Nach einer wahren Geschichte

"Philomena": Menschenhandel im Namen Gottes

Berlin - In seiner anrührenden Produktion „Philomena“ erzählt Regisseur Stephen Frears eine wahre Geschichte. Sehen Sie hier den Kinotrailer:

Am 50. Geburtstag des verlorenen Sohnes bricht die alte Dame ihr Schweigen. So viele Jahre ist es her, dass man der minderjährigen Schwangeren in einem katholischen Schwesternheim ihr Kind wegnahm und an finanzkräftige Adoptiveltern in den USA verkauft hatte. Doch Philomena Lee (Judi Dench) hat ihren Sohn nie vergessen und jedes Jahr im Stillen eine Kerze für ihn angezündet. Gefunden hat sie ihn trotz vieler Bemühungen nie, und so erzählt sie an diesem Jahrestag erstmals ihrer ebenfalls längst erwachsenen Tochter vom älteren Halbbruder. Diese wendet sich an den Fernsehjournalisten Martin Sixsmith (Steve Coogan), und der bringt nach anfänglichem Desinteresse tatsächlich ein paar Steine ins Rollen.

Nach einer wahren Geschichte

Im Namen Gottes hat die katholische Kirche über die Jahrhunderte viel Schlimmes über die Menschen gebracht. Ein dunkles Kapitel ist sicher der perfide Menschenhandel, der von britischen Klöstern aus in den Fünfzigerjahren systematisch betrieben wurde. Der ehemalige BBC-Reporter Martin Sixsmith hat in seinem Bestseller „The Lost Child“ aufgedeckt, wie ungewollt schwangeren Mädchen damals in Schwesternheimen die Kinder weggenommen wurden, und wie die jungen Frauen systematisch gequält und zur Schwerstarbeit verdonnert wurden.

Mit „Philomena“, der lose auf dem Buch von Sixsmith beruht, knüpft der britische Starregisseur Stephen Frears („Gefährliche Liebschaften“, „High Fidelity“, „The Queen“) an seine ganz frühen, markant sozialkritischen Erfolge wie „Mein wunderbarer Waschsalon“ oder „Sammy und Rosie tun es“ an.

Oscars: Die besten Hauptdarstellerinnen seit 2000

Oscar Hauptdarstellerinnen
Ihren ersten Oscar als beste Hauptdarstellerin bekam Hillary Swank im Jahr 2000 für ihre Rolle als Transsexueller in "Boys Don’t Cry". © dpa
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Basierend auf einer wahren Begebenheit verkörpert Julia Roberts im gleichnamigen Film die taffe Umweltaktivistin Erin Brockovich und wurde dafür im Jahr 2001 mit einem Oscar belohnt. © dpa
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Als erste afro-amerikanische Schauspielerin bekam Halle Berry 2002 als beste Hauptdarstellerin im Drama "Monster's Ball" einen Oscar. © dpa
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Im Jahr 2003 durfte sich Nicole Kidman über die begehrte Trophäe freuen. Als Virginia Woolf in der Literaturverfilmung "The Hours" überzeugte sie die Academy-Jury. © dpa
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Als Mörderin Aileen Wuornos in "Monster" erkennt man Charlize Theron kaum wieder. Ihre schaupielerische Ausnahmeleistung wurde im Jahr 2004 mit einem Oscar belohnt. © dpa
Fünf Jahre nach ihrem ersten Oscar durfte sich Hillary Swank über die zweite Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin freuen, diesmal für ihre Rolle im Boxdrama "Million Dollar Baby". © dpa
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In der Filmbiografie um Johnny Cash, "Walk the Line", spielt Reese Witherspoon die Country-Sängerin June Carter. Für diese Rolle bekommt sie im Jahr 2006 einen Oscar. © dpa
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Für ihre Rolle als Königin Elisabeth II. in "Die Queen" wurde Helen Mirren 2007 als beste Hauptdarstellerin geehrt. © dpa
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Das französische Drama "La vie en rose" brachte Hauptdarstellerin Marion Cotillard im Jahr 2008 einen Oscar ein. © dpa
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Nach zahlreichen Nominierungen bekam Kate Winslet 2009 endlich einen Oscar für ihre Rolle in der Literaturverfilmung "Der Vorleser". © dpa
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Für die Hauptrolle im Drama "The Blind Sight" heimste Sandra Bullock im Jahr 2010 einen Oscar ein. © dpa
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Im Psychothriller "Black Swan" brilliert Natalie Portman als Primaballerina, die die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verliert. Der Oscar im Jahr 2011 war der verdiente Lohn. © dpa
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Nachdem sie bereits 1980 für ihre Nebenrolle in "Kramer gegen Kramer" und 1983 als beste Hauptdarstellerin (Sophies Entscheidung) geehrt wurde, bekam Meryl Streep 2012 ihren dritten Oscar. Als Premierministerin Margaret Thatcher, die "Eiserne Lady", überzeugte sie die Jury der Academy. © dpa
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2013 durfte sich Jennifer Lawrence über die begehrte Trophäe freuen. An der Seite von Bradley Cooper spielt sie die emotional instabile Tiffany in der Tragikkomödie "Silver Linings". © dpa

In Rückblenden erfährt der Zuschauer vom elenden Dasein der jungen Frauen im Kloster. Und auch von der Bosheit der Nonnen, die dem Sohn wie der Mutter bei der Suche nach dem jeweils anderen bewusst Hindernisse in den Weg legten. Diesen grausamen Menschen begegnen die leicht naive, ungebildete, aber lebenskluge Philomena und der zynische Intellektuelle Sixsmith immer gleichzeitig. Ihre höchst unterschiedlichen Reaktionen auf die Enthüllungen wie auch auf ihre Umgebung generell machen den eigentlichen Reiz dieses tief anrührenden Films aus.

Der äußerst facettenreich spielende Steve Coogan und die sanfte, in ihren Gesten aber immer sehr pointierte, würdevolle Judi Dench in der Titelrolle bilden auf dieser ungewöhnlichen Reise in Philomenas Vergangenheit ein wunderbar glaubwürdiges Paar, das gegensätzlicher kaum sein könnte.

Ulricke Frick

Rubriklistenbild: © Alex Bailey/SquareOne/Universum Film/dpa

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