Im tz-Interview

Kerner: Es war ein Fehler, zu Sat.1 zu gehen

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Johannes B. Kerner.

München - Für Johannes B. Kerner läuft es beim ZDF wieder rund. Fast ein Jahr nachdem seine Rückkehr von Sat.1 verkündet wurde, zeigt er sich im tz-Interview selbstkritisch.

Er ist wieder richtig angekommen beim ZDF. Fast auf den Tag genau ein Jahr, nachdem verkündet wurde, dass Johannes B. Kerner von SAT.1 zurückkehrt zu seinem alten Arbeitgeber, läuft es für den 49-Jährigen rund. Am Mittwoch und am Donnerstag präsentiert er im Zweiten die Ranking-Show Deutschlands Beste.

Zuerst geht es um Männer, dann um Frauen – und immer um die Frage, wer sind für die Zuschauer die bedeutendsten Persönlichkeiten. Weitere Sendungen, unter anderen die große Geburtstagsgala für Udo Jürgens, werden folgen.

Im Interview mit der tz spricht Kerner über die neue Show und sein Faible für die klassische Fernsehunterhaltung, erzählt, wie er sich persönlich in den vergangenen Jahren verändert hat und gibt unumwunden zu, dass es ein Fehler war, zu SAT.1 zu gehen.

Herr Kerner, vor gut vier ­Wochen schickte die dpa eine Meldung über den Ticker: „Johannes B. Kerner ist am Mittwochabend Deutschlands Quotenkönig gewesen.“ Ihre Show „Der Quiz-Champion 2014“ lag ganz vorn. Das hatte es lang nicht mehr ­gegeben. 

Johannes B. Kerner (lacht): Ja, das stimmt. Und es ist tatsächlich auch kein schlechtes Gefühl, das gebe ich gerne zu. Aber ich drehe deswegen nicht mehr durch. Im Vergleich zu früher freue ich mich heute, sagen wir, etwas erwachsener.

Was heißt das?

Kerner: Ich sitze nicht jubelnd vorm Videotext, wenn ich so eine Quote lese. So ein Erfolg ist immer das Ergebnis einer gemeinsamen Arbeit von vielen Leuten, und ich als Moderator stand dem Erfolg offenbar nicht im Weg.

Oha, das klingt jetzt aber sehr demütig.

Kerner: Sagen wir es so: Ich bin ruhiger geworden, konzentriere mich auf weniger Sachen, und das gefällt mir offen gestanden ziemlich gut. Ich erlebe gerade die entspannteste Phase meines Berufslebens.

Seitdem Sie von SAT.1 zurück zum ZDF gewechselt sind, moderieren Sie ja auch deutlich weniger als vorher.

Kerner: Ich mache nicht mehr 120 Sendungen im Jahr, sondern deutlich weniger – aber mehr Prime-Time-Shows, was eine echt gute und schöne Erfahrung ist.

Ist Ihnen diese Umstellung trotzdem schwergefallen?

Kerner: Gar nicht. Das fühlt sich genau richtig so an. Hätten Sie mich aber vor zehn Jahren gefragt, ob ich lieber zwölf oder 120 Sendungen moderiere, hätte ich Sie vermutlich allein wegen der Frage für etwas verrückt gehalten.

Weil Sie nach dem Prinzip gearbeitet haben – je mehr, desto besser?

Kerner: Ja, klar. Ich war ein Getriebener, wenn man so will. Wie im Rausch. Ich habe ein oder zwei Talksendungen am Tag aufgezeichnet, und wenn ich dann frei hatte, habe ich ein Fußballspiel moderiert oder eine ­andere Show gemacht. Und so lief es einige Jahre. Das hat nicht nur gute Seiten. Das Gefühl für links und rechts zum Beispiel hatte ich in der Zeit manchmal verloren. Das ist jetzt völlig anders.

Sind Sie am Ende dankbar, dass das Experiment SAT.1 gescheitert ist?

Kerner: Das wäre jetzt vielleicht ein bisschen zu viel des Guten. Zu SAT.1 zu gehen, war ein Fehler, für den ich allein verantwortlich bin. Aber, so etwas passiert. Das Leben wird ohne Gebrauchsanweisung geliefert –leider.

Was genau ist bei SAT.1 falsch gelaufen?

Kerner: Ich habe gedacht, es gibt eine Schnittmenge zwischen dem öffentlich-rechtlichen Publikum und dem privaten. Und die gibt es auch. Aber sie ist viel kleiner, als ich gedacht habe. Wir haben teilweise gute Sendungen bei SAT.1 gemacht. Leider ist das bei den Leuten nicht angekommen, das musste ich einfach irgendwann akzeptieren. Mir sind die Zuschauer, die gerne und regelmäßig meine ZDF-Sendungen angeschaut haben, nicht zu SAT.1 gefolgt.

Haben Sie das persönlich genommen?

Kerner: Nein, überhaupt nicht. Ich nehme es als das, was es ist: eine Niederlage, aber keine Schmach. Es war ein Versuch, und der hat nicht geklappt. Mein Fehler. Punkt.

Mit der Rückkehr zum ZDF haben Sie die Kurve noch mal gekriegt – kann man das so ­sagen?

Kerner: Ich bin ja nicht aus der Kurve geflogen, sondern vielleicht ein bisschen scharf reingefahren, musste abbremsen, einen Gang zurückschalten und dann langsam weiterfahren.

Heute und morgen präsentieren Sie „Deutschlands Beste“ im ZDF. Früher hieß die Sendung „Unsere Besten“. Was ist der Unterschied? Was erwartet die Zuschauer?

Kerner: Bei Unsere Besten hatten die ersten Zehn des Rankings eines gemeinsam: Sie waren alle tot. Jetzt schauen wir, welche lebenden Menschen Deutschlands Beste sind. In Teil eins geht es um Männer, in der zweiten Show am Donnerstag um die Frauen. Ich freue mich sehr auf die Sendungen und tolle Gäste wie Günther Jauch, Katarina Witt, Franz Beckenbauer, Claus Kleber, Hannelore Kraft oder Bully Herbig. Wir werden das machen, was ich immer noch sehr gerne mag: Wir verbinden Unterhaltung mit Information. Ich finde das eine gute Kombination.

Das ist klassische, öffentlich-rechtliche Fernsehunterhaltung. Ohne Apps und ohne Twitterei – aber nicht auch ein bisschen wenig originell?

Kerner: Finde ich nicht. Klassische öffentlich-rechtliche Unterhaltung ist für mich kein Schimpfwort. Ich glaube genau daran. Sicher – das viel zitierte Lagerfeuer ist vielleicht ein bisschen kleiner geworden, aber es wärmt immer noch.

Abgesehen von „Deutschlands Beste“ hat das ZDF eine große Show-Offensive angekündigt.

Kerner: Habe ich auch gelesen (lacht).

Denk ich mir. Wissen Sie schon mehr?

Kerner: Es ist so: Das ZDF hat eine Reihe von Show-Sendeplätzen, eine Reihe von guten Moderatoren und eine Reihe von guten Produzenten mit guten Ideen. Das ist keine so schlechte Ansammlung von Zutaten. Und sicherlich werde ich an der einen oder anderen Geschichte auch beteiligt sein. Aber – da sind wir wieder am Anfang unseres Gesprächs – ich sehe dem sehr gelassen entgegen.

Wir müssen zum Schluss noch über die Fußball-WM reden. Wie oft haben Sie vor dem Fernseher gesessen und gedacht: „Eigentlich macht Oli Welke da gerade meinen Job“

Kerner: Nie! Ich habe keinen Phantomschmerz (lacht).

Und: Wer wird Weltmeister?

Kerner: Die Mannschaft, die das Finale gewinnt.

Interview: Stefanie Thyssen

Deutschlands Beste“, Mittwoch und Donnerstag, 20.15 Uhr, ZDF

Quelle: tz

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