Pechschwarzes Blut-Inferno im Zeitlupen-Rausch

Der Kreisboten-Kinotipp: "300 – Rise of an Empire"

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Die schöne Artemisia (Eva Green) hat mit ihren griechischen Landsleuten noch ein paar Rechnungen offen.

Mit "300" setzte Regisseur Zack Snyder im Jahr 2007 neue Maßstäbe, nun hat die Mischung aus Comic, Kunstfilm und Splatter eine würdige Fortsetzung. Michael Denks hat sich für unsere Leser mitten in die Schlacht gestürzt.

Mit „300 – Rise of an Empire“ wird die Schlacht bei Artemision (tatsächlich ereignet um 480 v. Chr.) Dreh- und Angelpunkt eines mörderischen und erneut ungleichen Duells. Wir erinnern uns: Bereits 2007 ließ Zack Snyder die Comic-Herzen drei Oktaven höher schlagen, als 300 tapfere Spartaner den Zugang zu den Thermopylen scharf bewachten. Hier wurden ästhetische Maßstäbe praktisch neu erfunden, das Kriegshandwerk wurde in verwaschenen Bildern, im sogenannten Digital-Backlot-Verfahren aufgenommen, bei der sich die Darsteller an keinen realen Schauplätzen aufhalten müssen. „300“ rief aber auch viele Kritiker an den Start, zumeist wurde die drastischen Gewaltdarstellung und das faschistoide Gedankengut negativ aufgefasst – die Fans legen ihre Finger dagegen auf den vorliegenden Comic, der sich nicht an geschichtlichen Maßstäben einer Realität messen muss. 

Obwohl „Rise of an Empire“ eigentlich gar keine Fortsetzung, sondern vielmehr eine Ausdehnung der vorhandenen Story ist, orientiert sich auch dieser Film nur grob an der Historie des antiken Griechenlands. Der Erfolg des Streifens ist schon jetzt praktisch vorprogrammiert: Mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 445 Millionen US-Dollar (bei Produktionskosten von 65 Millionen US-Dollar) war „300“ einer der erfolgreichsten Filme in 2007. 

Inhalt 

König Leonidas steht mit nur 300 Spartanern an den Ausläufern der Thermopylen, doch zeitgleich tobt eine weitere Schlacht. Der Athener Themistokles (natürlich athletisch: Sullivan Stapleton) versucht mit einer winzigen griechischen Seeflotte der persischen Übermacht zu trotzen. Ihm direkt gegenüber steht die schöne Grie- chin Artemisia (natürlich grausam: Eva Green) an Bord der Feinde, mit nur einem Ziel: Griechenland muss brennen! Mit viel Mut, aber noch mehr Intelligenz gewinnt Themistokles eine Schlacht nach der anderen, doch kann er das Unvermeidliche tatsächlich aufhalten? 

Die Reserven der Perser scheinen unendlich. Dazu fehlt es an Erfahrung. Ihm zur Seite stehen nur einfache Bauern und Handwerker. Die Frage, wie Artemisia zur Verräterin wurde, und wie Xerxes (Rodrigo Santoro) zum Gott-König aufsteigt, zeigen viele Rückblenden – nicht immer zum Vorteil der griechischen Geschichte.

Rezension 

Wer geglaubt hat, die Spartaner an den heißen Quellen wären die einzigen, die zu kämpfen wissen, wird schnell eines Besseren belehrt. War der erste Schwertstreich vor sieben Jahren noch das innovativste Rock-Gemetzel der Antike, so haben sich die Bildkomponisten jetzt erst richtig warm gemacht. Die Schlacht wird zum infernalen Kunstwerk, Blut verliert sich in diversen Schwarztönen, fließt, spritzt und tropft in allen Varianten. Selbst der Dreck an den nackten Oberkörpern der Kämpfer wirkt wie eine ästhetische Inszenierung. Die kunstvolle Zeitlupen/Zeitraffer-Choreographie der Thermopylen aus „300“ wird in „Rise of an Empire“ um ein vielfaches gesteigert. 

Das Niveau halten war sicher nicht die Ansage der Filmemacher, hier musste mächtig oben drauf gelegt werden. Den Rest richtet einmal mehr die Musik. Sie verwandelt (wie schon in der parallel stattfindenden Geschichte um Leonidas) die Handlung zu einer Kriegs-Oper biblischen Ausmaßes. In dieser ganzen Glorifizierung von Heldendenkmälern ist kaum ein realer Schrei zu hören, und selbst dieser klingt wie die der dumpfe Kontrabass eines Orchesters. Man darf bei allen, auch hier schon wieder gefährlich kriegsverherrlichenden, Schlachten den Comic-Charakter nicht vergessen, der den Autor Frank Miller ausmacht. 

Hier wird keine Geschichtsstunde pariert, hier werden antike Legenden, übermenschliche Halb-Götter und unnatürliche Kreaturen in ein Schwarz-Weiß-Gemälde mit nur einem Zweck übertragen. Miller erzählt die älteste Geschichte: die von Gut und Böse. Immerhin nimmt sich die Story Zeit, die persischen Motive näher zu beleuchten – so sind die Beweggründe der „Verräterin“ Artemisia durchaus nachvollziehbar. Nicht umsonst hat Miller die Comic-Vorlage „Xerxes“ getauft, der, wie jedes Kind, einmal unschuldig geboren worden ist. Um der allgemeinen Kritik zuvor zu kommen: Das blutrünstige Kino-Spektakel ist nichts für zarte Gemüter, peinliche Verfechter der Historie oder eigefleischte Pazifisten. Hier wird ein harter, gnadenloser Comic zum Leben erweckt – mehr darf man daraus nicht werden lassen.von Michael Denks

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