Der Schauspieler über den Tod seiner Frau

Es ist nicht leicht, ein (Alexander) Held zu sein

+
Alexander Held als TV-Kommissar Ludwig Schaller.

München - "In diesem Jahr musste ich mir meinen Namen hart verdienen“, sagt Alexander Held. Der tz erzählt der beliebte TV-Kommissar vom schweren Schicksalsschlag, der ihn 2014 ereilte.

Der Münchner Schauspieler kämpft jeden Tag ein bisschen, um als Held aus der Katastrophe zu gehen, die das Leben ihm 2014 beschert hat. Dabei fing alles so gut an: Mit einer Rolle und Reise auf dem Traumschiff und einer Nominierung für den Bayerischen Fernsehpreis als bester Schauspieler in der ZDF-Krimireihe München Mord.

Alexander Held und seine Patricia auf dem Opernball in Frankfurt am Main im Jahr 2009.

„Meine Frau hat sich unglaublich für mich gefreut. Sie war gerade in ein Buch vertieft, als ich den Telefonanruf vom bayerischen Wirtschaftsministerium bekam. Und ich weiß noch, wie ihr vor Freude eine Träne übers Gesicht lief“, erinnert sich Held (56). Nur wenige Tage vor der feierlichen Preisverleihung stirbt Patricia Fugger von Babenhausen völlig überraschend an einer inneren Blutung – gerade mal 51 Jahre alt. Held findet seine Frau bei seiner Rückkehr von Dreharbeiten leblos im Schlafzimmer.

Es ist Sonntagmittag, und wir sitzen im Lieblingsgasthaus des Schauspielers in Tirol. Nur wenige Kilometer den Berg hoch hat er mit seiner Frau eine ehemalige Sennerei umgebaut. Ein Stück Heimat und „ein unglaublich guter Kontrast zu meinem Berufsleben, das mich ja fast immerzu in Städte führt“, sagt Held, der in München geboren und aufgewachsen ist.

Als Kommissar Ludwig Schaller ermittelt er in der Heimatstadt und eröffnet den neuesten Fall in München Mord, den das ZDF am Samstag zeigt, mit den deftigen Worten: „München kriecht den Reichen in den Arsch.“ Ob Held die Hassliebe seines Kommissars teilt? „Es ist schon so, dass man das, was man besonders liebt, auch besonders kritisch betrachtet“, gibt er zu. „Wenn man die Mietpreisspirale sieht und erlebt, wie viele Altmünchner aus dem Zentrum katapultiert werden, weil sie sich die Wohnungen nicht mehr leisten können, dann fällt es mir schwer, den Slogan Munich loves you ernst zu nehmen“, sagt er.

Die Arbeit hat Held geholfen

Er schätzt seine Kommissaren-Rolle, mag den schrulligen Charakter, von dem er gleich wusste, dass er ihn spielen will. Mit Bernadette Heerwagen und Marcus Mittermeier habe er eine Verbindung gefunden, „die das Ganze zum Klingen bringt“. Dass die Figur des unkonventionellen Ermittlers in diesem Jahr mit dem Bayerischen Fernsehpreis dekoriert wurde, freut Alexander Held. Den Porzellan­panther widmete er am 23. Mai in einer bewegenden Ansprache seiner Frau. Ein emotionaler Kraftakt nur acht Tage nach ihrem Tod. „Ich hatte das Gefühl, von ihr gut begleitet zu sein. Mir war wirklich nicht nach Feiern zumute, aber ich wusste genau, dass ich es für Patricia machen muss.“

Die ersten Dreharbeiten, zu denen er kurz darauf antrat, seien surreal gewesen. Gleichzeitig habe ihm die Arbeit geholfen: „Ich hatte das Gefühl, mich dank meiner Kollegen in einem geschützten Raum bewegen zu können.“ Auch die alte Sennerei, in der sich seine Frau so wohlgefühlt hat, gibt Held „eine emotionale Stabilität“. Vom Garten, in dem er ihre Asche beigesetzt hat, öffnet sich ein atemberaubender Blick aufs Inntal. „Hier kann ich auftanken. Ich entdecke Dinge, die mir in der Stadt fremd waren. Ich begegne der Natur ganz anders – und sie mir.“

Ein paradiesisches Fleckchen, das auch Terrier-Mischling Gladys liebt. Ausgelassen tobt sie über die Wiesen. „Wann immer ich von Dreharbeiten heimkomme, bringe ich ihr ein Wiener Würstchen mit und erzähle eine Geschichte. Nur einmal, als ich zweieinhalb Monate in Afrika gedreht habe, war sie so beleidigt, dass sie es wieder ausgespuckt hat.“

Nein, der Schauspielerei kann Gladys wenig abgewinnen, auch wenn sie die Gastfreundschaft auf der nahe gelegenen Alm genießt. Zu oft ist Herrchen unterwegs – zuletzt um zwei neue Episoden der ZDF-Krimireihe Stralsund in Hamburg abzudrehen. Was das Beste daran ist, Schauspieler zu sein? „Dass man immer wach bleiben muss, anderen und sich selbst gegenüber. Mit jedem Projekt fängt man ein Stück weit von vorn an. Und das ist spannend.“

Einen Neuanfang muss Ale­xander Held auch jetzt wagen. Im Haus hängt ein großes Foto von ihm und seiner Frau Patricia, auf dem sie glücklich lächeln. „Es ist ein bisschen wie ein ­Barometer, an dem ich meinen Gemütszustand ablesen kann“, sagt er. „Am Anfang konnte ich es gar nicht anschauen, heute geht das ganz gut. Aber natürlich merke ich, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe.“

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Es brachte viel Anerkennung, wie die für Helds großartigen Auftritt im Tukur-Tatort: Im Schmerz geboren, und es brachte große Trauer, mit der der Schauspieler nicht allein ist. „Solche Schicksalsschläge passieren prominenten Menschen genauso wie unbekannten. Der Tod ist ja der verlässlichste Teil unseres Lebens“, sagt er nachdenklich. „Nur das Timing liegt nicht in unserer Hand, und das war im Fall meiner Frau sehr schlecht.“

Die Nachmittagssonne taucht die Tiroler Berge in goldenes Licht. Alexander Held lässt den Blick auf ihnen ruhen und wagt eine Prognose fürs neue Jahr: „Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg, das Leben zu leben und nicht nur zu existieren.“

Astrid Kistner

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Alles nur Lüge? Katrin Bauerfeind offenbart merkwürdiges Weltbild
Alles nur Lüge? Katrin Bauerfeind offenbart merkwürdiges Weltbild
“Wer wird Millionär“: Kandidatin kurz vor Blamage - Jauch: „Wenn es so weitergeht ...“
“Wer wird Millionär“: Kandidatin kurz vor Blamage - Jauch: „Wenn es so weitergeht ...“
TV-Eklat um Tim Mälzer - Was er zu Zuschauerin sagt, empört Juror und Publikum
TV-Eklat um Tim Mälzer - Was er zu Zuschauerin sagt, empört Juror und Publikum
"Das hat man schon Tausend Mal gesehen": Vernichtende Kritik bei Shopping Queen
"Das hat man schon Tausend Mal gesehen": Vernichtende Kritik bei Shopping Queen

Kommentare