Münchner komponierte Tatort-Musik

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Hier entstand die Musik zu insgesamt über 100 Filmen: Fabian Römer in seinem Münchner Studio

München - Ein Münchner hat die Musik zur Tatort-Folge vom kommenden Sonntag komponiert. Der tz erklärt er, wie er dabei vorgegangen ist.

Am Montagmorgen wird sein E-Mail-Postfach wieder sehr viel voller sein als üblich. „Sehr geehrter Herr Römer“, wird dann vermutlich jemand schreiben. „Die Filmmusik zum Tatort gestern Abend hat mir sehr gut gefallen, hätten Sie vielleicht die Möglichkeit, mir eine CD zu schicken?“ Oder, auch das ist schon vorgekommen: „Hi Fabian, coole Mucke. Schickst Du mal ein mp3 rüber?!“

Fabian Röme r mit tz-Redakteurin Stefanie Thyssen

Fabian Römer freut sich sehr über solche Zuschriften. Der 38-Jährige nimmt sie – und das völlig zurecht – als Bestätigung für seine wunderbare Arbeit. Römer ist Filmmusik-Komponist, mit einem Faible für gute Krimis. Der Soundtrack zu dem herausragenden Frankfurter Tatort: Weil sie böse sind, der Sonntagabend im Ersten wiederholt wird, stammt zum Beispiel von ihm – und bekam 2010 den Deutschen Fernsehmusikpreis und den Deutschen Fernsehpreis.

„Dieser Film ist für mich ein gutes Beispiel dafür, dass ein Tatort viel mehr bieten kann als eine reine „Wer-ist-der-Mörder“-Dramaturgie“, sagt Römer. „Die Geschichte ist gleichermaßen gesellschaftskritisch, anrührend und komisch grotesk.“ Entsprechend hat Römer, verheiratet und Vater dreier Töchter, auch die Musik komponiert. „Generell ist es so, dass die Musik in einem Film nicht die Emotionen vorwegnehmen sollte“, erklärt der Schweizer, der im Hauptfach Violine studiert hat. „Dann wird es schnell langweilig. Wenn ich dem Zuschauer über die Musik sage: So, hör zu, jetzt wird es spannend – zum Beispiel, indem sich ganz profan zwei Töne aneinander reiben – dann nehme ich ihm die Möglichkeit, seine eigene Fantasie spielen zu lassen.“

Bei Weil sie böse sind hat Römer im hinteren Teil des Films auf verstörende Klänge gesetzt. Mit Klavier, Klangschale und elektronisch verfremdeten Naturinstrumenten. „Gleichzeitig besitzt die Musik ein orchestrales Thema, welches immer wieder die Ausweglosigkeit der Protagonisten aufzeigt“, so Römer. „Die Musik wird im Laufe des Films immer ,schräger‘ – wie der Film auch – und entwickelt beim Zuschauer einen Sog.“

Die passenden Töne zu Mord und Totschlag kommen dem Wahlmünchner meist, wenn der Film schon abgedreht ist. Erste Ideen entwickelt er beim Lesen des Drehbuchs, manchmal setzt er sich dann schon ans Klavier, aber richtig konkret wird es, wenn der Film geschnitten wird – und dann geschieht natürlich alles in Absprache mit dem Regisseur und dem zuständigen Redakteur des jeweiligen Senders.

„Während der Arbeit zu Weil sie böse sind hatte ich viel Freiraum“, erinnert sich Römer. „Das ist natürlich klasse und gleichzeitig verstehe ich diese Freiheit als Pflicht, etwas Interessantes draus zu machen.“ Und das ist ihm gelungen. Wer den Film sieht, gerne auch ein zweites Mal, wird es hören und spüren.

Fabian Römer ist ein Filmkomponist aus Leidenschaft, arbeitet in seinem Studio in Neuhausen zwölf Stunden am Tag, immer auf der Suche nach etwas Neuem. Nur an einer Musik würde er niemals rütteln wollen: dem Vorspann zum Tatort. „Die Musik von Klaus Doldinger ist genial. Mir würde nicht im Traum einfallen, daran etwas zu verändern“, sagt der Schweizer. „Die verbinden doch alle mit dem Tatort.“

Stefanie Thyssen

Darum geht es in dem Tatort

Der Tatort: Weil sie böse sind war der 17. Fall der inzwischen ehemaligen Frankfurter Ermittler Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf). Erzählt wird die Geschichte von Rolf H. (Milan Peschel). Er ist alleinerziehender Vaters eines autistischen Sohnes und völlig verzweifelt, weil er nicht das Geld hat, um wichtige Therapien bezahlen zu können. Eines Tages bittet er die reiche Familie Staupen um Hilfe, deren Vorfahren vor allem deswegen zu Wohlstand gekommen waren, weil sie H.s Familie betrogen hatten. Mit der Bitte konfrontiert, demütigt der alte Staupen (Markus Boysen) Rolf H. so lange, bis der ihn erschlägt. Noch in der Nacht findet sein Sohn Balthasar Staupen ­(Matthias Schweighöfer) seinen toten Vater und schmiedet einen Plan …

„Tatort: Weil sie böse sind“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Quelle: tz

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