"Könnte weinen, so schlecht war das"

Kunst oder Katastrophe? Das sagen die Tatort-Fans

Tatort Miro Nemec Udo Wachtveitl
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Die BR-Kommissare Miro Nemec (li.) und Udo Wachtveitl

München - War der Münchner "Tatort" wirklich so schlecht? Liest man die Kommentare der Fans und Kritiker im Netz, könnte man meinen, der "Tatort" war eine "Katastrophe von A bis Z". Aber: Es gibt auch positives Feedback.

Sorry BR, aber dieser München-Tatort war so was von schlecht“, schrieb tz-Leser Peter Aschauer aus Bad Reichenhall am Montagmorgen empört an die Redaktion. Es sei schade, dass sich die erfahrenen Schauspieler für so einen „Schwachsinn“ hergäben. „Bis jetzt war der Münchner Tatort immer ein Highlight, aber inzwischen sind die Wiener und Münsteraner um Jahrzehnte voraus.“ Wenn er nur an die letzten Fälle mit Harald Krassnitzer oder Axel Prahl und Jan Josef Liefers denke, so Aschauer, könnte er „fast weinen, so schlecht war der Krimi!“

Hier gibt's den München-Tatort in der ARD-Mediathek

Unser Leser steht mit seiner Meinung nicht alleine da – ganz im Gegenteil. Auf allen möglichen Kanälen ließen Krimifans schon am Sonntagabend ihren Dampf ab und diskutierten wild über den Fall Aus der Tiefe der Zeit, den Starregisseur Dominik Graf inszeniert (und in der tz am Montag bereits verteidigt) hatte. War das nun Kunst oder eine Katastrophe, was der 61-jährige Münchner uns da präsentiert hat?

Münchner "Tatort": Wirr und überladen

Auf der Internetseite tatort-fundus.de kommentieren seit Jahren Fans (!) der Kultreihe die einzelnen Folgen. Vor allem die rasante Machart des BR-Films machte den erfahrenen Tatort-Schauern das Leben schwer. „Hektisch“, „verworren“, „kompliziert“ und „konfus“ – nur Wenige hatten kein Problem mit den superschnellen Schnitten und der fordernden Bildsprache. „Durchzuhalten war sehr schwer“, resümierte ein User. „Eine Katastrophe von A bis Z“, meinte ein anderer. Und Häme gab es auch: „Schade, dass Godzilla nicht im Bild war, als er am Schluss das Haus zerstörte.“ Im Ranking der Fans landete Aus der Tiefe der Zeit gestern Nachmittag auf Platz 886 von 897.

Positive Kommentare gab es natürlich auch, wenngleich in der Minderheit. Hervorgehoben wurde dann vor allem, dass dieser Tatort „mal etwas anderes“ sei im Vergleich zu der konventionellen Ware, die man von anderen Ermittlerteams gewöhnt sei.

Quotenprotokoll: 1,65 Millionen haben einfach aus- oder umgeschaltet

Auch in der Zuschauerredaktion des Bayerischen Rundfunks gab es mehr Resonanz als sonst auf einen Tatort. Ähnlich wie im Internet überwogen auch dort die kritischen Stimmen.

Wie schlecht manche Zuschauer die insgesamt 65. Folge des Münchner Teams fanden, kann man an einem Quoten-Protokoll ablesen, das der tz vorliegt (siehe Tabelle). Schauten um 20.15 Uhr noch fast zehn Millionen Menschen ARD, waren es um 21.45 Uhr „nur“ noch gut acht Millionen. 1,65 Millionen haben einfach aus- oder umgeschaltet. Gerade für einen Krimi ein ungewöhnlicher Verlauf, schließlich wird es – meistens – gegen Ende der 90 Minuten noch mal richtig spannend. Von der Auflösung des Falls, die man verpasst, ganz zu schweigen.

Immerhin – eines ist den Machern gelungen: Man diskutiert über ein Fernsehereignis. Und das ist doch allemal besser, als einen Film totzuschweigen.

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Der schlechteste Tatort aller Zeiten?

THY

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