Echt schräg, der Yoga-Jens: tz-Kritik

Neuer Tatort-Ermittler: Debüt fast missglückt

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Anders-Sein als Pflicht: Devid Striesow mit Mila Böhning

München - Wieder ein schräger neuer Tatort-Ermittler! Kommissar Jens Stellbrink, gespielt von Devid Striesow, debütierte am Sonntagabend. Sein Einstand wäre beinahe missglückt: die tz-Kritik.

Was waren das noch für Zeiten, als Tatort-Kommissare nichts weiter waren als Ermittler. Ganz normale Polizisten, die ihre Arbeit machten, einen Mord aufklärten, die Bösen überführten und die Guten zurückholten ins Leben. So einfach war das früher. Und – das muss man schon auch sagen – mitunter so langweilig.

Aber heute? Kann es anscheinend gar nicht schräg genug zugehen auf den Tatort-Revieren! Ist ja auch klar: Bei über 20 Ermittlern und Teams, die es inzwischen gibt, muss sich jeder neue Cop etwas ganz Besonderes, etwas total anderes einfallen lassen. Woher nähme er sonst seine Berechtigung?!

Genau in diese Kerbe schlägt nun auch der Saarländische Rundfunk mit seinem Kommissar Jens Stellbrink, gespielt von Devid Striesow. Stellbrink ist ein Typ, den es tatsächlich so noch nicht gibt in der deutschen TV-Ermittler-Szene. Schräg ist da fast untertrieben. Sonntag Abend hatte er Premiere. Und wie er da mit Gummistiefeln, kurzer Hose und übergroßen Kopfhörern, aus denen Reggaemusik klang, durch einen Baumarkt schlappte – gestört, würde man denken, wenn man so einen „im echten Leben“ sähe. Yoga macht der Jens auch und eine ausgeprägte weibliche Ader hat er obendrein (anders als seine KollegIN, könnte man böse sagen). So weit, so originell, aber vor allem: so überladen und so unrealistisch.

Es war einzig und allein der schauspielerischen Fähigkeit des Hauptdarstellers Striesow zu verdanken, dass dieser Tatort nicht völlig missglückt ist und zur unfreiwilligen Krimiposse wurde. Gerade in den ruhigen, emotionalen Szenen mit dem Mädchen Melinda, dessen Identität und Geheimnis es zu klären galt, zeigte der 39-Jährige, warum er zu den Besten gehört, die wir zurzeit haben. Die Geschichte war es jedenfalls nicht, die einen fesselte. Zu verworren manche Wendung, zu wenig zu Ende gedacht manche Entwicklung. Zu viele Fragen offen.

Am Ende kam Stellbrink, der wegen seiner schrägen (!) Ermittlungsmethoden (einmal bedrohte er eine Kollegin mit der Dienstwaffe) normalerweise dreimal gefeuert gehört hätte, mit einem Disziplinarverfahren davon. Er darf weitermachen. Das geht, im Prinzip, schon in Ordnung. Ein besseres Drehbuch wäre ihm aber zu wünschen. Und dann bitte etwas runter vom Gas!

Übrigens: Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau vom Rostocker Polizeiruf 110 sind ganz normale Polizisten und liefern hochklassige Filme ab! Das geht heute also auch …

St. Thyssen

Quelle: tz

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