Die letzten ihrer Art

Arte zeigt Goodbye-Show der Monty Pythons  

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Immer noch in bester Blödellaune: John Cleese, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin und Terry Gilliam (von links).

München - Irgendwer muss die Zeit gestoppt haben. 43,5 Sekunden – so lange soll es gedauert haben, bis sämtliche 20000 Tickets für die erste Bühnenshow der wiedervereinten Komikertruppe Monty Python vergriffen waren.

Ganz offenbar haben erhebliche Teile des Vereinigten Königreichs, wenn nicht der ganzen Welt, sehnlichst darauf gewartet, dass eine Riege ergrauter Herren einen mehr als 40 Jahre alten Sketch über einen toten Papagei wiederbelebt. Aber natürlich sind Monty Python nicht irgendeine Komikertruppe, und natürlich ist der Dead Parrot-Sketch nicht die einzige Humorerrungenschaft des BBC-Gewächses, das längst den Status eines internationalen Kulturguts innehat. Zehn Shows gaben die kultisch verehrten Comedy-Erneuerer zwischen dem 1. und 20. Juli in der Londoner O2-Arena, die letzte wurde live in ausgewählte Kinosäle in Europa und den USA übertragen. Jetzt erreicht das wohl finale Goodbye der genialen Engländer das TV-Programm des Kultursenders Arte – unter dem trefflichen Titel Monty Python live (mostly).

Ab Ende der 60er-Jahre krempelten Monty Python erst die ehrwürdige BBC und dann die Welt der Comedy mit den Mitteln der subtilen Subversion um. Nicht weniger populär als ihre revolutionäre TV-Sketch-Show Flying Circus wurden gloriose Kinofilme wie Die Ritter der Kokosnuss (1975) und Das Leben des Brian (1979). 1983 löste sich das Kollektiv auf, sechs Jahre später starb Graham Chapman an Krebs. Der schauspielerisch vielleicht talentierteste Python fehlt nun begreiflicherweise auch beim Comeback, wenngleich der Titel der Show seinem Gedenken angemessen sarkastisch huldigt: One Down Five to Go. Frei übersetzt: Einer ist tot, die fünf Überlebenden sind auf dem besten Weg, ihm zu folgen.

Zwischen 71 und 74 Jahre sind die Herren John Cleese, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin und Terry Gilliam – der einzige Amerikaner unter vier Briten – alt. Man liest dieser Tage von künstlichen Hüftgelenken und dritten Zähnen. Auch von teuren Scheidungen, kostspieligen Liebschaften und überzogenen Dispo-Krediten, die bei den Reunion-Plänen eine entscheidende Rolle gespielt hätten. Natürlich sind die Pythons Profis genug, um die Umstände ihres Comebacks höchstselbst und sehr genüsslich durch den Kakao zu ziehen. Überhaupt waren bereits die Pressekonferenzen zu ihren Live-Shows erheblich lustiger als bei anderen Comedians das eigentliche Programm.

„Wenn man eine Band sagen hört, jetzt spielen wir unsere neuen Songs, weiß man, es ist Zeit, auf die Toilette zu gehen“, sagte Eric Idle bei einer solchen Gelegenheit. Heißt: Die Pythons boten den Zuschauern in London überwiegend altbekannte Sketche, nicht immer ganz textsicher, aber jederzeit charmant. Ohnehin dürften viele auf den Rängen die Texte gedanklich mitgesprochen ­haben: beim Sketch aus dem Ministry of Silly Walks, dem über die Spanische Inquisition, dem Holzfällerlied und all den anderen unvergesslichen Preziosen aus dem Oeuvre der weltgrößten Klamaukkünstler.

Unterstützt wurden die gesetzten Granden vom einem blutjungen Ensemble, auf das ein wenig Bewegung in die Darbietungen komme – das sei ihnen verziehen. Sehr zu loben sind sie sogar für den Einfall, den Physiker und erklärten Python-Fan Stephen Hawking eine Videobotschaft einsprechen zu lassen. Es gibt im Showbusiness nicht viele Reunions, über die man sich ganz ohne fahlen Beigeschmack freuen darf. Dieses hier ist eine Ausnahme. Der Papagei ist tot, es lebe der tote Papagei!

Jens Szameit

"Monty Python live (mostly)"

Mittwoch, 21.30 Uhr, Arte

Quelle: tz

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