste Sendung, da ging es um nekrophile Täter, also um Leute, die Leichen ausgraben, um sich daran zu vergehen. Das war schon heftig. Und was die Art der Darstellung betrifft, würde ich sagen, wir sind einfach mit der Zeit gegangen. Wir haben an der B-Note gearbeitet, die Einspielfilme optimiert, die Schauspieler sind inzwischen klasse, und die Regie ist exzellent. Aber die grundsätzliche Idee, eine sachliche Fahndungssendung ohne unnötige Dramatik zu machen, haben wir nie aus den Augen verloren.

Wie sind Sie eigentlich zur Moderation von „Aktenzeichen XY … “ gekommen? Hat Eduard Zimmermann Sie gecastet?

Cerne (lacht): Nein, ein Casting gab es nicht, aber man hat mir erzählt, dass Eduard Zimmermann mich tatsächlich selbst beim ZDF vorgeschlagen hat, als vor gut zehn Jahren ein neuer Moderator gesucht wurde. Und dort hieß es dann: „An Rudi Cerne haben wir auch schon gedacht.“

Und Sie haben natürlich sofort zugesagt …

Cerne: Na ja, ehrlich gesagt habe ich erst mal Frank Elstner angerufen …

Frank Elstner?

Cerne: Ja, das stimmt wirklich. Wir haben einen guten Draht zueinander. Und er ist einfach ein so großer TV-Experte, dass mir seine Meinung wichtig war.

Und die hieß: zusagen.

Cerne: Ja, er sagte sofort: „Machen Sie das, und danken Sie dem lieben Gott, dass Sie dieses Angebot bekommen haben.“ Und so habe ich es gemacht (lacht).

Interview: Stefanie Thyssen

Daten & Fakten zu „XY“

- Die erste Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst lief am 20. Oktober 1967 im ZDF. Erfinder und erster Moderator war Eduard Zimmermann († 2009). Er gab die Sendung nach der 300. Folge am 24. Oktober 1997 an Butz Peters ab. 2002 übernahm Rudi Cerne (s. oben).

- Seit 1969 wird die Sendung in München produziert.

- Die Aufklärungsquote bei den Verbrechen liegt nach Angaben des Senders bei 42 Prozent.

- Fast jeder dritte XY-Fall ist ein Mordfall. Auf Platz zwei der häufigsten Verbrechen liegen Raubüberfälle, gefolgt von Betrug.

- Aktenzeichen XY … ungelöst ist das ZDF-Format mit den meisten jungen Zuschauern. Die Dezember-Sendung hatte einen Marktanteil von 13,3 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen – das ist fast RTL-Niveau.

Quelle: tz

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