Die Komödie mit Christiane Paul und Charly Hübner lässt über wohlbekannte Alltagsprobleme schmunzeln, verliert aber rasch an Fahrt

Der Kreisboten-Kinotipp: "Eltern"

+
Die Freude am Elternsein und gestresste Verzweiflung gehen im Film "Eltern" Hand in Hand.

Frauen fühlen sich "endlich mal" verstanden, während die Männer sich überlegen, dass der eigene Nachwuchs vielleicht doch noch ein bisschen warten kann: Die Komödie "Eltern" von Regisseur Robert Thalheimer zeigt Freud und Leid der jungen Großstadtfamilie. Ob zwischen Windeln und Geschäftsmeeting aber auch die Unterhaltung für die Zuschauer nicht zu kurz kommt, weiß unsere Filmkennerin Sandy Kolbuch.

Manch einer kommt schneller zum Nachwuchs als geplant. Vorfreudige Erwartungen mischen sich dann im Strudel der Gefühle oft mit leichter Angst, ob man „dem Ganzen“ auch gewachsen ist. Doch ob man sich wirklich als Elternteil eignet, zeigt sich meist erst Jahre später, wenn man Kind und Berufsleben zwangsläufig unter einen Hut bringen muss. Wachsen mit dem Alter der Kinder auch ihre Bedürfnisse und die damit verbundenen Sorgen, sehen sich die Eltern plötzlich überfordert. In Robert Thalheims Komödie „Eltern“ wird ganz ungeschönt auf die heutigen Anforderungen an berufstätige Erziehungsberechtige geblickt.

Inhalt 

Als moderne Familie können Christine (Christiane Paul) und Konrad (Charly Hübner) stolz auf ihre kleine „Herde“ sein. Während sie im Krankenhaus als Ärztin ihre Karriere vorantreibt, kümmert er sich zu Hause um die gemeinsamen Töchter Käthe (Paraschiva Dragus) und Emma (Emilia Pieske). Doch als Konrad die Chance bekommt, als leitender Regisseur wieder voll in seinen Beruf einzusteigen, droht das gut funktionierende Familienkonzept wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen. Plötzlich stellen sich auch noch die Töchter quer und fordern die bislang fehlende Aufmerksamkeit zurück. Leider kann auch das schwangere Au-pair-Mädchen Isabel (Clara Lago) die Wogen nicht glätten. Eine schwierige Woche beginnt, in der alle mit den neuen Lebensverhältnissen umzugehen lernen müssen.

Rezension 

Zu Beginn lädt die Komödie den Zuschauer auf einen Besuch bei einer „heilen Familie“ ein, bei der die Organisation bestmöglich eingespielt ist. Doch nach und nach beginnt die Fassade zu bröckeln und lässt alltägliche Probleme erkennen. Recht schnell wird deutlich, dass bald etwas passieren muss, wenn die Ehe nicht weiter den Berg hinabrutschen soll. Doch natürlich passiert genau das, was der Zuschauer bereits in den ersten Minuten erwartet: Der Spagat zwischen Familie und Beruf nagt zusehends an den Nerven der Eltern. Ärger und Streit sind genauso vorprogrammiert wie der Aufstand der vernachlässigten Kinder. Ein Wort führt zum anderen, und der Scherbenhaufen der früheren Harmonie wächst stetig an. 

Regisseur Robert Thalheim nimmt sich die Zeit, um das Chaos perfekt zu machen und mit jeder weiteren Szene das drohende Ende zu verdeutlichen. Er gesteht seinen Hauptfiguren auch eine Entwicklung ihres jeweiligen Verhaltens zu, nachdem sie ihre Gedanken, während einer kurzen Verschnaufpause ordnen konnten. So kann die stets gestresste Ärztin plötzlich doch den notwendigen Urlaub von ihrem Chef einfordern und sich wieder ihren Aufgaben als Mutter zuwenden. Konrad, der einstige Hausmann, schafft es hingegen, aus seinem Trott auszubrechen um sich wieder als Mann im Beruf zu etablieren. 

Aber: Was anfangs amüsant gestaltet ist, verliert sich leider ab der Mitte des Films ein wenig. Längen schleichen sich ein, was durch die eingeblendeten Wochentage auch noch umso deutlicher wird. Jeder Tag offenbart sich in gefühlten Stunden, ohne dass Lösungen für die Familienprobleme aufgezeigt werden. Umso befriedigender fällt dann doch das erhoffte Ende aus. Die Komödie eröffnet zweierlei Perspektiven, die die Erwartungen des Publikums durchaus erfüllen, auch wenn Mann und Frau nicht selten mit unterschiedlichen Meinungen das Kino verlassen werden. 

Frauen, die normalerweise Familie, Haushalt und Beruf managen, werden sich in ihrer Rolle des überforderten Elternteils bestätigt fühlen. Männer hingegen werden nach dem Film die geplante Kinderzahl im Laufe der Familiengründung noch einmal genau überdenken. 

Christiane Paul („Das Adlon“, „Die Vampirschwestern“) und „Polizeiruf 110“-Darsteller Charly Hübner ergänzen sich als Eltern im erwarteten Rahmen. Beide sind mit Ecken und Kanten, aber auch mit einer großen Portion Sympathie versehen, wodurch ihre Ansichtsweisen verständlich dargestellt werden können. Rotzfrech und unerwartet impulsiv präsentieren sich die zwölfjährige Paraschiva Dragus und ihre siebenjährige Filmschwester Emilia Pieske. Die Sprüche der beiden talentierten Mädchen sorgen für Erheiterung und lassen gleichzeitig ihre innere Verletztheit spürbar werden.

Fazit: „Eltern“ ist eine Komödie, die ganz realistisch und völlig ungeschönt den Alltag im Heute widerspiegelt. Humorvolle Sprüche der Kinder prallen auf ernste Ansichten der Eltern und sorgen dadurch für wohlbekannte Perspektiven. Leider ist der Mittelteil etwas zäh geraten. von Sandy Kolbuch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Höhle der Löwen (VOX): Gründer lassen Baupläne zum Leben erwecken - so funktioniert es
KINO + TV
Höhle der Löwen (VOX): Gründer lassen Baupläne zum Leben erwecken - so funktioniert es
Höhle der Löwen (VOX): Gründer lassen Baupläne zum Leben erwecken - so funktioniert es
Bauer sucht Frau (RTL): Anna verrät Schicksalsschlag – „Schmerz ist da“
KINO + TV
Bauer sucht Frau (RTL): Anna verrät Schicksalsschlag – „Schmerz ist da“
Bauer sucht Frau (RTL): Anna verrät Schicksalsschlag – „Schmerz ist da“
„Bauer sucht Frau“-Spoiler: Hottie Björn nimmt diese 5 Frauen zu sich auf den Hof
KINO + TV
„Bauer sucht Frau“-Spoiler: Hottie Björn nimmt diese 5 Frauen zu sich auf den Hof
„Bauer sucht Frau“-Spoiler: Hottie Björn nimmt diese 5 Frauen zu sich auf den Hof
Dieter Bohlen (RTL) wird von Bauch-Monster gejagt
KINO + TV
Dieter Bohlen (RTL) wird von Bauch-Monster gejagt
Dieter Bohlen (RTL) wird von Bauch-Monster gejagt

Kommentare