"Der schmale Grat der Wahrheit"

Moretti als Berglegende Luis Trenker

+
Tobias Moretti (als Luis Trenker) und Brigitte Hobmeier (als Leni Riefenstahl) posieren beim BR-Set-Termin in der Musikhochschule in München.

München - Mit großem Aufwand entsteht an Originalschauplätzen in München die wahre Geschichte zweier machtgieriger Opportunisten - Luis Trenker (Tobias Moretti) und Leni Riefenstahl (Brigitte Hobmeier).

Stark unterhaltsam, mitunter auch saupeinlich ist diese Eifersuchtsgeschichte, die es bald (2015 im Ersten) zu sehen gibt. Eine allzu menschliche Tragödie, ein Promi-Zickenkrieg, gewürzt mit etwas Sex, viel Macht und – eher wenig Rückgrat. Der schmale Grat der Wahrheit folgerichtig auch der Arbeitstitel der BR-Produktion um Luis Trenker (und Leni Riefenstahl), die noch bis Ende Juli aufwendig und an Originalschauplätzen gedreht wird.

Plot: Trenker (Tobias Moretti) Südtiroler Bergsteiger-Legende, Schauspieler und Regisseur – will 1948 bei den Filmfestspielen in Venedig die Tagebücher Eva Brauns (die sie ihm angeblich anvertraut hat), nach Hollywood verkaufen. Trenker träumt von der Karriere als US-Regisseur mit Marlene Dietrich als Leni Riefenstahl (im BR-Film gespielt von Brigitte Hobmeier), die nackt vor Hitler auf dem Obersalzberg tanzt… Gleichzeitig wird vor dem Münchner Landgericht verhandelt. Regisseurin Riefenstahl (Brigitte Hobmeier) will sich nicht als Hitlers Geliebte verunglimpft sehen… Sie unterstellt ihrem Ex-Geliebten Trenker, die Tagebücher aus Rache und Eifersucht gefälscht zu haben. In Rückblenden und Zeitsprüngen erzählt der Film diese wahre Geschichte zweier Opportunisten, die sich, besessen vom Willen nach künstlerischem Erfolg, instrumentalisieren ließen…

Der Eine: Eine „buntschillernde Gestalt, eine absurd-traurige Figur“ so Tobias Moretti über diesen Trenker, dem er sich auch als Drehbuch-Mitarbeiter und mit viel Recherche „angenähert“ hat, den er auch „gern gewonnen habe“ in der großen Erzählwoge dieses Films“. Trotz dieser „zerrissenen Persönlichkeit, wo man schon sehr aufpassen müsse.“ Trenker ist für Moretti ein ehrgeiziger „Märchenonkel“, ein „unglaublicher Dampfplauderer und Schwindler“, der „immer vorflunkern konnte, was er wollte, weil er meinte, ihm glaubten sie ’eh immer alles.“

Die Andere: Eine „Besessene, die ums Verrecken in der Kultur sein wollte“, eine „echte Alphatierjägerin“, die den Leuten auch schon mal körperlich an die Gurgel ging“, so Brigitte Hobmeier (Ende der Schonzeit) über „ihre“ Leni: „Für mich ist sie mit Hitler gigantomanisch geworden“, so Hobmeier.

Zusammen: Zwei, die aus der dritten Reihe in die erste katapultiert wurden und sich nicht darein fügen wollten, wieder nach hinten treten zu müssen. Erstklassig an beiden war auf jeden Fall ihr unbedingter Wille zur Macht. Und wenn der aufeinander prallt, wird nicht nur beim Filmdreh „so viel Energie frei, dass das wir uns hinterher schütteln mussten“, lacht Hobmeier. Das Resultat ist ein Spektakel um die maßlose Gier zweier charismatischer Ungeheuer, von beiden Seiten „vorgetragen mit einer Dreistigkeit“ (Autor Probst), die uns heute sehr befremdet. „Das ist an der Grenze zur Peinlichkeit“, sagt auch Moretti und entbehrt daher „auch nicht einer gewissen Komik“.

Oliver Menner

Auf den Schwingen der Macht

Luis Trenker in einer Szene des Films "Sein bester Freund" aus dem Jahr 1962.

Er starb 1990 mit 97 Jahren, galt als knorriger Naturbursch’, als Bergfex, war eine lebende Legende. Mit Filmen wie Der heilige Berg (1926), Berge in Flammen (1931) und Der Berg ruft (1937) hatte sich Luis Trenker früh unsterblichen Ruhm erworben. Der kostete allerdings auch seinen Preis: Der Südtiroler musste jahrelang zwischen seinen beiden Gönnern Mussolini und Hitler lavieren – auch das eine äußerst schwierige Gratwanderung. Er avancierte zeitweilig zum Protegé von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels (schon allein deswegen, weil er einer der größten Gegenspieler von Hitler-Liebling Leni Riefenstahl war), der ihn später aber wieder „abservieren“ lassen wollte. Nach der verpassten Anschlusskarriere arbeitet Trenker nach dem Krieg meist fürs Fernsehen, und verkaufte Bücher in Millionenauflagen.

Sie wurde 101 Jahr alt. Leni Riefenstahl starb 2003 in Pöcking. Bevor sie als Filmregisseurin im Dritten Reich ganz neue Maßstäbe für den Dokumentarfilm setzte, hatte sie eine erfolgreiche Karriere als Tänzerin und Schauspielerin begonnen. Mit ihrem Olympia-Film (1936) und den Parteitagsfilmen Sieg des Glaubens (1933) und Triumph des Willens (1934) schuf sie dann den Nazis eine neue, eigene Bildersprache, die durch pure faschistische Ästhetik verführte. Wegen ihrer Nähe zu Hitler (Riefenstahl war eine der wenigen Frauen. die der „Führer“ in seiner Nähe duldete, als gleichwertig akzeptierte und deren Rat er sogar annahm) wurde die Ausnahme-Regisseurin nach dem Zweiten Weltkrieg – anders als Luis Trenker – allerdings weitgehend im deutschen Kulturleben gemieden. Ihr Ego suchte sich Ersatzbefriedigungen: Noch mit 60 Jahren fotografierte sie die Nuba im entlegenen Südsudan und erlernte mit über 70 Jahren den Tauchsport. Mit den Nuba- und Unterwasser-Fotografien feierte sie dann im hohen Alter erneut große internationale Erfolge.

Quelle: tz

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Alles nur Lüge? Katrin Bauerfeind offenbart merkwürdiges Weltbild
Alles nur Lüge? Katrin Bauerfeind offenbart merkwürdiges Weltbild
TV-Eklat um Tim Mälzer - Koch vergreift sich gegenüber Zuschauerin im Ton
TV-Eklat um Tim Mälzer - Koch vergreift sich gegenüber Zuschauerin im Ton
"Das hat man schon Tausend Mal gesehen": Vernichtende Kritik bei Shopping Queen
"Das hat man schon Tausend Mal gesehen": Vernichtende Kritik bei Shopping Queen
„Bachelor in Paradise“-Gewinner 2019: Diese Paare sind offenbar nach Drehschluss noch zusammen
„Bachelor in Paradise“-Gewinner 2019: Diese Paare sind offenbar nach Drehschluss noch zusammen

Kommentare